Unerlaubte Werbung

15. November 2012 08:57; Akt: 15.11.2012 09:26 Print

Das lukrative Geschäft mit den Facebook-Seiten

von Antonio Fumagalli - Wer eine beliebte Facebook-Gruppe hat, kann sich die Hände reiben: Für Administratoren-Rechte werden Tausende Franken geboten. Den Ärger haben die ahnungslosen User.

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Mit unerlaubter Werbung kann man auf Facebook gutes Geld machen - das Nachsehen haben die nichtsahnenden User. (Bild: Keystone)

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Über mehrere Jahre hinweg hat Domenico L.* die Facebook-Seite «Mobile Radarmeldungen: Schweiz» aufgebaut. Mit einigem Erfolg: Über 18'000 User haben den «Gefällt-mir-Button» gedrückt, Tausende veröffentlichen auf der Pinnwand neben allerlei Meldungen aus der Autowelt die Standorte der neusten Blitzkästen.

L. hat mit seiner Seite keinen Rappen verdient, dabei hätte er sie längst vergolden können. Vor Jahresfrist schneite ihm ein lukratives Angebot ins Haus: Arno Branger, Geschäftsführer von «Shisha Welt», wollte ihm die Administratoren-Rechte von «Mobile Radarmeldungen: Schweiz» abkaufen. Sein Plan war ausgeklügelt: Branger hätte die Seite normal weiterbetrieben und von Zeit zu Zeit Werbung für seine Wasserpfeifen zwischen die Radarwarnungen gestreut. Der Deal platzte letztlich - ein Verkauf hätte dem «gemeinnützigen Gedanken» seiner Seite widersprochen, so L.

So altruistisch handeln aber längst nicht alle Betreiber: Ein Blick auf die Online-Auktionsplattformen genügt, um festzustellen, dass dort der Handel mit Admin-Rechten blüht. Auf eBay gibts die Kontrolle über die «Facebook-Fanpage mit über 36'000 Likes» für 152 Euro. Wer auf der inoffiziellen Fanpage der amerikanischen Fussballtorhüterin Hope Solo Werbung schalten möchte, muss bereits 849 Franken hinblättern (was bis anhin noch niemand tat).

«Günstiger als konventionelle Werbung»

Wasserpfeifen-Unternehmer Branger wäre sogar bereit gewesen, noch viel tiefer in die Tasche zu greifen: Er bot L. einen hohen vierstelligen Betrag für die Admin-Rechte seiner Radar-Warnseite. «Das wäre wirtschaftlich interessant gewesen, weil die User ungefähr meiner Zielgruppe entsprechen und sie die Seite vor allem regelmässig konsultieren.»

Solche Posts seien auf lange Sicht günstiger als konventionelle Werbung, sagt der 22-Jährige und gibt zu, nicht ganz frei von moralischen Skrupeln zu sein – schliesslich geht niemand auf eine Blitzkasten-Seite, weil er schon lange den neusten Apfel-Tabak ausprobieren wollte. «Aber ich hätte natürlich aufgepasst, nicht allzu häufig Werbung zu schalten. Sonst vergrault man die Leute», so Branger. Dass sich alle Neo-Administratoren auch noch für den eigentlichen Zweck der Gruppe interessieren, darf allerdings bezweifelt werden.

Geschickte Administratoren

Das Ausmass des Handels mit Admin-Rechten hat sogar Social-Media-Dozent Gustavo Salami überrascht: «Es ist bekannt, dass Firmen und Veranstalter Facebook-Fans kaufen, um den eigenen Brand beliebter erscheinen zu lassen. Aber dass auch Zugangs-Daten regelmässig unter den Hammer kommen, ist eine neue Dimension.» Das Perfide daran sei, dass die Fake-Administratoren zumeist geschickt vorgingen. «Der User merkt oft gar nichts davon - und schon landet er auf einer Seite mit kommerziellen Interessen», so Salami.

Und Facebook? Der Internetgigant verweist auf Anfrage auf die «Nutzungsbedingungen für Facebook-Seiten». Dort heisst es, dass «Werbung von Dritten auf Seiten» untersagt sei. Verstosse ein Administrator gegen die Bestimmungen, werde man ihn kontaktieren und gegebenenfalls die Seite sperren. Wie oft dies vorkommt, wollte die Sprecherin nicht kommentieren.

Für Social-Media-Experte Salami kämpft Facebook ohnehin gegen Windmühlen: «Es wird nie möglich sein, die unerlaubte Werbung zu kontrollieren, nur schon weil zumeist hochprofessionelle Firmen dahinterstecken. Wir stehen erst am Anfang einer bedenklichen Entwicklung.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Debbie S am 16.11.2012 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung auf allen Ebenen

    Augen zu und durch. Geduldig Pop-Ups wegklicken, wenns kommen, ignorieren und chilln. Werbung gibts an allen Ecken und Enden. That's modern life. Willst keine Werbung - Internet, Tv, Handy weg und tief im Wald wohnen

  • abidin izairi am 15.11.2012 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    facebook

    facebook ist sehr gut Mark Zuckerberg soll sie echt freuen ein hoch auf Mark

  • Nico am 15.11.2012 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Lukrativ

    habe auch schon eine seite verkauft... die ich eigentlich sinnlos und aus spass gemacht habe... naja, angebot bekommen, 850 per paypal bekommen von nem österreicher und mir was schönes gegönnt :P

  • I.D.P.A. am 15.11.2012 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Eure Meinungen

    Ich finde FB ja auch nicht sonderlich toll doch es hat schon seinen Reiz nur um mit alten Bekannten und Freunden in Kontakt zu bleien. Doch es nervt, dass alle so einen Mist posten. Ich und einige Schulkamaraden sind an einer Projektarbeit zu genau diesem Thema und es würde uns extrem helfen wenn ihr diesen Umfrage ausfüllen würde. Man muss ja nicht wäre aber eine grosse toll. -Dankeschön^^

  • Mauresi am 15.11.2012 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    war mir von anfang an suspekt ...

    warum account löschen? ich hab da nie echte daten eingegeben ... wir geben massig kohle aus für sicherheit etc. und bei FB lasst ihr die hosen runter? ... nie und nimmer werde ich mein reales leben publishen ...

    • Hans Gruber am 15.11.2012 15:08 Report Diesen Beitrag melden

      Naiv

      Das ist die grösste Illusion, dass irgendein Fake-Name o.ä. ein Schutz darstellen würde. Wenn jemand effektiv deine Identität feststellen bzw. mit FB-Daten verknüpfen will, ist das ein Kinderspiel. Schon nur, weil es alle mit Geräte-IDs, Cookies, Trackern, etc. leicht verknüpfen lässt. Zweitens ist es die Frage wozu: Echte Angaben sind kaum tragisch wenn man diese auf öffentliche Daten beschränkt. Wenn was im Telefonbuch oder auf der Seite des Arbeitgebers steht, kann es auch auf FB nicht mehr schaden..

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