3-D-Scan der ETH

05. August 2015 16:23; Akt: 05.08.2015 16:23 Print

Hollywood-Effekte aus der Hosentasche

von T. Bolzern - Bisher brauchte es teures Equipment, um das eigene Konterfei als Avatar in die virtuelle Welt zu verfrachten. Die ETH Lausanne will das ändern.

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Wer davon träumt, sich selbst als dreidimensionales Double zu verewigen, soll dies bald schon mit der Handykamera in die Realität umsetzen können. Daran arbeiten Alexandru Ichim von der ETH Lausanne und sein Team. «Jeder soll mit einfachsten Mitteln einen Avatar, also ein 3-D-Abbild seines Kopfes, kreieren können», sagt Ichim zum Ziel seines Forschungsprojektes.

Für die Anwender ist die Erstellung eines Avatars schnell und simpel: Alles, was man tun muss, ist mit dem Handy ein kurzes Video und ein paar Selfies zu schiessen. Das funktioniere selbst mit einem älteren Smartphone, solange es Filme aufnehmen kann. Die ETH-Software macht dann den Rest. Im Anschluss kann das digitale Double in Echtzeit animiert werden. Dabei erkennt der Computer per Webcam, wenn man zum Beispiel die Augenbrauen hochzieht, und setzt dies sofort auch für das digitale Abbild um (siehe Video).

Horrorgestalten im Spiel

Für professionelle 3-D-Scans habe man bisher meist teures Equipment benötigt, sagt Ichim. Oft sei dies darum den Filmstudios in Hollywood vorenthalten gewesen. Doch gibt es bereits mehrere Ansätze, solche 3-D-Scanner massentauglich zu machen: Mit der Face-Scan-Technologie, die beim Basketballspiel «NBA 2K15» zum Einsatz kommt, verwandelten sich mit der Xbox-Kinect-Kamera aber zahlreiche Zocker unfreiwillig in wahre Horrorgestalten.

Das einzigartige Lächeln

Mit solchen Problemen hatten am Anfang auch Ichim und sein Team zu kämpfen – sie aber schliesslich gelöst: «Wenn das Smartphone die Voraussetzungen in einem professionellen Studio ersetzen soll, ist das eine Herausforderung.» Die grössten Hürden für die Forscher waren etwa verwackelte oder schlecht belichtete Selfies. Dank dem ausgeklügelten Algorithmus sei das digitale Abbild nun aber nahezu perfekt: «Nur ein falsches Detail im Gesicht wäre für die Nutzer schon ein Stimmungskiller», sagt Ichim. So sei jedermanns Lächeln, Gähnen oder auch das Stirnrunzeln verschieden.
Alexandru Ichim von der EPFL Lausanne erklärt, wie er aus Selfies ein dreidimensionales Double bastelt. (Video: EPFL)

Zum Einsatz kommen soll die Technologie der ETH dereinst in Videogames, für Cyberbrillen, Videokonferenzen oder für die Avatar-Therapie, die am University College in London praktiziert wird, um Schizophrenie zu behandeln. Selber ausprobieren kann man den 3-D-Scanner bisher noch nicht.

Die Software ist derzeit nur für Forschungszwecke verfügbar – und wird noch verfeinert. So arbeiten Ichim und sein Team daran, künftig auch Haare, Zähne und die Zunge zu scannen und in Echtzeit animieren zu können. Auch über eine Kommerzialisierung denken die Forscher nach. Zunächst soll die Avatar-Technik aber nächste Woche an der Siggraph, einer Konferenz für Computergrafiken in Los Angeles, vorgestellt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr Vorragend am 05.08.2015 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Ich hätte ein paar Menschen, welche ich in Grand Theft Auto gerne einscannen würde ;)

  • C.G. am 06.08.2015 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Hair to go..

    ähnlich "faceshift" war klar als ich Herrn T. Weise (01:17) auf dem Video gesehen habe ;)) nur hier ist der Input ein Phone mit Kamera statt Kinect oder vergleichbare Geräte. Bezüglich des 3D Avatar, konnte ich mit Facegen vor ca. 10-15 Jahren, weiss nicht mehr so genau... anhand von 2 Bildern (front+side) ein lowres 3D Modell generieren, der mit Blendshapes verknüpft war und in Facegen selber oder exportieren in Maya (damals Alias) und weiter animieren und Rendern. Ich freue mich auf Realtime Scanning und Rendering der nächsten 1-5 Jahren.

  • Drue Dee am 05.08.2015 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    na und?

    und was ist jetzt da neu? Mantis Vision ist da bereits um Welten weiter - ohne PC!

Die neusten Leser-Kommentare

  • C.G. am 06.08.2015 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Hair to go..

    ähnlich "faceshift" war klar als ich Herrn T. Weise (01:17) auf dem Video gesehen habe ;)) nur hier ist der Input ein Phone mit Kamera statt Kinect oder vergleichbare Geräte. Bezüglich des 3D Avatar, konnte ich mit Facegen vor ca. 10-15 Jahren, weiss nicht mehr so genau... anhand von 2 Bildern (front+side) ein lowres 3D Modell generieren, der mit Blendshapes verknüpft war und in Facegen selber oder exportieren in Maya (damals Alias) und weiter animieren und Rendern. Ich freue mich auf Realtime Scanning und Rendering der nächsten 1-5 Jahren.

  • Jake Dis am 06.08.2015 02:43 Report Diesen Beitrag melden

    schon gesehen

    So neu ist die Technik nicht. Im EA Game NHL 2001 wurde sowas bereits möglich gemacht. Man konnte seinem Spieler das eigene Gesicht verpassen. Wird wahrscheinlich in einem der nächsten Titel als brand neues und noch nie da gewesenes Feature vermarktet...mal wieder. Die Technik gabs garantiert auch schon früher.

  • Drue Dee am 05.08.2015 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    na und?

    und was ist jetzt da neu? Mantis Vision ist da bereits um Welten weiter - ohne PC!

  • Thomas Bigler am 05.08.2015 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?

    Und die Schweiz schafft es immer noch nicht ein anständiges tripple A Game zu entwickeln

  • Herr Vorragend am 05.08.2015 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Ich hätte ein paar Menschen, welche ich in Grand Theft Auto gerne einscannen würde ;)