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Herrschaft im Internet
04. Dezember 2012 10:58; Akt: 04.12.2012 13:22 Print
Vermiesen uns diese Kontroll-Freaks das Web?
von Martin Suter - In Dubai debattieren 193 Regierungen darüber, wie sie das Internet kontrollieren und Zahlstellen errichten können. Verfechter des freien Webs haben einen schweren Stand.

Die Tagung der Internationalen Telegrafischen Union ITU in Dubai dauert vom 3. bis zum 14. Dezember. (Bild: Keystone/AP/Ali Haider)
Im schlimmsten Fall drohen wahre Horrorszenarien. Womöglich wäre es mit dem anonymen Surfen auf dem Internet bald vorbei. Ausländische Websites könnten nur gegen Extra-Gebühren angesteuert werden. Statt einer internationalen Nonprofit-Agentur würden Staaten die Web-Adressen regulieren. Und wenn sie es wollten, könnten Regierungen Websites kurzerhand abstellen.
Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) entstand aus dem 1865 gegründeten Internationaler Telegrafenverein und ist damit eine der ältesten internationalen Organisationen. Zu Zeiten des Morse-Codes regelte die ITU das telegraphische Alphabet, in späteren Jahren bestimmte sie die Ländercodes beim Telefonverkehr und die Abwicklung der grenzüberschreitenden Gebühren. Von 1869 bis 1949 hatte die in Genf ansässige ITU stets Schweizer Direktoren. Das Internet als neuer Kommunikationskanal war bei der letzten Konferenz 1988 noch nicht etabliert. Nichts verpassenDas Ressort Digital ist auch auf Twitter vertreten. Folgen Sie uns und entdecken Sie neben unseren Tweets die interessantesten Tech-News anderer Websites.
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Solche verheerenden neuen Regeln könnten im bisher freien Internet einziehen, falls sich an der Konferenz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) in Dubai die restriktivsten Vorschläge durchsetzen. Dort sitzen seit Montag Regierungsvertreter aus 193 Staaten zusammen, um innert elf Tagen Vereinbarungen zur grenzüberschreitenden elektronischen Kommunikation zu treffen. Verfechter der Netzfreiheit befürchten, dass sich die ITU an ihrer ersten Konferenz seit 1988 des Internets bemächtigen könnte.
«Dinosaurier mit erbsengrossen Gehirnen»
Damit würde sich die zur Uno gehörende Organisation viele Feinde schaffen. Allen voran setzen sich die USA für die Beibehaltung der bisherigen Freiheitlichkeit im Netz ein. Unterstützt – und angespornt – wird Amerika von seinen mächtigen Internet-Konzernen, deren Geschäftsmodelle vom gebührenfreien Netzverkehr abhängen. Google hat zu diesem Zweck die Website «Take Action» eingerichtet, wo über die Gefahren informiert und Unterschriften gesammelt werden.
Zu den engagiertesten Kämpfern für die Netzfreiheit zählt Googles «Internet Evangelist» Vint Cerf. Der sonst als zurückhaltend bekannte Miterfinder der technischen Internet-Protokolle hat für die Kontrollabsichten der Regierungen und der staatlichen Telekom-Unternehmen nur Hohn übrig. Sie bewiesen bloss, wetterte Cerf gegenüber Reuters, «dass diese Dinosaurier mit ihren erbsengrossen Gehirnen nicht herausgefunden haben, dass sie tot sind, weil das Signal noch nicht ihre langen Hälse hochgewandert ist.»
Die Internet-Konzerne und die meisten westlichen Industriestaaten wollen die freiheitliche Verfassung des Internet beibehalten. Gegenwärtig sind auf dem Netz alle Inhalte gleichberechtigt, und das Internet reguliert sich in Eigenregie über die international zusammengesetzte Nonprofit-Agentur Icann, die ihrerseits dem US-Handelsministerium untersteht.
Anonymität beim Surfen in Gefahr
Eine Änderung der geltenden Ordnung verlangen die Entwicklungsländer. Ihnen fehlt das Geld zur Errichtung einer Breitband-Infrastruktur, und sie hoffen, mit Zahlungen seitens der Internet-«Sender» den Anschluss an die moderne Netzwelt zu schaffen. Eine Grundlage für solche Ausgleichszahlungen schufen Europas Telekom-Unternehmen in einem dieses Jahr veröffentlichten Bericht. Darin schlugen sie vor, dass sich Google, Facebook, Netflix und andere grosse Inhaltslieferanten finanziell an den von ihnen verursachten Übertragungskosten beteiligen sollen. Europas Regierungen distanzierten sich später jedoch von dieser Idee.
Autoritäre Regierungen versuchen, das Internet ihrer Kontrolle zu unterwerfen. Von 17 arabischen Staaten stammt der Vorschlag, die Anonymität beim Surfen abzuschaffen und ein Register zu erstellen, worin die Eigentümer aller Geräte mit IP-Adressen gespeichert wären. Nach den Vorstellungen Russlands soll jedes Land auf seinem Rechtsgebiet das Internet nach Gutdünken regulieren können. Worauf das hinausliefe, wurde vergangene Woche klar, als sich die russische Regierung mit einem neuen Gesetz das Recht gab, kinderschädigende Websites ohne richterliche Aufsicht abzuschalten. Der Verdacht ist berechtigt, dass das Gesetz auch gegen Web-Auftritte von Oppositionsparteien eingesetzt werden kann.
USA kündigen Widerstand an
Die meisten Eingaben der Konferenz sind geheim. Bekannt sind bloss Dokumente, die Aktivisten auf der Website wcitleaks.org veröffentlichen. Grundsätzlich gehen Beobachter davon aus, dass eine grosse Mehrheit der ITU-Mitgliedstaaten die Regulierung des Internets befürwortet. Der aus Mali stammende und in der Sowjetunion ausgebildete ITU-Generalsekretär Hamadoun Touré sagte dem Magazin «Vanity Fair»: «Wenn eine Erfindung von Milliarden Menschen auf der ganzen Welt verwendet wird, bleibt sie nicht mehr das Eigentum einer einzigen Nation, wie mächtig diese Nation auch ist. Es sollte einen Mechanismus geben, der vielen Ländern die Gelegenheit zur Mitsprache bietet.»
Die von Touré angesprochenen USA haben erklärt, an der Konferenz gegen jegliche Kontrolle des Internets durch die ITU ankämpfen zu wollen. Sie hoffen, dass die Konferenz folgenlos bleiben wird, weil traditionsgemäss alle Entscheidungen einstimmig gefällt werden.
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volksverblödung
wissen sie, wenn mir das ganze zu blöd wird, dann hab ich auch keinen internetanschluss mehr. das TV musste ich auch abschaffen, damit ich und die kinder nicht verblöden..........erst wird TV und internet zwangsverordnet und dann zensuriert und schubladisiert: ich hab den "braten" schon lange gerochen.
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