Auch Nichtnutzer im Visier

22. März 2012 22:00; Akt: 23.03.2012 10:26 Print

Facebook will noch mehr Daten verwenden

Das beliebteste Social Network der Welt verschärft die Spielregeln – wie immer, ohne die User richtig zu informieren. Wer das Netzwerk weiter nutzt, ist automatisch einverstanden. Oder selbst schuld.

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Laut Facebook tragen die Änderungen «zum besseren Verständnis der Funktionsweise von Facebook» bei. Kritiker sind anderer Ansicht. (Bild: Keystone)

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Dicke Post für die Facebook-Nutzer. Wobei «Post» das falsche Wort ist. Denn das würde ja bedeuten, dass man persönlich über etwas Wichtiges benachrichtigt wird.

Bei Facebooks jüngstem Streich ist das anders: Praktisch durch die Hintertür ändert das weltgrösste soziale Netzwerk die Spielregeln. Auf der Facebook-Website hat der US-Konzern ein ellenlanges Dokument zu den neuen Nutzungsbestimmungen aufgeschaltet.

Die europäischen Datenschützer reagieren entsetzt. Den Facebook-Mitgliedern werde die Möglichkeit genommen, selbst zu entscheiden, ob ein Update installiert werde oder nicht. Zudem werde das Übermitteln von Nutzerdaten zwischen den verschiedenen Facebook-Anwendungen (Apps) erleichtert. Diese sensiblen Informationen sind bekanntlich der Rohstoff, mit dem Facebook seine Werbemillionen verdient.

Auch Nicht-Nutzer betroffen

20 Minuten Online hat den Eidgenössischen Datenschützer Hanspeter Thür um eine Stellungnahme gebeten. Seine Antwort fällt deutlich aus: «Im Westen nichts Neues.» Facebook habe noch nie etwas zu Gunsten seiner Nutzer verbessert. «Neu ist unter anderem, dass die folgenden Bestimmungen für Nutzer sowie Nicht-Nutzer, die mit Facebook ausserhalb der USA interagieren, gelten.»

Das seien beispielsweise Personen, die auf eine Homepage gehen, welche den Like-Button eingebunden haben und damit ohne es zu wissen mit Facebook «interagieren». Für sie gelte, dass sie einverstanden seien, dass die Daten in die USA weitergeleitet, dort verarbeitet und kommerziell genutzt werden.

Wer Facebook weiterhin nutzt, erklärt sich automatisch einverstanden mit den Änderungen im Kleingedruckten. Änderungen wohlgemerkt, die seit dem 15. März auf der Facebook-Seite zur Diskussion gestellt worden sind. Zahlreiche Nutzer haben darauf mit einem ablehnenden Kommentar reagiert. Doch die überwiegende Mehrzahl der 800 Millionen Mitglieder dürfte davon nichts mitbekommen.

Bis Freitag, 1 Uhr, konnte man Änderungsvorschläge machen, dann endete die von Facebook lancierte «Vernehmlassung» der Nutzer. Sollten mehr als 7000 Kommentare zu einer Änderung eingehen, wollte der US-Konzern mehrere Varianten zur Abstimmung bringen. Bis Donnerstagnachmittag waren es gerade mal 550 Kommentare, meist negativen Inhalts. Zudem gebe es auch noch die Hürde, dass eine solche Abstimmung nur verbindlich würde, wenn sich 30 Prozent der weltweiten Facebook-Nutzer daran beteiligen. Kritiker sprechen von einer Farce.

«Plump formuliertes Regelwerk»

Facebook lege «ein weiteres, sehr plump formuliertes Regelwerk» vor, schreibt der Datenschützer Thilo Weichert in einer Medienmitteilung. Facebooks Datenverwendungs-Richtlinien seien nicht mit europäischem Datenschutzrecht vereinbar. Zudem habe Facebook die seit Monaten von Datenschützern weltweit geäusserte Kritik zu verschiedenen Aspekten nicht aufgegriffen. Auf der Website des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein können die Kritikpunkte im Detail nachgelesen werden.

Facebook verpasse es, das Recht der Nutzer, selbst über den Umfang der Datenverwendung zu entscheiden, «hinreichend zu beachten und technisch umzusetzen», zitiert «Spiegel Online» den Hamburger Datenschützer Johannes Caspar.

Man muss «Fan» werden

Fakt ist: Facebook-Nutzer werden nicht automatisch informiert, wenn wichtige Änderungen geplant sind. Vielmehr muss man ein «Fan» der sogenannten «Facebook Site Governance»-Seite werden, um auf Änderungen vorab hingewiesen zu werden.

Das US-Medium «TechCrunch» hat ganze Arbeit geleistet und zeigt sämtliche Änderungen farblich markiert in einem PDF-Dokument, das bei Scribd abrufbar ist. Dabei handelt es sich um die originalen Facebook-Nutzungsbedingungen auf Englisch.

(dsc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jana Meier am 25.03.2012 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jajaj das liebe Facebook

    Ich nutze seit 6 Monaten Facebook nicht mehr und habe seither viiiiel Freizeit. Zum, hoffentlich, vollständiger Löschung meines Accounts musste ich allerdings nachgoogeln. Ich hoffe inständig, dass nach ablauf der 30Tage auch wirklich alles weg ist. Was ich jedoch nicht glaube. Von daher lasst am besten alle die Finger von Facebook und sucht euch Reallife Friends und schreibt wieder Briefe!

    einklappen einklappen
  • G_Mueller am 23.03.2012 01:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bye Bye Facebook

    ohne weitere Worte. Man kann gut ohne leben.

  • Stiffmeister am 22.03.2012 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    gratis, also was solls?

    Die meisten fb-nutzer haben seit jahren einen account (gehöre auch dazu) aber noch nie einen Rappen dafür gezahlt, also warum meckern?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jana Meier am 25.03.2012 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jajaj das liebe Facebook

    Ich nutze seit 6 Monaten Facebook nicht mehr und habe seither viiiiel Freizeit. Zum, hoffentlich, vollständiger Löschung meines Accounts musste ich allerdings nachgoogeln. Ich hoffe inständig, dass nach ablauf der 30Tage auch wirklich alles weg ist. Was ich jedoch nicht glaube. Von daher lasst am besten alle die Finger von Facebook und sucht euch Reallife Friends und schreibt wieder Briefe!

    • Zlatan am 27.03.2012 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Richtig mache ich auch so .! :)

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  • James am 24.03.2012 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Facebook deaktiviert

    Habe Facebook über ein Jahr genutzt, mittlerweile aber meinen Account deaktiviert. Finde es gefährlich wie Facebook mit persönlichen Daten umgeht.

  • Kirsten Witt am 23.03.2012 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Addons

    Es gibt für Firefox und Chrome schöne Addons: NoScript, ScriptNo und Do Not Track Plus, die blockieren den Like Button und anderes auf externen Seiten (auch für NichtFacebookUser). Sehr empfehlenswert! Ansonsten nutze ich FB eh nur zum spielen und veröffentliche da keine persönlichen Daten oder Fotos!

    • tt am 24.03.2012 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ghostery

      Ghostery ist auch noch zu empfehlen

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  • rene am 23.03.2012 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Blockieren

    Es gibt Addons für Firefox, die Java-Scripts blockieren. Z.B. NoScript. Bei meinem Browser ist Facebook und div. Google Scripte blockiert. Ist ganz einfach.

  • G_Mueller am 23.03.2012 01:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bye Bye Facebook

    ohne weitere Worte. Man kann gut ohne leben.