MegaUpload-Studie

29. November 2012 07:11; Akt: 29.11.2012 08:46 Print

Filmpiraten schaden den Kinos nicht

von D. Schurter - Neue Filme gratis im Netz – ein Problem für die Kinos? Im Gegenteil, sagt eine neue Studie: Filesharing könne den Umsatz an der Kinokasse steigern. Der Schweizer Verband widerspricht.

storybild

Die MegaUpload-Betreiber wurden vom FBI gejagt, die Filesharing-Plattform stillgelegt. (Bild: Keystone / Screenshot megaupload.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als das FBI im Januar 2012 die MegaUpload-Server abschaltete, dürften bei den Hollywood-Bossen die Korken geknallt haben. Galt doch Kim Dotcom mit seinen populären Filesharing-Seiten als einer der grössten Feinde der Unterhaltungsindustrie. Über seine Server wurden Tag für Tag Millionen von Filmkopien verbreitet; unzählige Nutzer schauten sich urheberrechtlich geschütztes Material gratis an.

Umfrage
Sind Sie durch Filesharing schon einmal auf eine Band oder einen Film aufmerksam geworden?
50 %
31 %
16 %
3 %
Insgesamt 2108 Teilnehmer

Wie eine wissenschaftliche Studie nun zeigt, war der Schlag gegen MegaUpload nicht gewinnbringend, sondern – wenn überhaupt – eher kontraproduktiv. Die Autoren untersuchten über einen Zeitraum von fünf Jahren die Ticketverkäufe bei 1344 Kinofilmen in 49 Ländern. Das auf den ersten Blick überraschende Fazit: Die Schliessung von MegaUpload hatte keinen positiven Effekt auf die Umsätze an den Kinokassen. Im Gegenteil: Bei Filmen, die nicht zur Kategorie der Blockbuster gehörten, war sogar ein leichter Umsatzrückgang zu verzeichnen.

Filesharing als Marketinginstrument

Die Autoren liefern eine mögliche Erklärung für den Effekt: Während die Blockbuster mit einem Millionenbudget beworben werden, profitieren die kleineren Filmproduktionen von der Gratiswerbung durch die meist jüngeren Downloader. Diese Personen laden auch weniger stark beworbene Filme gratis herunter. Indem sie das Gesehene weiterempfehlen, wirken sie als Multiplikatoren. Abseits des Mainstream-Kinos wird Filesharing quasi zum Marketing-Instrument.

Die Studie, deren Endfassung noch nicht verfügbar ist, hat viel Wirbel ausgelöst. Die deutsche Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) reagierte mit einer geharnischten Stellungnahme und widersprach den Autoren. Wenn es darum gehe, einen Werbeeffekt von illegalen Downloads auf Kinobesuche nachzuweisen, dann müssten nicht Umsätze, sondern Besucherzahlen untersucht werden. Dabei zeige sich zumindest für Deutschland, dass die These nicht zutreffe.

Von Echo überrascht

Einer der Studien-Autoren nahm auf dem Blog Netzpolitik.org Stellung: «Wir sind selbst positiv überrascht von dem Echo, welches unsere Arbeit ausgelöst hat. Wesentlich für uns ist, dass wir nicht gefunden haben, was allgemein erwartet wurde – nämlich ein Anstieg der Einnahmen nach der Schliessung von MegaUpload.»

Auch der Schweizer Dachverband der Kinobetreiber und Filmverleiher, ProCinema, widerspricht der Studie: «Die vorliegende Studie verkürzt die Sicht auf einen Kanal – Kino – und auf die Schliessung einer einzigen illegalen Plattform – MegaUpload», sagt Geschäftsführer René Gerber. Daraus generelle Schlüsse zu ziehen, sei unzulässig.

Gemeinsam gegen Internetpiraterie

Illegale Angebote – wie MegaUpload und zahllose andere – würden den legalen Plattformen den Boden unter den Füssen wegziehen: Ohne Entschädigung würden legale Angebote gar nie rentabel. Wenn ein Rechteinhaber aus Marketinggründen seinen Film oder Ausschnitte davon gratis im Internet anbieten wolle, um vom behaupteten Effekt der Weiterempfehlung über Social Media zu profitieren, stehe ihm das frei, so Gerber.

ProCinema engagiert sich mit den anderen Verbänden gegen Internetpiraterie. Die Allianz hat den Bundesrat zum Umdenken gezwungen: Noch vor einem Jahr sah er in den illegalen Angeboten im Internet weder ein Problem noch Handlungsbedarf. Inzwischen hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Vorschläge zur Durchsetzung des Urheberrechts machen soll. Bis heute gibt es gemäss ProCinema keine verlässlichen Schweizer Zahlen zur Problematik illegaler Angebote in den einzelnen Kulturbranchen.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Ausgewählte Leser-Kommentare

Ja klar, ich schaue im Internet auch nach Filmen, die nicht in den Kinos laufen/liefen und entdecke somit grossartige Filmperlen, die eigentlich einen Kinoauftritt verdient hätten. Bitte wieder alle Filesharing-Websites online schalten. Danke. – Filmgucker

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JJ am 29.11.2012 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sag ich schon lange...

