Digitales Vermächtnis

03. September 2012 22:26; Akt: 04.09.2012 07:00 Print

Verklagt Bruce Willis Apple - wegen iTunes?

Die über iTunes erworbenen Songs gehören nicht für alle Ewigkeit dem Käufer - sagen Apple und die US-Musikindustrie. Dies will ausgerechnet ein Hollywood-Star nicht hinnehmen.

storybild

Wollte Bruce Willis seine iTunes-Musiksammlung vererben, müsste er zu einem nicht legalen Trick greifen. Das hat weniger mit Apple, sondern mehr mit den Rechteinhabern, sprich der Musikindustrie, zu tun. (Bild: Keystone / 20 Minuten Online)

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Bruce Willis mag Millionen auf dem Konto haben, doch das viele Geld scheint dem Hollywood-Star für einmal nichts zu nützen. Aus den USA erreichen uns Gerüchte, wonach der Schauspieler, der gerne den harten Burschen mimt, eine Gerichtsklage gegen Apple prüft. Dabei soll es um die beachtliche digitale Musiksammlung gehen, die Willis in den letzten Jahren via iTunes gekauft habe. Sein Problem: Sollte er sterben, könnte er die rechtmässig erworbenen Songs nicht auf legalem Weg an seine Töchter vererben.

Auch wenn die Gerüchte von Klatschblättern mit eher zweifelhaftem Ruf stammen: Das Problem ist nicht wegzudiskutieren. Der Technologie-Blog Venture Beat stellt die entscheidende Frage, die neben dem Hollywood-Star Millionen von Apple-Kunden rund um den Globus betrifft: «Wem gehört deine Musik, wenn du stirbst?»

Der Teufel steckt im Detail

Apple hat bislang keine offizielle Stellungnahme verlauten lassen. Der US-Konzern steht kurz vor der Lancierung des neuen iPhones - und ist bekannt für sein beharrliches Schweigen bei unbequemen Fragen.

Auch wenn man sich einen populären Zeitgenossen wie Bruce Willis nur ungern zum Feind macht: Als treuer Apple-Kunde sollte er wissen, dass der Teufel im Kleingedruckten steckt.

Venture Beat fasst die harten Tatsachen zusammen: Wer bei iTunes einen Song kauft, erwirbt damit nicht alle Rechte an dem besagten Werk. Eigentlich bezahle man nur für das Recht, den Song zu hören und auf verschiedenen Geräten abzuspielen. In den schriftlichen Vertragsbedingungen des iTunes Store, die man als Käufer akzeptieren muss, wird dies sinngemäss als nicht-übertragbare Lizenz bezeichnet. Apple gibt dem Nutzer eine digitale Kopie des Songs - aber im Kleingedruckten steht, dass man ihn nicht besitzt. Das bedeutet: Wenn Bruce Willis das Zeitliche segnet, sterben auch die abgeschlossenen Musik-Lizenzen.

Die Musikindustrie hat Angst

Die meisten Leute seien sich dieser Vertragsbedingungen nicht bewusst, schreibt Venture Beat. Insbesondere weil Apple die heruntergeladenen Dateien nicht mit einem Kopierschutz versehe. Wenn nun Willis seine umfangreiche Musiksammlung an seine Töchter vererben wolle, könnte er dies durchaus tun. Dazu müsste er alle Songs auf die Festplatte herunterladen und sie kopieren. Das wäre zwar nicht legal, würde aber funktionieren.

Das Thema beschäftige die grossen amerikanischen Musik-Label schon seit Jahren, heisst es im Bericht. Dahinter verberge sich die Angst der Rechteinhaber: Sie befürchten sinkende Verkaufszahlen, wenn einmal erworbene Songs gratis an Familienangehörige oder Freunde weitergegeben werden können. Dies sei offensichtlich nicht passiert, hält Venture Beat fest. Zudem habe Apple mit den Musik-Labels einen Deal abgeschlossen, um sie an den Einnahmen des Online-Musikabgleichdienstes iTunes Match zu beteiligen. Der Betrag hänge davon ab, wie viele lizenzierte Songs der Nutzer in der Sammlung habe.

Schweizer Branchenverband nimmt Stellung

20 Minuten Online hat den Schweizer Musikbranchenverband IFPI um eine Stellungnahme gebeten. Der IFPI-Geschäftsführer Lorenz Haas will sich nicht zur Wirksamkeit der allgemeinen Geschäftsbedingungen des amerikanischen iTunes Stores äussern. Der Rechtsanwalt zieht aber die rechtlichen Schlüsse des US-Blogs Venture Beat in Zweifel. «Für einen analogen Fall in der Schweiz wäre nicht einzusehen, warum eine Musiksammlung nicht vererbbar sein soll.» Auch die Behauptung, die Musiklabels befürchten, dass Songs gratis an Familienangehörige oder enge Freunde weitergegeben werden, sei unbegründet: «Dies wäre eine zulässige Privatkopie, wofür die Labels und Künstler durch die Leerträgerabgabe vergütet werden.»

Update 4. September

Nach den Medienberichten in den USA hat die Frau von Bruce Willis via Twitter auf die Gerüchte reagiert, wie mashable.com berichtet. Die Story stimme nicht, habe Emma Hemming-Willis geschrieben. Nichtsdestotrotz handle es sich um eine interessante Frage, was mit den digitalen Inhalten passiere.

(dsc)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • absorber am 04.09.2012 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    An alle, die glauben, das bei Apple

    nicht kaufen wollen hilft. Was glaubt ihr den was die anderen Anbieter in ihren AGB stehen haben? Die umfängliche Nutzung die die Anbieter geben wird von der den Vertretern der Unterhaltungsindustrie den Unternehmen abgetrotzt. Dazu kommen noch die staatlichen Institutionen die das ganze mit Gebühren belegen. Das maximale Recht, das ein Käufer einfahren kann ist die Nutzung des Inhaltes. Eine wieder oder weiter Verwertung ist dabei nur begrenzt vorgesehen. Was man erworben hat ist das Recht auf das konsumieren des Titels. Bruce Willis ist sicher nicht so doof wie es hier glauben gemacht wird.

  • Manuela am 04.09.2012 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werte schätzen

    Vererben? Musikdownloads? Sonst noch ein Problem? Kauft doch CD und LP wie früher. Die haben einen Wert. Sind wir nicht glücklicher wenn wir es in den Händen halten können?

  • André Giger am 04.09.2012 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Und schon wieder ein...

    ...Grund mehr kein Apple Produkt zu Kaufen. Es Lebe Microsoft!

  • BosnaMaster am 04.09.2012 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ineressiert`s???

    Und wenn interessieren die AGB`s von Itunes, wenn ich einen Song gekauft habe und ihn heruntergeladen habe, befindet er sich auf meinem PC, somit mache ich mit dem was ich möchte. Was da steht liest doch kein Mensch und interessiert auch keinen. So ein Hype um nichts....

  • Bruce Will-es am 04.09.2012 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Neuer Actionfilm

    Das ist der Stoff für einen neuen Actionfilm. Bruce Willis gegen die Apple-Mafia.