Medizinisches Rätsel

23. Juni 2016 21:26; Akt: 23.06.2016 21:26 Print

Smartphones rauben Frauen das Augenlicht

Immer wenn sie im Dunkeln ihr Handy bedienten, erblindeten zwei Britinnen vorübergehend auf einem Auge. Die Ursache kam für die Experten unerwartet.

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Exzessive Handy-Nutzung kann zu allerlei Beschwerden führen. Unter anderem kann das häufige Schiessen von Selfies Schmerzen auslösen. Durch die unnatürliche Haltung entsteht Druck auf den Ellbogen. Bei häufiger Wiederholung können sich dadurch Muskeln oder Sehnen entzünden. Die medizinische Diagnose lautet Selfie-Ellbogen. Ein immer weiter verbreitetes Phänomen unter Nutzern von sozialen Netzwerken. Auch die normale Handy-Nutzung birgt Gefahren. Kürzlich hielten zwei Frauen eine Augenklinik in England auf Trab. Die beiden erblindeten immer wieder temporär auf einem Auge, nachdem sie im Dunkeln auf ihr Handy geschaut hatten. Es stellte sich heraus: Beide Frauen schauten beim Liegen im Bett nur mit einem Auge aufs Display, weil das andere vom Kissen verdeckt war. So gewöhnte sich ein Auge an das Licht des Handys, das andere an Dunkelheit. Die Frauen konnte nichts mehr sehen, sobald sie das Handy weglegten. Das liegt laut Experten daran, dass das «Handy-Auge» ein paar Minuten brauche, bis es sich mit jenem im Dunklen wieder im Einklang befinde. Der behandelnde Arzt hält die vorübergehende Blindheit für harmlos und einfach zu vermeiden. Man solle einfach mit beiden statt nur einem Auge aufs Handy schauen, sagt er. Andere Symptome sind jedoch nicht ganz so unbedenklich. Bereits 2013 gaben Schweizer Ärzte bekannt, dass vermehrt Kinder mit geröteten, tränenden und entzündeten Augen in ihre Praxen kämen. Der häufigste Grund sei der «intensive Gebrauch von Smartphones, iPads und Co». Eine Studie von 2015 bestätigt die Symptome auch für Erwachsene. Besonders betroffen sei die sogenannte Generation Y (in den 80er-Jahren Geborene), die im Umfeld von Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen sei. Bei der Überbelastung durch das Starren in den Bildschirm verliert die Augenlinse an Elastizität. So muss sie sich mehr anstrengen, um Dinge in der Nähe scharfzustellen. Das Phänomen ist in Fachkreisen als «digitale Krankheit» der Augen bekannt. Die lange und intensive Nutzung von Smartphones kann bei Jugendlichen ausserdem zu deutlichen Konzentrationsproblemen führen. Der Grund: Das Auge und damit das Gehirn muss sich beim Schauen auf einen kleinen Bildschirm viel mehr anstrengen. Zu viel blaues Bildschirmlicht am Abend kann obendrein den Schlaf stören, weil es die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin im menschlichen Körper hemmt, was zur Folge hat, dass man länger wach bleibt. Was schon lange vermutet wurde, hat eine Studie kürzlich bestätigt: Das Nutzen und Laden des Telefons nahe am Körper sowie seine Aufbewahrung in der Nähe der Hoden führt zu einem deutlichen Rückgang von Spermien. Wer ständig mit gesenktem Kopf aufs Handy-Display schaut, erhöht den Druck auf Rücken und Nacken. Das erhöht laut Experten das Risiko für einen Verschleiss des Rückens deutlich. Es gilt: Je weiter der Kopf nach vorne geneigt ist, desto grösser sind die Kräfte, die auf die Halspartie wirken. Bei einem Winkel von 30 Grad sind es 18 Kilo, bei einem Winkel von 60 Grad sogar 27 Kilo. Wer sein Handy zu oft in der Hand hält und es dabei mit dem kleinen Finger abstützt, riskiert zahlreichen Twitter-Nutzern zufolge einen sogenannten Smartphone Pinky. Mit «Pinky» wird im englischsprachigen Raum der kleine Finger bezeichnet. Auslöser für die Fingerpanik im Netz war dieser Post des japanischen Mobilfunkbetreibers NTT Docomo, der in den sozialen Medien vor der Finger-Deformation infolge Handy-Abstützens warnte. Ganz unbegründet ist die Angst nicht: Der Handchirurg Martin Langer sagte gegenüber der «Huffington Post», dass exzessives Handy-Halten tatsächlich zu einer Deformation führen könne. Allerdings nur bei Kindern und Jugendlichen, die ihr Smartphone mehrere Stunden pro Tag in der Hand halten. Man sollte also darauf achten, wie lange diese tatsächlich mit dem Handy spielen. Ärzte warnen ausserdem vor dem sogenannten Handydaumen. Dieser kommt häufiger vor, seit Smartphones beziehungsweise deren Bildschirme immer grösser werden. Das ständige Wischen und Tippen kann zu Sehnenscheidenentzündung führen. Ist die Verletzung mal chronisch, kann sie meist nur mittels Operation geheilt werden. können Sie herausfinden, ob auch Sie an einer Sehnenscheidenentzündung leiden. Dazu schliessen Sie einfach die Faust um Ihren Daumen ... ... und winkeln Ihr Handgelenk in Richtung Kleinfingerseite an. Führen Sie die Bewegung langsam und nicht ruckartig aus. Leiden Sie unter einem Handydaumen, erkennen Sie dies, indem Sie während der Bewegung eine Art Knirschen über dem Sehnenfach ertasten. Sie können einer Sehnenscheidenentzündung mithilfe von drei einfachen Übungen vorbeugen. Drücken Sie mit dem Zeigefinger gegen den ausgestreckten Daumen und halten sie die Spannung zehn Sekunden lang. Wiederholen Sie die Übung zehnmal. Drücken Sie den Mittelhandknochen der betroffenen Hand kräftig während fünf Sekunden. Lösen Sie den Druck und wiederholen Sie das Prozedere zehnmal. Strecken Sie ihre Hände aus und winkeln Sie sie gen Himmel an. Verharren Sie in dieser Position fünf Sekunden lang. Anschliessend neigen Sie die Hände Richtung Boden und warten wieder fünf Sekunden. Wiederholen Sie das Vorgehen zehnmal.

