Vergleich mit Deutschland

18. Februar 2016 11:51; Akt: 18.02.2016 11:51 Print

Werden Schweizer bei Mobil-Abos abgezockt?

von J. Panknin - Ein Abo mit iPhone ist bei Swisscom bis zu 1100 Franken teurer als ein vergleichbares der deutschen Telekom. Kritiker verlangen mehr Transparenz.

Bildstrecke im Grossformat »
Ein aufgebrachter Leser ärgert sich über grosse Preisunterschiede zwischen Flatrate-Abos der Swisscom und der deutschen Telekom. Ein Abo-Vergleich von 20 Minuten gibt ihm Recht. Im Vergleich zum mit gleichem Gerät bei einer Vertragslaufzeit von 24 Monaten bis zu 1100 Franken mehr berappen. Das liegt unter anderem daran, dass die Swisscom trotz Abschluss eines Abos für das iPhone 499 Franken verlangt. Dank einer Spezial-Aktion hätte der Telekom-Kunde im Zeitrahmen der ersten Recherchen für das Gerät nur einen Franken bezahlt. Doch auch regulär ist das gewählte iPhone bei der Telekom mit umgerechnet 330 Franken immer noch knapp 170 Franken günstiger als bei der Swisscom. Und das, obwohl das iPhone 6s Plus (128 GB) ohne Abo im Schweizer Apple-Store (1119 Franken) sogar günstiger ist als beim deutschen Pendant (rund 1184 Franken). Neben den Kosten fürs Gerät sind auch die Abo-Tarife höher: Der Swisscom-Kunde zahlt knapp 25 Franken mehr im Monat (129 Franken statt umgerechnet 105 Franken). In 24 Monaten Vertragslaufzeit ergibt das einen Aufpreis von knapp 580 Franken. Eins zu eins lassen sich die Dienstleistungen des Infinity-L-Abos und das MagentaMobil-L-Plus-Angebots nicht vergleichen. Im Detail: Die Downloadgeschwindigkeit beim mobilen Netz unterscheidet sich (Swisscom: 40Mbit/s / Telekom bietet mehr: 300Mbit/s) und auch ... ... die enthaltenen Inklusivminuten im europäischen Ausland werden anders abgerechnet (Swisscom: 100 Tage Roaming pro Jahr / Telekom: Flatrate gilt für alle Dienstleistungen wie im Inland). Bei der Swisscom sind MMS enthalten, während die Telekom einzeln abrechnet. Das mobile Netz drosselt die Telekom transparent ab 10 GB. Die Swisscom drosselt auch, kommuniziert aber nicht, ab welchem Verbrauch. 20 Minuten hat deshalb das teuerste Telekom-Abo mit dem Maximum an GB zum Vergleich gewählt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wie komme ich am günstigsten an ein neues iPhone? Mit dieser Frage machte sich 20-Minuten-Leser Markus* über die Preise der verschiedenen Mobilfunkanbieter schlau. Als er das Flatrate-Angebot der Swisscom mit jenem der Deutschen Telekom verglich, kochten die Emotionen hoch: «Das ist doch einfach Beschiss im grossen Stil!» Die Preise würden sich bis zu 400 Prozent unterscheiden, schrieb er an die Redaktion.

Umfrage
Haben Sie kürzlich Ihr Mobilfunk-Abo gewechselt, um von einem günstigeren Angebot zu profitieren?
65 %
17 %
18 %
Insgesamt 4053 Teilnehmer

Das stimmt so nicht ganz. Markus hatte die verschiedenen Dienstleistungen der Abos aus den Augen gelassen, wovor Oliver Zadori, CEO des Vergleichsdiensts Dschungelkompass.ch, warnt: «Fast jedes Abo enthält andere Tarife, Eigenschaften oder Inklusiv-Volumen.»

Doch auch bei vergleichbaren Angeboten zeigten sich grosse Unterschiede bei den zwei Anbietern, die übrigens beide aus ehemaligen Monopolbetrieben hervorgegangen sind. Im Vergleich zum MagentaMobil-L-Plus-Angebot der Telekom mit einem iPhone 6s Plus muss der Kunde bei Swisscom für das Infinity-L-Abo mit gleichem Gerät bei einer Vertragslaufzeit von 24 Monaten bis zu 1100 Franken mehr berappen.

Gebühren und Gerät sind bei Swisscom teurer

Das liegt unter anderem daran, dass Swisscom trotz Abschluss eines Abos für das iPhone 499 Franken verlangt. Dank einer Spezial-Aktion hätte der Telekom-Kunde im Zeitraum der ersten Recherchen für das Gerät nur einen Franken bezahlt. Doch auch regulär ist das gewählte iPhone bei Telekom mit umgerechnet 330 Franken knapp 170 Franken günstiger als bei Swisscom. Und das obwohl das iPhone 6s Plus (128 GB) ohne Abo im Schweizer Apple-Store (1119 Franken) sogar günstiger ist als beim deutschen Pendant (rund 1184 Franken).

