Rekord bei Internet-Erpressungen

15. April 2014 11:39; Akt: 15.04.2014 13:19 Print

Erst Computer blockieren, dann abkassieren

Erpresserische Schadsoftware ist auf dem Vormarsch, vermeldet die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) in ihrem Halbjahresbericht 2013.

storybild

Dass die Betrüger im Internet auf dem Vormarsch sind, zeigen auch die Ende März veröffentlichten Zahlen der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik). 2013 verzeichnete die Kobik mit 9208 Meldungen einen neuen Rekord. (Bild: Keystone/Salvatore di Nolfi)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Besonders schlimm seien die Auswirkungen des Schädlings «Cryptolocker», der in der Schweiz letzten November erstmals auftauchte. Dieser Schädling verschlüsselt alle Dateien auf der Festplatte und auf angeschlossenen Datenträgern. Der Benutzer hat folglich keinen Zugriff mehr auf die Dateien.

Die Opfer werden so zu Zahlungen erpresst. Privatpersonen, die nicht bezahlen, verlieren unter Umständen ihre ganze digitale Vergangenheit, Firmen wichtige Geschäftsdaten.

Im Moment gibt es gemäss Melani-Bericht keine Methode, die Daten ohne Hilfe der Betrüger zu entschlüsseln. Trotzdem rät die Meldestelle in ihrem am Dienstag veröffentlichten Bericht davon ab, den Forderungen nachzukommen.

Zu Erpressungen kommt es seit geraumer Zeit auch mit anderen Formen von Schadsoftware. In den letzten Jahren ist eine neue Variante der sogenannten Ransomware dazugekommen, wie dem Bericht zu entnehmen ist.

Dabei erscheint auf dem Bildschirm zum Beispiel die Mitteilung einer Polizeibehörde. Darin wird der Benutzer bezichtigt, auf seinem Computer befänden sich illegale Dateien. Um ein Strafverfahren abzuwenden, müsse er eine gewisse Summe überweisen.

Perfides Vorgehen

Besonders perfide sind Betrüger auch in folgendem Fall vorgegangen, welcher der Melani Ende 2013 gemeldet wurde: Per E-Mail wurde einer Person ein grosser Gewinn in Aussicht gestellt, sie müsse allerdings erst eine Vorauszahlung überweisen. Skeptisch geworden leitete die Person die Nachricht an Melani weiter.

In der Antwort der Meldestelle hiess es erstaunlicherweise, das Geschäft sei in Ordnung, die Person solle das Geld überweisen. Natürlich kam der Ratschlag nicht wirklich von der Meldestelle: Betrüger hatten die richtige Rückmeldung, in welcher Melani vor Betrügern warnte, abgefangen und umformuliert.

Millionen Kundendaten gestohlen

Auch auf Kreditkarten- und Kundendaten haben es Diebe im Internet abgesehen. Ein grosser Diebstahl wurde Anfang Oktober 2013 bekannt. Der US-Firma Adobe wurden 38 Millionen Kundendaten, Passwörter und Kreditkartendaten gestohlen.

Im Dezember kam es zu einem Grossangriff auf die Ladenkette Target. Informationen zu 40 Millionen Kreditkartenzahlungen und 70 Millionen Kundendaten wurden gestohlen.

Ein «immerwährendes Problem» ist laut Halbjahresbericht das sogenannte Phishing. Dabei versuchen Kriminelle mit nachgestellten Websites, Zugangsdaten für das Internetbanking oder andere Dienste zu bekommen. Im zweiten Halbjahr 2013 sei ein Schweizer-Webauftritt gleich dreimal hintereinander als Phishingseite missbraucht worden, heisst es im Bericht.

Hacker mischen im Syrien-Konflikt mit

Doch auch in ganz anderen Bereichen machen sich Betrüger das Internet zunutze. Im Syrien-Konflikt etwa unterstützt eine Gruppe von Hackern den Präsidenten Baschar al-Assad. Die Gruppe bekämpft die aus ihrer Sicht falsche Berichterstattung über den syrischen Bürgerkrieg.

