Falsch gehende Uhren

07. März 2018 21:31; Akt: 07.03.2018 22:34 Print

Sind die Backofen-Uhren Vorboten eines Blackouts?

Diverse Uhren laufen europaweit nicht mehr genau. Der Grund: die zu niedrige Frequenz auf dem Stromnetz. Sinkt sie weiter, könnten wir bald im Dunkeln sitzen.

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Was passiert, wenn die Energiezufuhr ins Wanken gerät? Wird mehr Energie benötigt, als zur Verfügung steht, so entsteht ein Ungleichgewicht. Wenn dieses nicht ausgeglichen wird, müssen irgendwann Teilgebiete vom Stromnetz ausgeschlossen werden, um einen europaweiten Blackout zu vermeiden. Heute verbrauchen Schweizer Haushalte 33% der in der Schweiz verbrauchten Elektrizität. Oftmals wird dabei die Tatsache vergessen, wie sehr unser Leben von Strom abhängig ist: Wir kühlen Lebensmittel, kochen, heizen, machen Licht, fernsehen, benutzen das Internet oder waschen uns mit warmem Wasser. Wie kommt der Strom in die Steckdosen unserer Haushalte? Und woher kommt er? Swissgrid betreibt das Schweizer Übertragungsnetz und sichert den Transport von Energie über weite Entfernungen. Dabei kommt der Strom aus verschiedenen Quellen in Europa. Strom wird gehandelt, exportiert und importiert. Die Schweiz im Herzen Europas ist ein wichtiges Transitland und importiert Strom aus Frankreich (hauptsächlich mit Atomkraft hergestellt) sowie Deutschland und verkauft ihn nach Italien. (Bild: Kernkraftwerk Golfech im Südwesten Frankreichs) Über Hochspannungsleitungen wird der Strom vom Erzeuger über mehrere Stationen in die Haushalte geleitet. Das Schweizer Übertragungsnetz ist an über 40 Stellen an die Netze der umliegenden Länder angeschlossen. Insgesamt beträgt die Länge des Übertragungsnetzes hierzulande über 6700 Kilometer. Das entspricht etwa der Strecke von Zürich nach Washington. (Bild: Das Capitol in Washington D.C.)

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Seit ein paar Wochen gehen diverse Uhren bis zu sechs Minuten nach. Betroffen sind beispielsweise die Zeitanzeigen von Mikrowellen, Backöfen oder Weckern in ganz Europa. Diese Geräte hängen am Stromnetz und beziehen daraus die Sekunden-Impulse.

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Damit die Uhren richtig laufen, wird eine konstante Frequenz von 50 Hertz benötigt. Um diesen Wert stabil zu halten, muss ein Gleichgewicht zwischen der Produktion und dem Verbrauch von Strom vorliegen.

Zu wenig Energie in Europa

Doch nun besteht seit Mitte Januar ein Ungleichgewicht. Es wird mehr Strom benötigt, als bereitgestellt wird. Das führt zu einer sinkenden Netzfrequenz und damit zu fehlerhaften Zeitanzeigen. Normalerweise werden Werte unter 50 Hertz mit einer höheren Energiezufuhr ausgeglichen. Das ist aber nicht passiert.

Der Ursprung der anhaltenden Frequenzabweichung liegt in Serbien und dem Kosovo. Laut dem Verband der Europäischen Übertragungsnetzbetreiber (Entso-E) wird deshalb dringend eine politische Lösung für das Problem gesucht.

Konsequenzen bei sinkenden Werten

Tatsächlich ist ein Handeln nötig: Denn damit das System ordnungsgemäss funktionieren kann, darf die Frequenz nicht unter 47,6 Hertz fallen, sonst droht ein europaweiter Blackout. Die durchschnittliche Netzfrequenz seit Januar betrug 49,996 Hertz. Wird keine Lösung gefunden, droht der Wert weiter zu sinken. «Irgendwann kann die Energiemenge das Netz nicht mehr decken und im schlimmsten Fall müssen Lasten abgeworfen werden», erklärt Heinz Stacher von der Marktüberwachung des Eidgenössischen Starkstrominspektorats ESTI.

Mit Lastenabwurf sind Notmassnahmen gemeint. «Anstatt auf den totalen Blackout zu warten, wird vor Erreichen des kritischen Werts in einzelnen Teilen Europas der Strom abgestellt», so Christian Schaffner, Direktor des Energy Science Center der ETH Zürich. Das kann von einzelnen Dörfern über Städte bis hin zu ganzen Regionen sein. Laut Swissgrid, dem Betreiber des Schweizer Übertragungsnetzes, steht der erste Lastenabwurf an, sobald die Netzfrequenz insgesamt unter 49 Hertz fällt.

Realistisches Szenario für die Schweiz?

Die Wahrscheinlichkeit eines europaweiten Blackouts sei aber sehr gering. «Momentan ist genügend Kapazität vorhanden. Die aktuelle Frequenzabweichung kann sehr gut ausgeglichen werden», erklärt Schaffner. Auch gäbe es immer wieder Herausforderungen wie extreme Kälte oder Hitze, diese würden aber keine ernsthafte Gefahr darstellen.

Auch Patrick Mauron von der Swissgrid-Medienstelle bestätigt, dass das aktuelle Phänomen kein Vorbote eines Blackouts sei: «Es ist auch nicht der Fall, dass Europa über zu wenig Energie verfügt. Es kann sein, dass einzelnen Regionen nicht die volle Menge an Strom zur Verfügung steht. Von einer Knappheit kann aber nicht die Rede sein.»

(vhu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Müsli Maurer am 07.03.2018 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lichtverschwendung

    Einfach mal ab 22 Uhr alle Reklametafeln und Firmenschilder abschalten, braucht in der Nacht kein Mensch.