Zum Thema
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Smartphones sind ohne Frage praktisch und haben unser Leben in vielen Bereich erleichtert. Geht es um die Gesundheit, warnen Experten aber immer wieder vor den negativen Auswirkungen exzessiver Handy-Nutzung. Dazu gehören Konzentrations- und Schlafstörungen, Sehnenscheidenentzündungen, Fingerdeformationen, Augen- und Nackenprobleme (siehe Bildstrecke).

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In England kam nun ein vermeintlich neues Symptom hinzu: Zwei Frauen (22 und 40 Jahre) berichteten unabhängig voneinander von immer wiederkehrender, vorübergehender Blindheit auf einem Auge. Das berichten Ärzte im «The New England Journal of Medicine».

Es passierte immer im Bett

Demnach verlor die 22-Jährige ihr Augenlicht jeweils für bis zu 15 Minuten, wenn sie nachts in den Federn lag. Die andere Patientin litt ebenfalls im Bett unter diesen Symptomen, allerdings am Morgen nach dem Aufwachen.

Untersuchungen der Augen sowie Bluttests waren unauffällig. Bei der Befragung durch den behandelten Arzt stellte sich heraus, dass die Blindheit bei beiden immer dann eintrat, wenn sie im Dunkeln für einige Minuten in den hellen Bildschirm ihres Handys geschaut hatten.

Lichtverhältnisse sind schuld

Beide Frauen lagen dabei auf der Seite, wobei die eine Gesichtshälfte inklusive eines Auges im Kissen versank. «So gewöhnt sich ein Auge an das Licht, weil es aufs Handy schaut und das andere passt sich der Dunkelheit an», erklärte der Augenarzt. Als die Frauen das Handy zur Seite legten, konnten beide auf dem Auge, das zuvor aufs Telefon schaute, nichts mehr sehen.

