Online-Betrug

14. Februar 2013 20:13; Akt: 15.02.2013 11:07 Print

Dieses E-Mail kann Sie 1000 Franken kosten

von Oliver Wietlisbach - Mail-Betrüger schlagen wieder zu. Das Fiese: Die neuen «Bettelbriefe» kommen in gutem Deutsch daher. Eine 20-Minuten-Leserin erzählt, warum ihre Freunde fast in die Falle tappten.

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Konto gehackt, Bettelbrief verschickt und beinahe mehrere tausend Franken erbeutet. Die E-Mail-Betrüger haben dazu gelernt. (Bild: Colourbox)

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Die Masche ist alles andere als neu: Online-Kriminelle hacken sich in ein Mailkonto und schreiben ein Hilfegesuch an alle Kontakte. In der E-Mail ist die Rede davon, dass man irgendwo im Ausland ausgeraubt worden sei und nun dringend 1000 Franken brauche, beispielsweise um die Hotelrechnung zu begleichen.

In der Vergangenheit waren solche Betrugs-Mails oft in schlechtem Deutsch verfasst. Kaum jemand liess sich daher von den Gaunern übertölpeln. Doch nun haben sich die Online-Betrüger offenbar einen Duden zugelegt: «Die in meinem Namen verfasste E-Mail an mehrere hundert Kontakte hatte nur kleine Fehler, die ich auch ab und zu mache», sagt Christine Gassmann.

Die Betrüger hatten sich in ihr E-Mail-Konto bei Yahoo gehackt. Im «Bettelbrief» an Freunde, Verwandte und Bekannte war zu lesen: «Ich bin zur zeit im Ausland und habe meine Tasche verloren samt Reispass und kreditkarte. Ich wollte dich fragen ob du mir ein bisschen Geld so schnell wie möglich leihen kannst. Ich gebe es dir zurück sobald ich da bin. Ich muss unbedingt den nächsten Flug bekommen. Du kannst mich durch e-mail oder durch die Hotel Reception erreichen.»

Empfänger der Nachricht, die die Story überprüfen wollten und die Telefonnummer in England anriefen, bekamen ein Tonband zu hören. Unterzeichnet war die E-Mail mit «Chrigi», was dem Hilferuf weitere Glaubwürdigkeit verlieh.

Raffiniert geplanter Betrug

Die Kriminellen gehen immer geschickter vor: Sie ändern nicht etwa das Passwort des gehackten Kontos, sondern erstellen eine zweite E-Mail-Adresse, die der Original-Adresse bis aufs Haar gleicht. Im echten Konto löschen sie lediglich das Adressbuch, damit das Opfer seine Kontakte später nicht so einfach warnen kann. Der Betroffene bemerkt daher nicht unmittelbar, dass sein E-Mail-Konto gekapert worden ist.

Die Kriminellen verwenden die gefälschte Adresse, um im Namen des Opfers Geldanfragen zu versenden. «Die Betrüger ersetzten den Punkt in meiner Original-Adresse durch einen Unterstrich. Das fällt den Kontakten nicht auf», sagt Gassmann. Da Freunde und Bekannte an die manipulierte Adresse zurückschreiben, merkt das Opfer zunächst nichts vom Betrugsversuch.

«Vier Freunde haben beinahe Geld überwiesen»

Erst wenn sich die ersten Freunde, die sich über die Bittschriften wundern, per SMS oder Facebook beim Opfer melden, fällt die Attacke auf. Dann kann es aber schon zu spät sein. Auch Frau Gassmann konnte nicht alle ihre E-Mail-Kontakte warnen, weil die Betrüger das Adressbuch gelöscht hatten. Sie habe ihre Freunde auf Facebook gewarnt, aber «mindestens vier Kollegen haben beinahe 1000 Franken per Western Union an die Gauner überwiesen».

Aufgeflogen sei der Schwindel, da sich die Betrüger auf Nachfragen ihrer Freunde bei den weiteren E-Mails weniger Mühe gegeben haben. Manche der fingierten Nachrichten waren plötzlich mit «Ihre Christine Gassmann» unterzeichnet, was die Freunde skeptisch werden liess.

Sie glauben nun, auf diese Masche fallen höchstens mit dem Internet unvertraute Senioren herein? Dann sind sie falsch gewickelt. Auch die Generation Facebook ist gegen gut gemachte Betrugs-Versuche nicht gefeit. Wenn eine Nachricht plausibel erscheint, weil man beispielsweise weiss, dass der Freund oder die Freundin tatsächlich im Moment im Ausland weilt, werden alle Warnsignale oft übersehen.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Jaja ich kenne das. Kürzlich bekam ich eine solche Mail von einer Freundin aus den USA mit ähnlichem Inhalt. Wenn man auf die Mail antworten wollte, änderte sich in der Adresse ein i zu einem l. Ganz clever... Da wir uns aber nicht so nahe stehen wurde ich skeptisch, da ich in diesem Fall zuerst meine Familie kontaktieren würde und nicht irgendwelche Bekannten aus dem Ausland. Aufpassen also...! – M.K.