Im letzten Halbjahr griffen die Hacker unter anderem die Webseiten der New York Times, der BBC News und von Al Jazeera an. Sie schafften es sogar, in Twitter-Konten von Nachrichtenagenturen wie Reuters und AP einzudringen - mit dem Ziel, ihre eigene Propaganda oder bewusste Falschmeldungen zu verbreiten.

Melderekord

Dass die Betrüger im Internet auf dem Vormarsch sind, zeigen auch die Ende März veröffentlichten Zahlen der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik). 2013 verzeichnete die Kobik mit 9208 Meldungen einen neuen Rekord, es gingen fast 1000 Meldungen mehr ein als im Vorjahr.

Sind Sie Opfer der Computer-Betrüger geworden? Melden Sie sich auf feedback@20minuten.ch und geben Sie Ihre Telefonnummer an.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. Hartmann am 15.04.2014 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Die unwissenden User sind das Problem!

    Das Problem liegt nicht nur bei den Cyberkriminellen sondern vor allem bei den Usern. Ich arbeite als Informatiker und habe täglich mit solchen Fällen zu tun. In den allermeisten Fällen muss ich aber sagen das es das Unwissen der Nutzer ist das es überhaupt erst ermöglicht das solche Programme auf dem PC landen. Es wäre Meiner Meinung nach sinnvoll das man einen PC Kurs / Ausweis machen müsste bevor man überhaupt einen PC kaufen darf. Wie auch beim Auto. Denn ein nicht gesicherter PC stellt ein Risiko für andere und die Allgemeinheit dar da er für Kriminelle zwecke missbraucht werden kann.

    einklappen einklappen
  • Hr. Müller am 15.04.2014 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz...

    also ich habe meinen PC im Luftschutzkeller, also sehr gut geschützt ;O)

    einklappen einklappen
  • Alain am 15.04.2014 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Dummheit

    Die User glauben auch jeden mist den Ihnen auf dem Bildschirm angezeigt wird. Selberschuld wenn man Bezahlt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Norman am 15.04.2014 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich möchte

    diesen Fieslingen die sowas entwickeln die Pfoten auf deren Tastaturen zu Brei kloppen.

  • Hanswurst am 15.04.2014 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleiner Tipp

    Ich hab mir auch mal so einen eingefangen. Zum Glück habe ich ein Gastkonto auf dem PC über welches ich die Daten retten und den PC neu aufsetzen konnte da der Locker nur mein Benutzerkonto sperrte.

  • Jakob Horner am 15.04.2014 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Schadstoff-Software

    Ich wundere mich, warum man der "Lösegeld"-Zahlung nicht nachgehen kann und den Empfänger des Geldes am Kragen packen kann.

  • Fieser Hacker am 15.04.2014 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Experten??

    Ich staune wieviele der sogenannten "Experten" sich hier tummeln.

    • Tim Ammann am 15.04.2014 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      kannst Du auch was konstruktives..

      kannst Du auch was konstruktives beitragen oder bleibt es nur bei diesem überflüssigen Kommentar? finde es allgemein schade das so viele User überhaupt über einen Kommentar negativ abstimmen ohne dazu einen Beitrag leisten. wenn ihr schon etwas besser wisst dann teilt doch euer Wissen.. ich habe fertig.

    einklappen einklappen
  • Tobias am 15.04.2014 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Unwissenheit schützt vor Viren nicht.

    Die Leute die sowas einfangen sind wirklich selber schuld. Klickt nicht alles an im Internet, ladet nich jedes gratis tool runter und glaubt nicht alles was euer Bildschirm anzeigt. Schmuddel und MOvie Streaming-Seiten meiden wen man kein PC Profi ist. Dann noch einen guten Viren/Trojaner/Malware schutz und man hat selten Probleme. Und wenn man doch mal etwas einfängt: Dann um Himmels Willen sicher kein Geld einzahlen!