Internet-Piraterie

12. Juni 2013 15:49; Akt: 12.06.2013 16:14 Print

Diese Download-Sites sollen offline gehen

von Oliver Wietlisbach - Der Chaos Computer Club Zürich hat eine Liste mit Download-Portalen veröffentlicht. Pikant: Sie wurde von der Swiss Anti-Piracy Federation als Zensur-Liste erstellt.

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Die Schweizerische Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie hat eine schwarze Liste mit Download-Portalen erstellt, die gesperrt werden sollen.

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Auf der Website des Chaos Computer Club Zürich prangt seit kurzem eine Linkliste, die die Unterhaltungsindustrie ins Mark trifft. Das Verzeichnis liest sich wie das Who is Who der Download- und Streaming-Portale. Zu finden sind einschlägig bekannte Webseiten wie thepiratebay.sx oder kinox.to, die seit Jahren das kostenlose Herunterladen von Filmen oder Musik ermöglichen. Nicht ohne Ironie ist, dass die Link-Sammlung von der Schweizerischen Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie erstellt worden ist.

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Beim Chaos Computer Club lacht man sich ins Fäustchen, denn noch nie war es einfacher, Inhalte gratis aus dem Netz zu saugen. «Sperr- oder Zensurlisten sind immer eine Anleitung, welche Seiten interessant sind, um illegale Inhalte zu finden», sagt Hernani Marques vom CCCZH gegenüber 20 Minuten.

Doch was lief da schief? Die Swiss Anti-Piracy Federation, kurz SAFE, hatte die Sammlung mit ihrer Ansicht nach illegalen Download-Portalen erstellt und an die Teilnehmer des «Provider Day 2013» verteilt. Das Treffen der Internet-Firmen fand Ende Mai im Zürcher Technopark statt. Der Dachverband der Unterhaltungsindustrie SAFE warb dafür, dass Service-Provider wie Swisscom den Zugriff auf Download-Portale künftig sperren müssen. Dumm nur: An besagtem Event waren auch Mitglieder des Chaos Computer Club Zürich (CCCZH ) anwesend. Die Piraten-Jäger haben den Hackern die Download-Liste somit selbst ausgehändigt, bestätigt Marques vom CCCZH.

«Willkürliche Zensurliste»

Nun ist der Download-Guide (das Original-Dokument ist im Besitz von 20 Minuten) im Web frei zugänglich und somit das ideale Werkzeug für alle, die neue Download- und Streamingseiten ausprobieren möchten. Man wolle mit der Veröffentlichung der schwarzen Liste vor der drohenden Netz-Zensur warnen, sagt Marques. Die Hacker werfen den Piratenjägern vor, eine willkürliche Zensurliste zu erstellen, die laufend ergänzt werde. Die Swiss Anti-Piracy Federation hat auf eine Anfrage von 20 Minuten bislang nicht reagiert.

Für Marques ist das Sperren ganzer Websites, wie es die Swiss Anti-Piracy Federation vorschlägt, der falsche Weg. Der Chaos Computer Club Zürich sei nicht grundsätzlich dagegen, dass illegale Inhalte aus dem Internet getilgt werden. «Es ist aber untragbar, dass alle von SAFE aufgeführten Webseiten in den gleichen Topf geworfen und komplett gesperrt werden sollen», sagt Marques. Sein Argument: Über gewisse Websites, die auf der Abschussliste stehen, würden auch Filme, Musik oder Software verbreitet, die nicht urheberrechtlich geschützt seien.

Ein weiterer Kritikpunkt: Auf der schwarzen Liste figurierten auch Websites, die gegen keine Gesetze verstossen würden. Als Beispiel nennt Marques sogenannte Stream Ripping Services. Deren Vergehen ist laut SAFE, dass sie die Möglichkeit bieten, aus einem YouTube-Video eine MP3-Datei zu erstellen, die der Benutzer herunterladen kann. Auf YouTube gäbe es aber auch zahlreiche Videos, die nicht durch ein Urheberrecht geschützt seien, so Marques.

Beim Chaos Computer Club setzt man grundsätzlich ein Fragezeichen hinter die angedachten Zensurmassnahmen: Für versierte User sei es ein Kinderspiel, die Blockierung von Websites mit Hilfe von so genannten DNS-Sperren zu umgehen.

Bundesrat lässt Downloader an der langen Leine

Die Swiss Anti-Piracy Federation (SAFE) kämpft gegen illegale Downloads im Internet. Ihr Ziel: Wie in den meisten europäischen Staaten soll auch bei uns das Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Inhalten strafbar werden. Das Problem der SAFE: Der Bundesrat lässt Downloader bewusst an der langen Leine. Das blosse Downloaden für den Privatgebrauch ist in der Schweiz daher nach wie vor legal. Davon ausgenommen ist Software.