ich bekam letzten sommer auch so ein mail! hab dann per mail eine vertrauensfrage gestellt, welche nur die richtige absenderin hätte beantworten können. als dann keine antwort mehr kam war uch sicher, dass eun betrug vorliegt! – natalie

Schade dass das Internet heutzutage einfach nur ausgenutzt wird. Zu meiner Zeit konnten wir froh sein ein funktionierendes Telefon zu haben. Was hatten wir für Glück als das Internet erfunden wurde... Und jetzt das:( – Heinrich M.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • juerg leisinger am 15.02.2013 03:05 Report Diesen Beitrag melden

    ultra posse nemo obligatur

    den Schreiber darauf hinweisen, dass er zur Botschaft/Konsulat gehen soll, wo man ihm mit Geld & einem neuen Pass aushilft . . .!

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  • Anonym am 15.02.2013 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fake

    Ich kenne jemanden, welcher mails von einer "UBS" erhält. Im mail steht man soll die kontoangaben mailen. Die mails sind in einem schlechten googletranslate-deutsch verfasst. Das selbe habe ich einmal von einer "swisscom" erhalten. Erkebnungsmerkmal: das logo sieht komisch aus und kommt teilweise nicht zuunterst im mail. PS: die UBS schreibt keine mails

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  • J. am 16.02.2013 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegwerfen

    Gut dass ich nur die emails lese dich mich interessieren! Wenn sowas in meiner familie passieren würde, würde auf ein anruf von der person warten mit der nummer wo ich kenne. Sonst ists für mich sowas panausel blöd! Bekam auch schon solche emails man hätte das und das im ausland gekauft und bezahlt. Ich lache nur darüber... Emails sollte man allgemein wegwerfen um geld geht, den die richtigen leute würden sich realistisch melden

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jj am 16.02.2013 01:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragen

    Am Besten die Eltern oder andere Freunde von der Person anrufen, ob die Person auch wirklich in den Ferien ist

  • J. am 16.02.2013 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegwerfen

    Gut dass ich nur die emails lese dich mich interessieren! Wenn sowas in meiner familie passieren würde, würde auf ein anruf von der person warten mit der nummer wo ich kenne. Sonst ists für mich sowas panausel blöd! Bekam auch schon solche emails man hätte das und das im ausland gekauft und bezahlt. Ich lache nur darüber... Emails sollte man allgemein wegwerfen um geld geht, den die richtigen leute würden sich realistisch melden

  • Paul Meister am 15.02.2013 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt

    an alle die sich über die auch so blöden Freunde aufregen. Habt ihr den Bericht gelesen? Steht irgendwo im Bericht, dass irgendwer auf der Welt einen Franken auf irgend ein Konto bezahlt hat. NEIN! Es steht, dass Freunde FAST bezahlt hätten ......Hä, wie kann man fast bezahlen, versuche das mal an der Migroskasse, "Guten Tag heute zahle ich mal fast ist das in Ordnung?"

    • Markus W. am 15.02.2013 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      fast oder beinahe?

      ich habe den Bericht gelesen aber FAST steht da nicht drin, da steht nur BEINAHE drin ;-) Nur weil hier drin steht, dass ein paar Leute beinahe bezahlt hätten heisst das nicht, dass noch niemand bezahlt hat - wenn man sich die Fälle der Enkeltrickbetrüger anschaut muss man annehmen, dass auch beim Mail-Betrüger-Trick schon einige Leute Geld überwiesen haben. Wer würde seinen Freunden in Not nicht helfen wollen und das möglichst schnell?

    • chregu am 15.02.2013 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      intelligent

      mit der Bemerkung "BEINAHE" ist gemeint das die Freunde einen Betrag von ca.1000 chf überwiesen haben. Es kommt immer auf den Wechselkurs an. nur zur Info

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  • Markus W. am 15.02.2013 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    diese Situation kenne ich

    ich war einmal in der gleichen Situation - habe von einem Freund eine E-Mail bekommen weil er überfallen wurde und kein Geld mehr hatte. Selbstverständlich habe ich ihn sofort angerufen und erfahren, dass er tatsächlich in Not ist. Einfach so Geld zu überweisen würde ich eh nie machen ohne telefonische Rückfrage (ja, es gibt auch Orte auf dieser Erde die telefonisch schwer zu erreichen sind aber wenn ich meinen Freund telefonisch nicht erreichen kann, dann kann er mir auch keine E-Mail schicken) - bevor Geld fliesst IMMER rückfragen

  • kiki am 15.02.2013 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Anonyme Mailkonten

    Warum um alles in der Welt werden diese Anonymen Konten nicht verboten? Das würde manche Kriminalität verhindern oder die Täter könnten schneller gefunden werden.

    • Markus W. am 15.02.2013 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      ????????

      welche anonymen Konten?

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