Dies liege daran, dass das «Handy-Auge» ein paar Minuten brauche, bis es sich mit jenem im Dunklen wieder im Einklang befinde. «Unsere Augen stellen sich auf unterschiedliche Lichtverhältnisse ein. Ist es dunkel, werden sie sensibler, die Pupillen weiten sich. Das dauert aber einen Moment», erklärt Gabor Mark Somfai. Der Oberarzt für Augenheilkunde an der Pallas Klinik in Olten war an der Studie nicht beteiligt.

«Smartphones und Tablets machen nicht blind»

Ein ähnliches Phänomen könne man beobachten, wenn man aus einer sonnigen Umgebung in ein Haus trete. «Dann sieht man kurzzeitig auch nicht mehr so gut», sagt Somfai. Er selber habe noch keine Fälle von temporärer «Handy-Blindheit» in der Schweiz gehabt. Die meisten Leute würden spüren, dass sich das Gefühl der Erblindung in solchen Situationen von selbst wieder lege.

Der behandelnde Arzt in London hält die temporäre Blindheit für harmlos und einfach zu vermeiden. Man solle einfach mit beiden statt nur einem Auge aufs Handy schauen. Somfai fügt an: «Man sollte darauf achten, im Dunkeln nicht zu lange in ein zu helles Display zu schauen. Bei manchen Smartphones gibt es einen Nachtmodus, der die Helligkeit des Bildschirms automatisch reguliert, damit es nicht so blendet». Schliesslich gibt er Entwarnung: «Nach unseren aktuellen Kenntnisse machen Smartphones und Tablets nicht blind».

(lia)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mamma am 23.06.2016 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Das ist doch der Witz des Tages ! Wem ist das schon nicht mal passiert? Und deswegen noch zum Arzt. Ich hoffe die Schweizer Bürger rennen nicht wegen sowas zum Arzt! Die KK Prämienzahler würden es ihnen danken

    einklappen einklappen
  • Alt Modisch am 23.06.2016 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Carpe Diem

    Manchmal wäre ein bisschen weniger Smartphone benutzen und mehr vom realen Leben zu geniessen auch nicht schlecht.

    einklappen einklappen
  • Päsche am 23.06.2016 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RS

    Kein Thema, lernten wir bereits in der Rekrutenschule, bei Nacht in der nähe einer Lichtquelle das einte Auge geschlossen halten, damit man auf dem anderen ohne Lichtquelle trozdem was sehen konnte nach dem ablöschen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cybot am 24.06.2016 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Fingerdeformation

    Ha ha, der Witz mit der Fingerdeformation ist super. Meine kleinen Finger sehen auch schon immer so aus, aber bis ich über 20 war, hatte noch niemand Handys. Die Form auf dem Bild 15 ist doch völlig normal.

  • Peter(TOO) am 24.06.2016 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Sehnenscheidenentzündung

    Früher wurde die Sehnenscheidenentzündung von der Schreibmaschine ausgelöst, besonders als dies noch rein mechanisch waren. Mit den Computertastaturen ging dies zurück. Betroffen waren vor allem Sekretärinnen. Das Natel sorgt jetzt für eine Gleichstellung der Geschlechter :-)

  • Miguel am 24.06.2016 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Darwin?

    Mehr Technik macht uns offensichtlich nicht intelligenter, nur abhängiger.

  • Panda am 24.06.2016 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gar nicht so übel

    naja, dann würde ich vielleicht auch mal eine abbekommen.

  • Lumière am 24.06.2016 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Titel...

    klingt härter, als es der Inhalt verspricht. Das ist eine natürliche Reaktion des Auges, weil es sich an das Licht gewöhnt hat. Und weil das andere Auge Dunkelheit gewöhnt ist, kann man selbst die Helligkeitsunterschiede beider Augen erkennen und dann denkt man, man sei auf einem Auge ganz blind, obgleich dem nicht so ist.