Einbruchsserie

03. September 2017 21:08; Akt: 03.09.2017 21:08 Print

Hacker knackt Hoteltüren und räumt Zimmer aus

Ein inzwischen in Haft sitzender Mann hat in den USA Wertsachen aus über hundert Hotels gestohlen. In die Zimmer kam er mit Hilfe eines Mini-Computers.

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Der Amerikaner Aaron Cashatt hat offenbar jahrelang eine Sicherheitslücke in elektronischen Hotelschlössern der Firma Onity ausgenutzt. Mit einem selbstgebastelten Gerät konnte er den Öffnungscode auslesen und sich so Zugang zu Zimmern in weit über hundert Hotels verschaffen.

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Dabei entwendete er Wertgegenstände wie Fernseher, iPads und auch privates Eigentum der Hotelgäste. Von der Sicherheitslücke erfuhr er, weil diese im Jahr 2012 an der Sicherheitskonferenz Black Hat vorgestellt wurde. Dies berichtet das amerikanische Magazin «Wired», das sich mit dem in Haft sitzenden Cashatt unterhalten konnte.

Millionen betroffene Schlösser

Zwar versuchten die Hersteller der elektronischen Hotelschlösser, das Problem zu lösen, indem sie die Schnittstelle, an der Cashatt sein Gerät anschloss, mit einem Plastikteil abdeckten. Den Dieb hielt dies jedoch nur für einige Wochen fern, da der Plastik mit etwas Übung leicht entfernt werden konnte.

Obwohl Millionen von Hotelzimmertüren von der Sicherheitslücke betroffen waren, konnte die Firma Onity wenig dagegen unternehmen. Der einzige Weg war es, alle Schlösser zu ersetzen, die Firma wollte die Kosten jedoch – zumindest vorerst – nicht übernehmen.

Gelegenheit macht Diebe

Über die Möglichkeit, die elektronischen Schlösser zu knacken, wurde viel berichtet. Hacker veröffentlichten Youtube-Videos, in denen sie zeigten, wie der Vorgang genau funktioniert. Nur Aaron Cashatt hatte jedoch das technische Wissen und genug kriminelle Energie für solch ausgiebige Diebestouren.

Nicht nur war Cashatt schon einige Male im Gefängnis, er kannte sich auch mit Computern und Elektronik aus. Sein Hacker-Gerät baute er sich für umgerechnet 50 Franken in ein paar Stunden zusammen. Damit die Elektronik nicht auffiel, versteckte er das Gerät in einer Sonnenbrillenhülle.

Anfangs stahlen er und seine Komplizen noch Laptops oder iPads. Eines Tages entdeckte er im Necessaire eines Hotelgastes jedoch eine teure Breitling-Uhr. Von da an gab es kein Halten mehr. Ob Kameras, Juwelen oder Kleider, alles wurde in Koffer gepackt und über den Hinterausgang des Hotels nach draussen geschafft.

Verschiedene Vorsichtsmassnahmen

Damit er keine Fingerabdrücke hinterliess, trug er bei seinen Aktionen Handschuhe. Zudem stahl er Autonummern und wechselte diese bei seinem Wagen regelmässig. Bei seinen ersten Coups war er noch nervös, mit der Zeit merkte Cashatt jedoch, dass er von den Hotelangestellten wie ein Gast behandelt wurde und wurde immer entspannter.

Wired schreibt, dass die Schlösser, zumindest bei den grossen Hotels, mittlerweile ausgetauscht seien. Cashatt, der noch etwa sieben bis neun Jahre im Gefängnis sitzen wird, hat geschworen, dass er nie mehr in Hotelzimmer eindringen werde. Nach seiner Entlassung hofft er auf einen Job in der Sicherheitsbranche.

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul Hofer am 03.09.2017 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Digital

    Juhuuu. Bald fährt mein Auto amok und der Backofen will mich rösten. Der Kühlschrank bestellt Dinge die ich nicht brauche. Und ich werde von einem Paketzustellroboter angefahren. Mein Konto wurde schon merfach geplündert aber zahlen geht ganz einfach. Solange man noch saft im Handy hat. Was soll der digitalisirungs Wahnsinn. Wenn die Sicherheit auf der Strecke bleibt.

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  • save the am 03.09.2017 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein medium ist sicher

    nur blauäugige menschen denken das ne karte mit code sicher ist .... ob bank oder wie auch immer ..

  • Gr am 03.09.2017 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dietrich...

    Alles wird unsicherer? Früher gabs Dietriche (hat nichts mit Bohlen zu tun)... jedes Schloss lässt sich knacken mit genug krimineller Energie!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Einbrecher am 04.09.2017 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Hilfreich

    Ganz toll finde ich die elektronischen Schloesser, wo man per LED vom Gang aus gleich sieht, ob jemand anwesend ist und man in seiner Arbeit gestoert werden koennte.

  • Typhoeus am 04.09.2017 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiedergeburt des guten alten Hotelsafes

    mit Schlüssel kommt bestimmt.

  • Typhoeus am 04.09.2017 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts ist mehr sicher

    vor intelligenten Hackern.

  • Hipphopp am 04.09.2017 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Smarte Schlüssel

    Das wird nicht besser in Zukunft, wenn alle Dinge smart werden, und die Menschen so doof sind, das toll zu finden und zu kaufen.

  • Martin S. am 04.09.2017 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zuunterst in der Nahrungskette

    Beschuldigt, entlassen und vielleicht sogar verurteilt wurde dann wohl öfters man das Putzpersonal. In Zeiten wo man alles negative Online durch den Dreck zieht, wäre es angebraucht, für die fälschlich Beschuldigten eine öffentliche Reputationsliste anzubringen, damit die überhaupt je wieder Fuss in der Arbeitswelt fassen zu können! Das will niemand in den Medien lesen, denn es wären ja gute Nachrichten. Aber vielleicht die Namen der Hotels auflisten, welche voreilig Personal zum Teufel gejagt haben und sich nie entschuldigt haben!