tChat

21. April 2016 05:49; Akt: 21.04.2016 05:49 Print

Schweizer App soll Pendler zusammenbringen

Die App tChat will «Freundschaften in Fahrt» bringen. Reisende im gleichen Zug sollen damit ins Gespräch kommen. Eine mutige Idee, findet ein Experte.

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Allein Reisen ist öde, findet der Gründer des Tessiner Start-ups tChat: Abdul Wahed Mehran lebt in Lugano, seine Familie in Basel. Während der vielen Zugfahrten zwischen den beiden Städten langweile er sich oft. Doch das Eis zu brechen und mit anderen Pendlern ins Gespräch zu kommen sei schwierig. «Die meisten Leute sind mit ihren Smartphones beschäftigt.»

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Deshalb hat er die App tChat entwickelt. Die Idee: Reisende sollen mithilfe des Handys mit anderen in Kontakt treten. Nutzer der App können in ihrem Zug «einchecken» und sehen dann, ob andere App-Nutzer im gleichen Zug sitzen. Mit einem «Hallo»-Knopf nimmt man Kontakt auf.

Wer hat ein Ladegerät?

«Neben einem 1:1-Gespräch gibt es für jeden Zug auch einen Gruppenchat», erklärt Mehran. Das ist praktisch: Hat man zum Beispiel das Ladekabel für das Handy oder das Notebook zu Hause vergessen, kann man per App die Frage in den Raum stellen, ob jemand aushelfen könnte.

Bisher wird die App nur im Tessin beworben. Mittlerweile verzeichnen die Macher mehrere Tausend Nutzer. Laut ihnen sind mit der App bereits 45'000 Nachrichten verschickt worden. Mehran wertet das als Erfolg und will die App nun auch in der Deutschschweiz lancieren. Geplant ist auch ein Start in Italien, Frankreich und Deutschland. Finanziert wurde die Entwicklung von privaten Investoren im Tessin.

SBB scheiterten mit ähnlicher App

Mit SBBConnect gab es 2012 bereits eine ähnliche App – ebenfalls mit dem Ziel, Kontakte zwischen Reisenden zu knüpfen. Allerdings zogen die SBB dem Projekt relativ schnell den Stecker. Der Grund: Die App wurde zwar 60'000 Mal heruntergeladen, verzeichnete aber zu wenig aktive Nutzer.

Davon lassen sich die Macher von tChat nicht beirren. Mehran hielt die SBB-App für zu überladen. «Unser Anliegen war es, tChat so nutzerfreundlich und simpel wie möglich zu gestalten», sagt der Firmenchef. Deshalb sei tChat als eine Mischung aus Instant-Messaging- und Dating-Apps wie Whatsapp und Tinder konzipiert worden, mit dem Fokus auf Zugpassagieren.

Es braucht genug Nutzer

Social-Media-Experte David Schäfer von Somexcloud hält die App für mutig. «Spezifische Social-Media-Netzwerke sind eine schwierige Sache», sagt er. Gezeigt habe das nicht zuletzt das Beispiel der SBB-App. Ob ein solches Netzwerk Erfolg habe, hänge davon ab, ob es die kritische Masse an User erreiche: «Wer eine solche App ausprobiert, aber dann das Gefühl hat, es läuft nichts, wird nicht zurückkehren», sagt Schäfer.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Homer J am 21.04.2016 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Facebook Account

    Diese App kann nur mit einem Facebook Account benutzt werden. Somit für mich uninteressant.

  • Vorname/Nachname am 21.04.2016 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lol

    Wenn man mit Personen reden will kann man das auch so tun. Dafür braucht es keine App?

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  • antonzum am 21.04.2016 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brauchen wir das wirklich?

    Passt hervorragend zum gestrigen Beitrag über die Meinung von Doris Leuthard: Handy-Empfang ist ein Menschenrecht! Schließlich will ich immer und überall informiert sein, wie es der Menschheit geht! Ja nicht aus dem Fenster schauen und die Kühe zählen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fensterplatz am 23.04.2016 00:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Abtwort

    Da fehlt noch die Antwort: Ich schaue aus dem Fenster.

  • Rudi an der Mauer am 22.04.2016 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Brauchbar

    Facebook Account ist ein NO GO. Genauso das andauern nach der GPS Ordung gefragt wird, und dann nicht mal bestimmt werden kann wo man ist, und das Manuel machen muss. Idee gut Umsetzung noch Grauenhaft

  • Flo am 22.04.2016 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    App braucht's nicht

    Einfach Blickkontakt suchen und sich wagen, die Person anzusprechen. Mit etwas Übung wird dies von mal zu mal einfacher. Einfach sich (ver)trauen.

  • Ralf Senatore @fb am 22.04.2016 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutig, mutig

    Wäre schön, wenn das Eis zwischen den Leuten allgemein etwas gebrochen würde. Die künstliche Fassade ist nur Energieverschwendung. Eine geile Zeit bricht an.

  • Patrick am 22.04.2016 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Problem sind die Leute

    Dafür braucht es keine App, sondern eine andere Einstellung der Leute. Das Gegenteil geschieht, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht. Plötzlich reden die Leute miteinander - und am nächsten Tag ist es wieder wie vorher...