Interne Mails

18. September 2013 07:22; Akt: 18.09.2013 15:17 Print

Datenklau bei Swisscom - keine Kunden-Logins

14'500 Mails und 600'000 Nummern: Unbekannte haben Swisscom-Datenbänder geklaut. Laut dem Telekomkonzern sind keine Kundendaten abhandengekommen.

storybild

Die gestohlenen Daten-Bänder enthalten Back-up Daten aus den Jahren 2008 bis 2010. Heute würden keine solcher Bänder mehr bei der Swisscom verwendet. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Swisscom sind grosse Mengen von Daten gestohlen worden. Wie der Telekommunikationskonzern in einem Communiqué schreibt, sind offenbar vier Datenbänder abhandengekommen. Sie enthalten Backup-Daten aus den Jahren 2008 bis 2010. Vom Datendiebstahl sind nach jetziger Kenntnislage keine Kundendaten wie Logins, Email- oder Zahlungsverbindungen betroffen. Es seien vor allem interne Emails von Mitarbeitern auf den Datenbändern enthalten, sagte Swisscom-Sprecher Olaf Schulze.

Allerdings hat der Telekomkonzern noch nicht die vollständige Übersicht über das Ausmass des Datenverlusts. Die Swisscom habe die drei Bänder von der NZZ erst am Vortag erhalten, sagte Schulze heute auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Über den Datendiebstahl berichtet heute Morgen die «Neue Zürcher Zeitung», welche von einer unbekannten Person die Datenkassetten erhalten hatte und einsehen konnte.

Einladungen zum Apéro und Raclette-Essen

Laut der «Neuen Zürcher Zeitung» befinden sich auf den Bändern unter anderem über 14'500 Emails. Zudem liessen sich Verträge mit Privat- und Geschäftskunden, Angaben zu Bestellungen und Telefonanschlüssen sowie Verrechnungsaufträge finden. Auch 600'000 Nummern aus dem Directories-Telefonbuch seien auf einem Tape abgelegt, zum Teil mit weiteren Angaben, schreibt die NZZ.

Die internen Emails enthalten laut dem Blatt den Stand von Projekten, Probleme und Sitzungstraktanden. Ebenso sind Protokolle, Dienstpläne, Krankheitsmeldungen und Einladungen zu Apéros oder Raclette-Essen enthalten.

Über die Motive der Täterschaft wollte Schulze nicht spekulieren. «Derzeit ist kein Erpressungsschreiben oder -anruf bei uns eingegangen», sagte der Swisscom-Sprecher. Der Telekommunikationskonzern hat mittlerweile Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht und zudem den Eidgenössichen Datenschutzbeauftragten über den Vorfall informiert. Swisscom schreibt, sie setze alles daran, den Fall raschmöglichst aufzuklären. Die Auswertung sei aber aufwendig. Denn die benötigten Lesegeräte sind seit dem letzten Jahr nicht mehr im Einsatz. Deshalb lasse sich nicht ausschliessen, dass auch Kundeninformationen auf den Bändern gespeichert seien.

Verwirrung um Anzahl Bänder

Die «Neue Zürcher Zeitung», die den Datendiebstahl aufgedeckt hat, hat keine Hinweise, dass noch mehr Datenbänder der Swisscom gestohlen wurden. Der Telekomkonzern spricht in ihrer Mitteilung von vier gestohlenen Datenbändern. «Wir haben nie eine Zahl genannt», sagte NZZ-Reporter Andreas Schmid der Nachrichtenagentur SDA. «Die vorhandenen Bänder, die ich hatte, habe ich der Swisscom zurückgegeben.» In weitere Daten habe er Einblick gehabt, erklärte Schmid. Diese stammen laut der Swisscom von einem weiteren Band. «Die Swisscom setzt alles daran, auch in den Besitz dieser fehlenden Daten zu kommen», schreibt der Telekomkonzern.

Spionage-Angriff auf Belgacom

Die belgische Telefongesellschaft Belgacom, an der auch die Swisscom zu über 22 Prozent beteiligt ist, ist Opfer einer Cyber-Attacke geworden. Nach Angaben des Unternehmens und der Regierung handelte es sich nicht um einen Sabotageakt, sondern um einen Versuch der Internet-Spionage. Erste Erkenntnisse deuteten auf «eine strategische Sammlung von Informationen» hin, durchgeführt mit einer Technik, die die Verwicklung eines anderen Staates nahe lege, erklärte Ministerpräsident Elio di Rupo am Montagabend.

Weder die Regierung noch das Unternehmen deuteten an, wer hinter dem Vorfall stecken könnte. Vor einigen Wochen war jedoch durch Enthüllungen des Ex-US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden bekanntgeworden, dass amerikanische Nachrichtendienste in Brüssel Institutionen der Europäischen Union ausgespäht hatten.

Telefonbetreiber verbreiten Sicherheits-Mantra

In der Aargauer-Zeitung erklären die Schweizer Netzbetreiber trotzdem, dass man sich auf der sicheren Seite sehe.

«Bei Orange gab es bisher keine solchen Fälle», sagt Sprecherin Therese Wenger gegenüber der AZ mit Bezug auf Belgacom. «Orange schützt ihr Mobilfunknetz und ihre Kundendaten seit je mit einem Sicherheitsdispositiv und setzt dabei die neuesten Sicherheitstechnologien ein.» «Einen vergleichbaren, erfolgreichen Hackerangriff wie bei Vodafone hat es bei Swisscom nicht gegeben», beruhigt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze. «Zur Gewährleistung des Datenschutzes hat Sunrise intern eine entsprechende Struktur mit Prozessen, Kontrollmechanismen und einem Datenschutzbeauftragten etabliert», heisst es vom zweitgrössten Netzbetreiber.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pascal.keller am 18.09.2013 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    NSA ??

    War das ev die liebe NSA oder so was in die Richtung? haben sie nich zu wenig Daten?

  • S. Salamander am 18.09.2013 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    Publik geworden..

    aber wieviele Datenklau wissen wir gar nicht?? Wie oft wundert sich man, wenn die eigene Adresse bekannt ist obwohl man diese nie herausgegeben hat für Werbung, Telefonwerbung etc. Es wird doch alles verschwiegen, wenn nicht die Öffentlichkeit durch Zufall informiert wird. Was man nicht weiss, macht Niemanden heiss

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • pascal.keller am 18.09.2013 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    NSA ??

    War das ev die liebe NSA oder so was in die Richtung? haben sie nich zu wenig Daten?

  • S. Salamander am 18.09.2013 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    Publik geworden..

    aber wieviele Datenklau wissen wir gar nicht?? Wie oft wundert sich man, wenn die eigene Adresse bekannt ist obwohl man diese nie herausgegeben hat für Werbung, Telefonwerbung etc. Es wird doch alles verschwiegen, wenn nicht die Öffentlichkeit durch Zufall informiert wird. Was man nicht weiss, macht Niemanden heiss

    • Hans Klarsicht am 18.09.2013 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      So ist es leider

      Ganz besonders spannend finde ich es, wenn dann irgend eine Basler Firma anruft und mir eine Reise andrehen will zu super Konditionen falls ich einen Vertrag abschliesse. Angerufen werde ich auf einer Nummer die ich so nie ausgehändigt habe. Man wird von allen Seiten nur belogen und betrogen, die Leidtragenden sind nicht die Swisscom sondern die Menschen die eine Nummer da haben.

    einklappen einklappen