    Ohne starke Verbreitung von Raubkopien wäre z.B. Microsoft nie so stark geworden wir sie heute sind. Die private Mund zu Mund Propaganda ist nicht zu unterschätzen. Denn wenn man von der Existenz eines Produktes keine Ahnung hat, wird man es weder vermissen noch jemals konsumieren... Einzig die Mega Blockbuster bei denen dutzende Millionen in die Werbung (hype aufbau) investiert wird weil es ansonsten zuwenig hergibt um erfolgreich zu sein könnten dadurch benachteiligt werden, zurecht.

  • Christoph am 29.11.2012 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Illegal?

    Wieso spricht ProCinema als Schweizer institution bei MagaUpload von einem illegalen Angebot? In der Schweiz ist der Download legal und nur der Upload verboten!

    einklappen einklappen
  • royboy am 29.11.2012 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kino gleich Luxus

    Ich als Arbeiter mit durchschnittlichem Einkommen: Mittwochnachmittag, 1 Erwachsener, 2 Kinder, 3 Eintritte, 3 Getränke, 3 mittlere Popcorn, Pause, 2 Getränke, 1Popcorn und 1 Maltesers gleich 122.-! Noch Fragen? Bei diesem Betrag kaufe ich mir lieber 6 gute DVD's die ich mir auch später immer wieder anschauen kann...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jan Meisner am 29.11.2012 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wütend da Trend verpennt...,

    Naja, wenn die Produzenten, DvD's früher auf den Markt bringen würden, würde ich den Film so schauen. Ins Kino geh ich sowieso nicht mehr. Rauchverbot, keine Pausen mehr (zumindest einige Kinos), Popcorn und Eintrittspreise massiv zu teuer.... so kommt ein Kino abend schnell auf 100.--. Naja, jetzt lade ich den Film runter ( .ru) 26fr. Film+ 2fr Migros Popcorn und den Film kann ich schauen sooft ich will. Tja Otto Normalverbraucher muss halt auf seine Kosten achten. Ende Jahr kommen wieder Steuern.

  • Pascal Müller am 29.11.2012 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schere geht weiter auseinander.

    Wenn man sich mal anschaut für welchen Müll die Typen geld verlangen (egal ob Film, Musik, Game) Dann die ganzen Kopierschutzgeschichten welche die ehrlichen Kunden mehr verärgern & die "raubkopierer" nicht am illegalen Verbreiten hindern. Die Industrie zieht in die andere Richtung. Aber die Konsumenten ziehen mit grösserer Kraft in die andere Richtung. Der Preis ist es, was Leute animiert sich Sachen illegal zu besorgen. Die Preise steigen weiter in die Höhe & der "illegale" Konsum steigt.

  • Hans am 29.11.2012 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wer Stur ist will es nicht begreifen

    Wer behauptet, das Downloaden der Industrie schadet der lügt oder hat den Bezug zur Realität verloren! Das einzige was sein könnte ist dass die Bonis etwas schrumpfen weil die Oberhäupter dieser Industrie zu faul sind, sich etwas zu überlegen... FAKT ist, würden sich die nur 1 Tag Zeit nehmen, könnten Sie doppelte Einnahmen einstreichen aber eben, lieber nichts tun und dafür ganz laut JAMMERN.. Wirklich jammerschade!

  • ExPcfreak am 29.11.2012 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Millionen sind zu wenig

    Nur so nebenbei,megauploud ist nicht illegal höchstens was private da freigeben.Download in der schweiz ist nicht illegal.Gratis?Also ich bezahle internet anschluss, modem, pc und hardware auf den einzelnen komponenten noch zusätzlich vorgezogene gebühren fürs kopieren speichen usw blabla.und wenn gekauftes dan wegen kopierschutz oder sonstigem schnickschnack nicht abspielbar ist ja dan herscht doch freude und noch was von den letzten 50 filmen die ich kaufte kannste schlicht weg 35 in den müll werfen mit software siehts nicht besser aus.Also behaltet doch einfach euren müll und ich mein geld!

  • Rudolf Häni am 29.11.2012 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso soll ich Musik kaufen...

    ... wenn mich dann der Kopierschutz versucht daran zu hindern diese Musik auf diverse Geräte zu kopieren? Einen kopierschutz zu umgehen ist kein Ding der unmöglichkeit, doch es ist zum Teil mühsahm. Wenn ich die Musik legal (nur uploads sind ilegal in der Scheiz) und gratis runterlade hab ich die volle kontrolle über die Musik.