Bildmanipulationen

09. Juni 2018 15:03; Akt: 09.06.2018 15:03 Print

Kann ich meinen Augen überhaupt noch trauen?

Das Bild des lächelnden Kim ging um die Welt. Es war manipuliert worden. Die Technik machts möglich. Doch Fälschungen lassen sich auch entlarven.

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Ende Mai trafen sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Russlands Aussenminister Sergei Lawrow in Pyongyang. Auf dem offiziellen Handshake-Bild zeigen die Mundwinkel des Diktators nach unten, die Miene ist grimmig. Nicht so bei Russlands Staatssender Russia-1, denn dort lächelt Kim Jong-un plötzlich.

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Bloomberg-Korrespondent Scott Rose ist davon überzeugt, dass hier in die Trickkiste der Bildbearbeitung gegriffen wurde. «Das russische Staatsfernsehen hat Kim Jong-un ein Lächeln ins Gesicht gephotoshoppt», schreibt Journalist Rose. Und dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall.

Lange Tradition

Bereits im 19. Jahrhundert versuchten Fotografen, Bilder mit verschiedenen Tricks zu verändern – was ihnen auch gelang. Später nutzten Machthaber wie Stalin oder Hitler die Technik zur Retusche von Fotos, um unerwünschte Personen von Aufnahmen zu entfernen. Damals wurde die Arbeit noch mit einem Pinsel erledigt.

Spätestens mit dem Aufkommen von Computern und der elektronischen Bildverarbeitung stiegen die Möglichkeiten zur Manipulation stark an. Mit Tools wie Photoshop gibt es diverse Techniken für Veränderungen, zum Beispiel die Fotomontage, die Manipulation von Farben oder eine irreführende Wahl eines Bildausschnitts.

Ein Bild lügt mehr als tausend Worte
Schon immer gab es Versuche, mit manipulierten Fotos die Realität zu verändern.

Die berühmtesten Fake-Bilder

Einfache Änderungen mit Photoshop fliegen schnell auf. Mit neuen technischen Mitteln sind die Möglichkeiten jedoch viel grösser geworden. Beispielsweise haben es Forscher der University of Washington 2017 geschafft, Barack Obama in einem Video einer Rede Wörter in den Mund zu legen, die der ehemalige Präsident so nie gesagt hat.


Im Video ist zu sehen, wie Obama Wörter in den Mund gelegt werden. (Video: University of Washington)

Noch einen Schritt weiter ist ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Stanford University, dem es 2018 erstmals gelungen ist, Kopfposition, Kopfdrehung, Gesichtsausdruck, Blick und Blinzeln dreidimensional vom Video eines Gesichts auf das Video eines anderen zu übertragen.


Die Technologie der Uni Stanford hebt sogenannte Deep-Fakes auf eine neue Ebene. (Video: Youtube/Christian Theobalt)

Dass nicht nur Bilder, sondern auch die menschliche Stimme manipuliert werden kann, zeigt der Software-Hersteller Adobe mit dem Projekt VoCo. Mit diesem Programm, das bislang noch nicht erhältlich ist, kann beispielsweise der Inhalt einer Tonaufnahme verändert werden, indem man ähnlich wie bei einem Texteditor den Satz verändert.


Das VoCo-Projekt wurde bereits vor zwei Jahren an einer Konferenz von Adobe erstmals vorgestellt. (Video: Youtube/Adobe Creative Cloud)

Ist dieses Bild ein Fake?

«Ja, man kann manipulierte Fotos erkennen», erklärt Beat Rüdt, Studienleiter im Bereich Visuelle Publizistik an der Schweizer Journalistenschule MAZ, auf Anfrage. Am einfachsten sei es, bei Bildern genau hinzuschauen: «Man kann zum Beispiel anhand von Licht und Schatten erkennen, ob Dinge eingefügt wurden.»

Ebenfalls könne man darauf achten, ob es Bildbereiche gibt, die identisch sind. Dies wäre beispielsweise dann der Fall, wenn bei der Retusche von Fotos etwas von einer anderen Stelle kopiert wurde. Tools wie das von Jonas Wagner entwickelte Forensically können zudem helfen, ein Bild auf technische Manipulationen zu untersuchen. Weitere Hilfsmittel finden sie in der Infobox.

Es gilt also achtsam zu sein, denn wie Forscher der britischen Universität Warwick herausgefunden haben, fallen Menschen relativ leicht auf manipulierte Fotos herein. Testen Sie gleich selber, ob sie die Bildmanipulationen der Wissenschaftler erkennen würden:

Erkennen Sie die Manipulation?

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K. Ritischer am 09.06.2018 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    na sowas

    Was? In den Medien wird manipuliert? Das ist ja ganz was Neues...

  • Rolf K. am 09.06.2018 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer alles glaubt ist doof.

    Zu den falschen Bildern werden oft auch falsche Geschichten konstruiert, die von den Nachrichtenagenturen an die Presse weitergegeben werden und diese ohne Recherche weiter verbreitet. Bsp. G.W.Bush, der den vom Einsatz im Irak gebeutelten Marines, Truthahn auf dem Flugzeugträger serviert. Der Truthahn war in Wirklichkeit aus Plastik und der Flugzeugträger ankerte 20 km vor L.A. Aber wir haben es geglaubt. Weniger schöne Geschichten gibt es aus Irak, Afgahnistan, Ukraine und Syrien. Aber eben es sind nur konstruierte Geschichten.

  • housi am 09.06.2018 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht zu weit suchen

    die häufigsten Fälschungen kommen einfach durch die Wahl der Perspektive oder durch zuschneiden zustande, also ohne Bildbearbeitung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • .Nicolas. am 09.06.2018 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    evt. sind es auch 2 verschiedene Bilder. bei solchen Ereignisse ist nicht nur ein Reporter anwesend.

  • Eckzahn am 09.06.2018 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heutzutage

    Heutzutage ist ziemlich alles kaputt, gefakt und jenseits jeglicher Moral. Trauen, vertrauen? Ja woher.

  • EMM am 09.06.2018 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So Langsam

    Ist es völlig egal, was Manipuliert wurde. Hauptsache es kommt Authentisch rüber. Ausserdem, wird beim Kriegerischen ausseinandersetzung genauso viel Manipuliert. Was ist schon noch Glaubwürdig, wenn bei Chor-Lüge noch die möglichkeit einer Manipulation besteht? Da lese ich am ende bloss zur Unterhaltung, wenn keine Nützliche berichte vorhanden sind.

  • Rolf K. am 09.06.2018 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer alles glaubt ist doof.

    Zu den falschen Bildern werden oft auch falsche Geschichten konstruiert, die von den Nachrichtenagenturen an die Presse weitergegeben werden und diese ohne Recherche weiter verbreitet. Bsp. G.W.Bush, der den vom Einsatz im Irak gebeutelten Marines, Truthahn auf dem Flugzeugträger serviert. Der Truthahn war in Wirklichkeit aus Plastik und der Flugzeugträger ankerte 20 km vor L.A. Aber wir haben es geglaubt. Weniger schöne Geschichten gibt es aus Irak, Afgahnistan, Ukraine und Syrien. Aber eben es sind nur konstruierte Geschichten.

  • Joe am 09.06.2018 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falschheit hoch drei.....

    es zeit doch einmal mehr dass mann russland nicht trauen kann alles wird manipuliert vorgegeben vom präsidenten.