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  • The Caveman am 07.03.2018 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Klingt nach einer strahlenden Zukunft für E-Autos... Wohl eher ein Vorbote für Preiserhöhungen, als für ein Blackout....

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  • Ui am 07.03.2018 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kraftwerk

    Wie geht das schon wieder mit dem Atomausstieg?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jobin am 10.03.2018 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Elektrokentnisse?

    Dies hat nichts mit der schwankenden Spannung zu tun. Die Uhren richten sich an der Frequenz. Der Vergleich wäre so, wie man die Geschwindigkeit eines Läufer anhand seiner Anzahl Schritte messen würde...

    • Laie am 20.03.2018 14:31 Report Diesen Beitrag melden

      Vernetzung birgt auch Gefahren

      Nun ja, wenn der Generator mehr belastet wird braucht es mehr Kraft um ihn zu drehen. Wird die Kraft nicht zugeführt sinkt die Drehzahl und somit die Frequenz. Es hängt schon alles irgenwie von einander ab. Früher glich das EW die Hz Schwankungen aus. Heute anscheinend nicht mehr genügend. Schöne neue Welt wenn der entfernte Nachbar unsere Uhren langsamer werden lassen kann.

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  • Kalte Fusion? am 10.03.2018 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    bitte nachdenken über Kernkraft

    und jetzt kommen sie wieder, die Rufer "Wir brauchen AKWs". Die Ideale Plattform, um den Leuten, die egostisch Probleme auf künftige Generationen abwälzen, ein Sprachrohr zu geben. Habt ihr schon mal überlegt, wie lange 500 Millionen Jahre sind? (Halbwertzeit). Wielange nur schon 1 Millionen Jahre sind? Und wie lange die Zwischenlager (es gibt keine Endlager!!!!!!!!) halten? Die sind nach spätestens 50tausend Jahren hinüber und leck. Wielange halten Hochkulturen? Wir graben heute 4tausend Jahre alte Stätten aus. WACHT AUF! Wir brauchen andere Lösungen als AKWs.

    • Skywalker99 am 10.03.2018 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kalte Fusion?

      deine 500 mio Jahre Einschlusszeit sind massiv zu hoch. Die Aktivität selbst von hochradioaktiven Atommüll ist nach "nur" 1 mio Jahren auf das Niveau der natürlichen Radioaktivität gesunken.

    • Earthwalker am 10.03.2018 11:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Skywalker: das Problem besteht dennoch

      aus Wikipedia, lieber Skywalker: Obwohl seit Jahrzehnten technische Verfahren zur Konditionierung und Endlagerung erprobt werden, ist die Entsorgung für hochradioaktive Abfälle ungelöst. Insbesondere mittel- und hochradioaktive Abfälle stellen große Herausforderungen an die Entsorgung. Aufgrund der langen Halbwertszeiten vieler radioaktiver Substanzen fordert die deutsche Gesetzgebung eine sichere Lagerung über 1 Million Jahre.[8] Die Halbwertzeit von Plutonium-239 beträgt 24.000 Jahre.

    • Lesen ist omen am 10.03.2018 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Skywalker

      Ich lese oben nichts von 500 Millionen Einschlusszeit. Ich nehme an, oben ist die HALBwertzeit von Uran (704 Mio Jahre) angesprochen. HALBwertzeit. Lesen ist Omen und Bildung ist Omen. Und Kalte Fusion: bin mit Dir, aber bitte besser ausdeutschen (Leute versuchen, Dir die Worte im Mund umzudrehen)

    • Skywalker99 am 10.03.2018 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lesen ist omen

      A propos Bildung: Die von dir genannten Halbwertszeit ist die des natürlich vorkommenden Isotops U235. Das hat also nichts mit Atommüll zu tun. Ist etwa wie bei der Diskussion um die Zersetzungsdauer von Altpapier die Lebenserwartung des Baums als Argument ins Feld zu führen.

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  • Rufer in der Wüste am 10.03.2018 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    es zeigt aber auch, dass:

    Das deutet wieder einmal darauf hin, dass wird ZUVIELE KONSUMENTEN SIND. Die Natur geht nicht zugrunde, weil die Leute zuviel essen, sondern weil ZUVIELE LEUTE konsumieren. DAS ist das Problem, aber es ist ein Tabu-Thema. Klar kann man nicht Leute wegzaubern und massakrieren wie es kriegstreibende Nationen tun ist jenseits von vernünftig. Wir sollten endlich weltweit die Bevölkerungszahl in den Griff bekommen, wenn wir wollen, dass unsere folgenden Generationen noch überleben sollten. Wer jetzt kommt mit "sich einschränken": wenn die Menscheit weiter anwächst, bringt das nichts.

    • roman manser sen. am 10.03.2018 11:07 Report Diesen Beitrag melden

      Befölkerung Steuern/Reduzieren

      Ja endlich mal einer der was checkt.Der Rest soll nur weiter lachen über Chinas Kinderpolitik bis sie verhungert sind!

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  • kue am 08.03.2018 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    EL AUTOS

    super jetzt kommen ja auch noch Elektro Autos dazu.

    • roman manser sen. am 10.03.2018 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      Strom kommt aus der Steckdose ! ...oder?

      Ja der Energie-Verbrauch der Super Ladegeräte wir ja nicht betrachtet,oder Totgeschwiegen.Nur weiter so ihr Super schlauen Umweltsünder.

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  • olivia am 08.03.2018 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    Stromverbrauch

    Ich frage mich gerade, ob wir in unserem Ferienchalet die Sauna oder die Hallenbad-Heizung vergessen haben abzuschalten, waren Mitte Januar dort in den Skiferien. ;-)