Mobile World Congress

25. Februar 2013 10:29; Akt: 25.02.2013 11:05 Print

Die Chinesen kommen

Samsung, Google und Apple sind die Könige im Mobilfunkmarkt, doch es braut sich neue Konkurrenz zusammen - aus China.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Smartphones werden 2013 noch grösser: Nach Samsung aus Südkorea schickt sich Huawei aus China an, die Smartphone-Branche aufzumischen. Da man bei Smartphones im Jahr 2013 erst ab 5 Zoll richtig dabei ist, geht Huawei gleich auf 6,1 Zoll hoch. Das Ascend Mate (rechts) soll Samsungs Galaxy Note 2 Konkurrenz machen. Sogar das riesige Galaxy Note wirkt im Vergleich zum Ascend Mate plötzlich klein. Beim Design spielt Huawei noch nicht in der selben Liga wie Apple und Nokia. Die neusten Android-Geräte wissen dennoch auch optisch zu gefallen. Richtig handlich ist das Riesen-Smartphone natürlich nicht mehr. Ähnlich wie Samsung setzt auch Huawei auf Plastik und Hochglanzoptik. Mit dem zweiten neuen Android-Gerät, dem 5 Zoll grossen Ascend D2, haben es die Chinesen nicht zuletzt auf Samsungs Galaxy S3 (4,8 Zoll) abgesehen. Technisch gehört das D2 zur Spitzenklasse: Full-HD-Display, Quad-Core-Prozessor, gewaltiger Akku und die 13-Megapixel-Kamera lassen einiges erwarten. Im Grössenvergleich: Das Ascend Mate (links) und Ascend D2 neben dem iPhone. Auch für Windows-Phone-Freunde mit schmalem Portemonnaie hat Huawei das passende Angebot. Das Ascend W1 ist wie das iPhone 5 gerade mal 4 Zoll klein und kommt wie die Premium-Modelle von Nokia und HTC mit Windows Phone 8. Das Ascend W1 erscheint noch im ersten Quartal 2013 in der Schweiz und wird ohne Abo 280 Franken kosten, wie Huawei gegenüber 20 Minuten Online bestätigt hat. Im Internet kursieren zudem Gerüchte, dass Huawei an einem 4,5 Zoll grossen Windows-Phone arbeite.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Im Moment sehen die Tore zum Smartphone-Markt auf den ersten Blick hermetisch verschlossen aus. Das Google-Betriebssystem Android mit Samsung als Fahnenträger dominiert bei den Marktanteilen. Apple, das mit dem iPhone den Umbruch anstiess, schöpft heute noch einen Löwenanteil der Profite ab.

Die vielen Android-Modelle verschiedener Hersteller und die iPhones saugen allen anderen Smartphone-Plattformen schlicht die Luft weg. Marktforscher wie Gartner und IDC sahen den Anteil des Google-Systems zuletzt bei 70 Prozent und Apple bei gut 20 Prozent.

Das heisst, alle anderen Systeme müssen sich derzeit in ein Zehntel des Marktes quetschen. Zwei einstige Spitzenreiter - Blackberry und Microsoft mit Windows Phone - ringen mit bisher mässigem Erfolg um den dritten Rang.

Neue Konkurrenz

Und doch melden in Barcelona neue Rivalen ihren Anspruch auf einen Platz in dem heiss umkämpften Markt an. Da ist das neue Firefox-Betriebssystem der Mozilla-Stiftung, die auch hinter dem populären Internetbrowser steht.

Demnächst kommen erste Geräte mit dem Internet-basierten System zunächst in Lateinamerika auf den Markt. Und das einst von Nokia und Intel verworfene Betriebssystem MeeGo soll in Asien unter dem Namen Jolla lanciert werden.

Der Optimismus der scheinbaren Aussenseiter hat einen Grund: Die Smartphone-Revolution, die in Westeuropa und Nordamerika begann, erfasst inzwischen die ganze Welt. In diesem Jahr dürfte erstmals rund 1 Mrd. Smartphones verkauft werden. Das ist zwar viel, heisst aber auch, dass es immer noch einen riesigen Markt zu teilen gibt, der Milliarden Menschen umfasst.

Und die Gewinner von heute werden dabei nicht unbedingt die erste Geige spielen. Denn die Märkte der Wohlstandsländer sind schon weitgehend gesättigt. Jetzt sind Asien, Afrika und Südamerika an der Reihe. China ist bereits der grösste Smartphone-Markt der Welt. Und in diesen Regionen sind vor allem günstige Smartphones gefragt.

Günstige Smartphones

Schlägt jetzt die Stunde chinesischer Hersteller wie Huawei und ZTE? Der Smartphone-Boom in Asien und Afrika beflügelt sie. Huawei stiess zum Jahresende 2012 erstmals auf den dritten Platz unter den Smartphone-Herstellern nach Samsung und Apple vor. Experten sehen gute Chancen, dass die Chinesen sich unter den Top drei etablieren können.

«Wir werden in diesem Jahr einen riesigen Schub an günstigen Android-Smartphones sehen», sagt Analystin Annette Zimmermann vom Marktforscher Gartner. Die Devise sei: «Smartphones für die Massen.» Neben den Chinesen stehen auch Neulinge wie das russische YotaPhone mit zwei Bildschirmen in den Startlöchern.

Es wird ein spannender Konkurrenzkampf, denn auch die einstigen Smartphone-Könige Nokia und Blackberry wollen nicht aufgeben. Den Finnen stärkt der milliardenschwere Windows-Riese Microsoft den Rücken mit seiner Marktmacht. Ersten durchgesickerten Fotos zufolge sind von Nokia demnächst neue, günstige Modelle von Lumia-Smartphones zu erwarten. Bei Blackberry setzt der deutsche Chef Thorsten Heins auf ein neues Betriebssystem, das auch in Autos oder in der Gesundheitstechnik eingesetzt werden kann.

(mbu/sda)