Neuer GIS-Browser

12. November 2012 06:55; Akt: 12.11.2012 11:06 Print

Karten-Tool verrät fast alles über Zürich

von Sepp Beck, sda - Ob Veloparkplätze, Handy-Antennen oder Umweltgifte: Der Kanton Zürich bietet mehr als 100 Online-Karten mit wertvollen Informationen gratis an. Nur bei der mobilen Nutzung harzt es noch.

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Blick auf den Zürichsee: Der Kanton Zürich hat sein Geografisches Informationssystem überarbeitet. In einem nächsten Schritt sollen die Daten auch über Smartphones abgerufen werden können. (Bild: Keystone (Archivbild))

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Ohne Geoinformationsdaten läuft fast nichts mehr. Rund 80 Prozent aller Entscheidungen im politischen, wirtschaftlichen und privaten Leben haben einen räumlichen Bezug, wie der Zürcher Kantonsplaner und Chef des Amts für Raumentwicklung, Wilhelm Natrup, Ende letzter Woche vor den Medien ausführte. Die Geoinformation sei zur wichtigsten Technologie für die Entwicklung im 21. Jahrhundert geworden.

Für Verwaltung, Planer oder Architekten sei das Geografische Informationssystem (GIS) heute ein selbstverständliches Arbeitsinstrument, sagte Natrup. Entscheidungsgrundlagen könnten damit viel schneller und einfacher erarbeitet werden. Pro Jahr verzeichnet das GIS rund 12 Millionen Zugriffe.

Um dem wachsenden Bedürfnis nach raumbezogenen Daten Rechnung zu tragen, hat das Geoinformations-System des Kantons Zürich (GIS-ZH) den GIS-Browser neu gestaltet und erweitert. Dieser komme den heutigen Wünschen und Sehgewohnheiten entgegen und sorge für eine einfachere und intuitivere Bedienung. Der GIS-Browser steht laut dem Kantonsplaner aber auch unter einem gewissen Druck von privaten Anbietern wie etwa Google (Maps).

Viele Themen und Informationen

Die Themengruppen im GIS-Browser umfassen Karten aus Bereichen wie Boden, Wasser, Luft, Vegetation, Verkehr oder Siedlung, die in verschiedenen Massstäben auf den Bildschirm geholt und mit einer Vielzahl von Detailinformationen ergänzt werden können.

Auch für Privatpersonen sei der GIS-Browser eine hilfreiche Informationsquelle, sagte Jakob Günthard, Leiter des GIS-Zentrums im Amt für Raumentwicklung. Wer wissen will, ob das Quartier hochwassergefährdet ist, ob es in der Gemeinde Naturschutzgebiete gibt, wo sich Veloabstellplätze befinden oder wo im Kanton Mobilfunk-Sendeanlagen stehen, kann dies mit ein paar Klicks im Internet herausfinden.

Auskunft gibt der GIS-Browser aber auch über Preisklassen von Grundstücken, Strassenbaustellen oder die Belastung eines Gebietes mit Stickstoffdioxyd. Mit Hilfe der Angaben des Statistischen Amtes kann sogar die Bevölkerungsstruktur samt Ausländeranteil in einem bestimmten Quartier abgefragt werden. Messwerkzeuge erlauben überdies Längen und Flächen am Bildschirm zu messen.

Grundsätzlich öffentlich zugänglich

Die Geburtsstunde des GIS-ZH war 1992. Das erste Projekt, das damals aufbereitet wurde, war die Bodenkarte. Über das Internet zugänglich wurde das GIS aber erst im Jahre 2000 mit dem Tür-zu-Tür-Fahrplan des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV).

Mit dem am 1. November in Kraft getretenen Geoinformationsgesetz sind im Kanton Zürich Geoinformationsdaten grundsätzlich öffentlich zugänglich. Welche Daten ins Internet gestellt werden, entscheiden laut Günthard jedoch die einzelnen Fachstellen. Besonders sensible Daten von Polizei oder Feuerwehr werden auch in Zukunft nicht einsehbar sein.

Über das Smartphone?

Derzeit sind rund ein Drittel der thematischen Karten im neuen GIS-Browser verfügbar. Die weiteren Karten seien vorerst noch über die alte Benutzeroberfläche zugänglich und würden in den kommenden Wochen und Monaten schrittweise in den neuen Browser übertragen, sagte Günthard. Das GIS-Zentrum sei interessiert daran, möglichst aktuelle Daten ins Netz zu stellen. Einzelne werden deshalb monatlich oder gar wöchentlich aktualisiert.

In einem nächsten Schritt sollen geografische Daten auch über Smartphones abgerufen werden können. Zwar kann www.maps.zh.ch auch mit dem mobilen Browser aufgerufen werden, doch lassen sich die Informationen auf dem kleineren Bildschirm kaum nutzen.

Einen ersten Versuch in der mobilen Welt von iPhone und Co. startete das GIS-Zentrum bereits im vergangenen Jahr mit einer Wald-App mit verschiedenen Wandervorschlägen in Zürcher Wäldern. Weitere Apps für Einsätze der Feurwehr oder Brückenbauten sind laut den Verantwortlichen in Vorbereitung.