Konkurrenzkampf

22. Januar 2010 16:17; Akt: 22.01.2010 16:17 Print

Kampf um Navi-Kunden

Google, Nokia und bald auch Apple: Immer mehr Unternehmen drängen in den Markt mit dem Kartenmaterial für unterwegs und machen den klassischen Anbietern die Kundschaft streitig.

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Das Geschäft mit den Navis: Die Konkurrenz schläft nicht.

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Gestern wurde bekannt, dass Nokia, der weltgrösste Handyhersteller, seine Navigationssoftware Ovi Maps gratis zur Verfügung stellt. Der Clou an der Sache: Das Kartensystem umfasst mehr als 180 Länder und kann bequem im Vorfeld auf dem Smartphone installiert werden, so dass die Navigation auch im Offline-Modus möglich ist. Kosten für den Datentransfer übers Mobilfunknetz fallen dadurch keine an. Schon jetzt funktioniert Ovi Maps auf zehn Nokia-Handys, weitere sollen folgen.

Das Standardangebot kann durch kostenpflichtige Premiumdienste erweitert werden. Sie beinhalten Richtungsanweisungen für Fussgänger und sprachgestützte Navigation für das Auto, Verkehrsinformationen, Premium-Reiseinformationen, 3D-Ansichten wichtiger Gebäude und Wettervorhersagen sowie in Ländern, in denen dies rechtlich erlaubt ist, Standorte von Kameras zur Geschwindigkeitsüberwachung. Die Zusatzfunktionen können über verschiedene Zeitspannen hinweg abonniert werden.

Mit dem Einzug in die Navigationssparte sollen die eigenen Geräte für die Kunden attraktiver gemacht werden. Auch die Aussicht auf das Einbinden ortsbezogener Werbung, die verkauft werden kann, dürfte Nokia zu ihrem Schritt bewogen haben.

Google mischt schon mit

Mit ihrer Gratis-Offensive ziehen die Finnen Google nach. Der Suchmaschinenriese verkündete im letzten November auf seinem Mobile Blog, dass ihr kostenloser Navigationsdienst Google Maps Navigation Beta neben Smartphones mit dem Betriebssystem Android 2.0 auch für Handys mit Android 1.6 verfügbar gemacht wurde - bislang allerdings nur in den USA. Der Sprung nach Europa soll in den nächsten Monaten erfolgen.

Auch Apple plant offenbar ins Navi-Geschäft einzusteigen. Im vergangen Oktober ist bekannt geworden, dass Apple bereits im Juli den Kartenanbieter PlaceBase übernommen hatte. Firmengründer Jaron Waldman wurde Chef eines internen Geo-Teams. Computerworld-Blogger Seth Weintraub vermutete schon damals, dass Apple sich dank des Kartenmaterials von PlaceBase von Google Maps befreien will, welches das Unternehmen auf iPhone und iPod touch nutzt. Apple hat sich bislang nicht öffentlich zum Thema geäussert.

Die Luft wird dünner

Für klassische Navi-Anbieter wie TomTom, Garmin und Navigon könnte die Luft langsam aber sicher dünn werden. Sie erzielen den Grossteil der Einnahmen durch den Verkauf von eigenen Satellitennavigations-Geräten. Diese werden aber in Hinblick auf die Navi-Offensive der Handyhersteller über kurz oder lang überflüssig. TomTom und Navigon haben deshalb die Flucht nach vorne angetreten und bieten etwa fürs iPhone eigene Programme an, die im App Store gekauft werden können. Sie machen damit aus Apples Smartphone ein hochwertiges Navigationsgeräte. Ein Vergleichstest von 20 Minuten Online zeigte, welches der zwei Unternehmen mit ihrer iPhone-Navi die Nase vorn hat.

Seit Monaten rangiert im Schweizer App Store die TomTom-App mit Kartenmaterial von Westeuropa trotz einem stolzem Preis von 109 Franken auf Platz Eins der einträglichsten Apps. Gleich dahinter folgt der Mobile-Navigator von Navigon für 149 Franken. Die Karten dürften spätestens dann neu gemischt werden, wenn auch noch Apple eine hauseigene Lösung auf den Markt bringt.

(mbu)