Beim Konsumentenschutz kennt man das Problem: «Wir setzen uns schon lange dafür ein, dass die Kosten für das Gerät und der Tarifplan fürs Abo getrennt ausgewiesen werden. Das bringt mehr Transparenz und der Kunde kommt günstiger weg», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz.

580 Franken mehr Abo-Gebühren

Neben den Kosten fürs Gerät, sind auch die Abo-Tarife höher: Der Swisscom-Kunde zahlt knapp 25 Franken mehr im Monat (129 Franken statt umgerechnet 105 Franken bei der Telekom). In 24 Monaten Vertragslaufzeit ergibt das einen Aufpreis von knapp 580 Franken.

Diesen verteidigt Swisscom-Sprecher Sepp Huber einerseits mit den unterschiedlichen Dienstleistungen im Abo (diese finden Sie im Detail in der Bildstrecke) sowie mit nicht vergleichbaren Marktbedingungen: «Diverse Faktoren sind massgebend wie zum Beispiel Infrastrukturkosten, auch beeinflusst durch Bauvorschriften und Verordnung zu nicht-ionisierender Strahlung, Preis- und Lohnniveau, Kaufkraft, Handy-Subventionierung oder Service.» Den hohen Gerätepreis kann oder will Huber nicht erklären.

«Die Tarife der Swisscom sind abstrus hoch»

Stalder findet: «Die Tarife der Swisscom sind abstrus hoch.» Zwar herrsche Wettbewerb, die drei grossen Anbieter würden sich preislich aber nicht wirklich konkurrenzieren. In der Schweiz fehle eine Regulierungsbehörde, die bei überzogenen Preisen eingreifen könne. Dafür setze sich der Konsumentenschutz bei der anstehenden Überarbeitung des Fernmeldegesetzes ein.

Für Simon Pfister, Fachbereichsleiter beim eidg. Preisüberwacher, ist Regulierung nicht der richtige Weg: «In die Konsumentenpreise einzugreifen, macht nur Sinn, wenn keine Möglichkeit besteht, wirksamen Wettbewerb zwischen den Anbietern zu schaffen.» Der Preisüberwacher werde sich deshalb für wettbewerbsbegünstigende Rahmenbedingungen einsetzen.

*Name der Redaktion bekannt

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jimmy Neutral am 18.02.2016 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Geheimnis

    Im Vergleich zu den Deutschem werden wir immer abgezockt.

    einklappen einklappen
  • Henrik am 18.02.2016 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Swisscom ist die Ursache für teures

    Internet und teure Kommunikation. Mit dem Argument der Qualität kann die Swisscom auch nicht punkten, die existiert bei anderen auch! Das ist nicht nur Abzocke, das ist Wucher!!!

    einklappen einklappen
  • Robert S. am 18.02.2016 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar doch

    Natürlich werden wir abgezockt. Ist sicher günstiger ein Abo in Deutschland zu machen und hier zu telefonieren. Bei uns ist es zu überteuert.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • h wälti am 26.02.2016 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Haben oder sein

    Hört doch auf mit meckern. 800.00 CHF für ein Handy ausgeben und über Abos klagen.

  • Sunrise Kunde am 26.02.2016 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    Sunrise transparent

    Ist ja nix neues. Sunrise ist der einzige, der faire Preise hat. Plus überzahlt man das Gerät nicht da es sich um einen separaten Abzahlungsvertrag handelt der automatisch ausläuft

  • Simon am 21.02.2016 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Ich habe ein T-Mobile Abo abgeschlossen. Dafür muss man nicht in DE wohnen. Für 50 Euro habe ich eine 5GB Data- und Telefonflat, nutzbar in ganz Europa incl. CH. Zudem kann ich mir damit aussuchen, welches Netz ich in der Schweiz nutzen möchte.

  • hul am 21.02.2016 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erpressung ist ein hässliches Wort

    Wenn sich Alle dazu durchringen könnten, z.B. am 01.03.2016 einfach 24 Std. lang das Handy auszuschalten und anschliessen vielleicht jeden 1. des Monates wieder, da käme mächtig "Zug in den Kamin". Was denkt Ihr ? Ich mach's. Think global, act local !

    • Hellsurfer am 26.02.2016 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @hul

      nennen wir es "nötigen" mit dem "ö" tönt es schon viel angenehmer..

    einklappen einklappen
  • Chrisitan Duerig am 20.02.2016 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KOPFSTAND DAMIT DAS GELD AUS DEN TASCHEN FÄLLT

    Solange SRG mit der BILLAG uns zur Kasse zwingen kann, werden uns auch SWISSCOM, ORANGE, SUNRISE zur Kasse bitten und uns ablocken. Täglich gibt der Normalbürger mehr als 5 Franken aus für einen Internetanschluss. (30+89+(450/12) monatlich; Grundgebühr, Providergebühr, Billag; total zirka 7.75 Franken pro Tag) Das Mobiltelephon im Flatrate Abo kostet mehr als 5 Franken pro Tag. Information kostet uns mehr als 12 SFr pro Tag !!! Ich gebe weniger Geld aus fürs Essen !!!