Die Landesregierung schrieb Ende November 2012: Auf das kulturelle Schaffen in der Schweiz wirke sich das Herunterladen von Filmen oder Musik nicht nachteilig aus. Denn das Geld, das die Internetnutzer beim kostenlosen Herunterladen sparten, gäben sie weiterhin für den Konsum im Unterhaltungsbereich aus. Ins gleiche Horn bläst der Chaos Computer Club: SAFE vertrete nicht die Interessen der Schweizer Künstler, sondern reagiere mit den Zensurvorschlägen «auf den Druck der Content-Mafia in den USA».

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich möchte mich ganz herzlich an die Leute die sich die Mühe gemacht haben, so eine Liste zu erstellen. Aus einem einzigen Grund, es gab Seiten die ich noch gar nicht gekannt habe.. :-) hier mal.. DANKE SCHÖN !!! Es mag so sein, dass man die Filme nur sehen tut aber mit ein paar Tools und Quelltext lesen besteht die Möglichkeit den Film auf den Rechner herunterzuladen.. Mal aber ganz ehrlich? Kann ein Streaming das Kinogefühl ersetzen? Nie wird dies der Fall sein. :) – Dashmir

In vielen Ländern gibt es Streaming-Portale welche für einen kleinen Betrag pro Monat, die schöne Welt der Filme und Serien zur Verfügung stellt. Solange dies nicht in der Schweiz populär wird, werden die Portale mit Gratis-Streaming nicht verschwinden. – Baergchend

Wie wäre es wenn "SAFE" (der Name ist ja schon gar ironisch, wenn man bedenkt, dass da hinter Rootkitersteller (Universal) stecken) sich dafür einsetzen würde, dass z.B. Netflix sich endlich in die CH/Europa traut? Kaum gab es ein vernünftiges Angebot für MP3 (z.B. iTunes/Spotify etc.) machten sie ja auch wieder Geld mit Musik... Das würde sicher auch für Filme funktionieren... – Max Muster

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruffy am 13.06.2013 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strohhut Pirat

    Ich habe einige Hundert GB Filme, Spiele und Musik heruntergeladen und werde es auch zukünftig tun... Geistiges Eigentum hin oder her... Wären die Games usw. nicht so teuer dann würde ich sie sicherlich kaufen aber so ganz bestimmt nicht...

  • XY am 12.06.2013 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DNS Sperre bringt nix

    SAFE's Idee mit der DNS Sperre kann locker umgangen werden, indem man einfach auf einen anderen (ausländischen) DNS Server wechselt...

    einklappen einklappen
  • lapos am 13.06.2013 02:39 Report Diesen Beitrag melden

    zenur

    es ist sicher nicht sache der provider gewisse seiten zu sperren! statt mal den markt anzupassen und uns auszupressen wäre es setzt man auf zensur. unglaublich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Muster Muster am 14.06.2013 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Die Liste ein Witz

    Auf dieser Liste findet man keine wirklich guten Portale, die guten fehlen in der Liste. Dazu ist die Liste alt => :-)

  • Arno Meyer am 13.06.2013 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Solange die TV-Sender und Filmstudios schlicht zu doof sind, das Marktpotenzial von globalen Streamingangeboten zu erkennen, sollen sie meinetwegen ruhig "beklaut" werden. Die Lernresistenz bei den Content-Providern ist riesig - aus dem Fiasko der Musikindustrie, der am Schluss durch iTunes etc. das Wasser abgegraben wurde, hat man nichts gelernt. Die Leute sind ja bereit für die Inhalte zu zahlen, wenn sie in passender Form angeboten werden (siehe eben iTunes)

  • Cédric Günther am 13.06.2013 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Anderstweitige Unterstüzung

    Bei mir ist es ganz einfach, ich lade praktisch Filme/Musik immer herunter, und wenn mir der Film bzw. die Musik gut gefällt und ich weiss das ich den Film öfters sehen will bzw. die Musik intensiv höre, dan kauf ich mir im Nachhinein auch die CD/DVD/Blu-Ray! Oder ganz einfach: Von den Künstlern von denen ich intensiv Musik höre, habe ich mind. shcon ein Konzert besucht oder Merchandise gekauft, und somit habe ich ein gutes gewissen da ich den Künstler unterstütze.

  • Felix Müller am 13.06.2013 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde ja gerne zahlen.

    Gestern mit Kumpels letzte Folge von Game of Thrones geschaut. Gerne hätte ich dafür ein paar Dollar bezahlt, aber man lässt mich ja nicht. Hollywood und Co möchten zwar einen Globalen Markt, aber jedes Land soll wie ein Filet für sich zerlegt werden, (zur gegebenen Zeit oder auch nicht.. wenn man denkt es gibt zu wenig Geld). Nein Danke. Warum Showtimes, HBO, Netflix nicht einfach Global arbeiten können (via Internet wäre das ja kein Problem) verstehe ich nicht. Torrents machen übrigens Filme und Shows erst richtig Populär!

  • Ruffy am 13.06.2013 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strohhut Pirat

    Ich habe einige Hundert GB Filme, Spiele und Musik heruntergeladen und werde es auch zukünftig tun... Geistiges Eigentum hin oder her... Wären die Games usw. nicht so teuer dann würde ich sie sicherlich kaufen aber so ganz bestimmt nicht...