Dating-Funktion

02. Mai 2018 17:35; Akt: 02.05.2018 17:35 Print

Wird Facebook zum neuen Tinder?

Dank neuer Flirt-Funktion will Facebook im Online-Dating-Geschäft mitmischen. Welche Daten dafür gebraucht werden und was das für Tinder und Co. bedeutet.

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An der jährlichen Entwicklerkonferenz von Facebook, der F8 in San José, hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg einige neue Features vorgestellt. Am meisten Aufsehen erregte dabei die Partnersuche, kurz «Dating» genannt. Der Konzern möchte darauf aufbauen, dass sich viele Paare angeblich auf Facebook kennen gelernt hätten.

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Die Funktion soll in die App integriert sein und es interessierten Nutzern erlauben, neben dem regulären Facebook-Profil ein zusätzliches Dating-Profil anzulegen. Ob das Unternehmen dabei auf das enorme Wissen über seine Nutzer zurückgreifen wird, um geeignete Partner-Vorschläge zu machen, verriet Zuckerberg nicht. Bekannt ist bisher nur, dass das, was im Dating-Profil geschieht, auch dort bleiben soll. Weder sehen die bestehenden Facebook-Freunde, was im Dating-Bereich vor sich geht, noch tauchen sie als potenzielle Matches auf. Sogar über einen separaten Messenger soll das neue Feature verfügen.

Dem Datenskandal zum Trotz

Wird «Dating» zur ernst zu nehmenden Konkurrenz für etablierte Singlebörsen wie Tinder, Parship, C-Date, Badoo oder Lovoo.net ?

An der Börse hat die Ankündigung der Flirt-Funktion bereits Wirkung gezeigt: Die Aktie der Match Group, der Mutterfirma der Dating-App Tinder, hat nach der Entwicklerkonferenz F8 mehr als einen Fünftel ihres Werts verloren. Zumindest die Anleger trauen Facebook offenbar zu, den Online-Dating-Markt aufzumischen.

«Es wird auf jeden Fall funktionieren»

Zu Recht. Denn Facebook hat laut Online-Dating-Experte Daniel Baltzer alles, was eine erfolgreiche Dating-Plattform braucht: Eine grosse Anzahl an Nutzern, eine Ausgewogenheit an männlichen und weiblichen Usern sowie viele Informationen über diese. «Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Grosskonzern dies zu seinen eigenen Gunsten nutzt. Funktionieren wird es auf jeden Fall», meint Baltzer.

«Viele Dating-Apps bieten bereits die Möglichkeit, dass man sich dort mit seinem Facebook-Profil anmelden kann. Jetzt wird Facebook sein Angebot um Dating erweitern und es geht in ein und derselben App.» Für Baltzer steht somit ausser Frage, dass die App gut ankommen wird.

Alex Zimmermann, Gründer der inzwischen eingestellten Schweizer Dating-App Blinq, fügt an: «Mithilfe der enorm vielen Infos, die Facebook über seine Nutzer hat, wird es vielleicht zu noch besseren Matches kommen als bei den bisherigen Dating-Apps.»

Dem Datenschutz zuliebe

An der F8 hat Zuckerberg erneut beteuert, wie wichtig ihm der Datenschutz sei, auch hinsichtlich der Entwicklung der Dating-Funktion. Facebook steht zurzeit enorm unter Druck. Der Grund ist der massive Datenskandal um Cambridge Analytica. Etliche Nutzer haben ihre Facebook-Profile gelöscht, das Vertrauen in die Plattform ist geschrumpft, der Börsenkurs gefallen.

So hat Zuckerberg neben «Dating» auch eine Funktion zum Schutz der eigenen Daten vorgestellt. Via «Clear History» kann man in Zukunft Informationen zu besuchten Websites oder angeklickten Links löschen, ähnlich wie bei Webbrowsern.

Allerdings würden die erhöhten Datenschutzrichtlinien nur für Facebook-Nutzer gelten, gibt Marc Al-Hames, Geschäftsführer des Browser-Herstellers Cliqz, zu bedenken: «Aber auch das Web-Verhalten von Menschen ohne Facebook-Nutzerkonto wird durch Facebook erfasst und in Schattenprofilen gespeichert.» Schattenprofile sind Datensätze zum Web-Verhalten von scheinbar anonymen Internetnutzern. Und für diese gilt die neu vorgestellte Löschfunktion nicht.

(vhu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Denker am 02.05.2018 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach genial daneben

    Top nach dem kürzlich erkanntem Datenskandal und dem Beweis das Facebook von dem wusste, sollen die Menschen der Firma nach intimere und privatere Details geben. Einfach unglaublich für wie dumm man die Menschen halten kann.

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  • Tanja am 02.05.2018 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Finde ich keine gute idee. Durch diese dating apps ist es sonst schon genug einfach für gewisse leute ihre partner zu betrügen.. leider kenne ich einige die diese miese erfahrung machen mussten. Die menschen sind heutzutage unfähig leute kennen zulernen wie früher. Jeder glotzt nur noch in sein handy anstatt die menschen rundherum. Traurig...

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  • Blaubär am 02.05.2018 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Der Datenkrake geht wieder auf Beutefang

    Als wäre das Hearing kürzlich nie gewesen - keine Einsicht, keine Reue, keine Verbesserung der Datensicherheit, im Gegenteil, jetzt werden noch mehr Daten gesammelt! Allerdings: Menschen, die ihre intimsten Daten auf solchen Plattformen offenbaren, denen kann man einfach nicht mehr helfen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Paul am 03.05.2018 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wofür?

    Was regt Ihr euch auch alle auf. Löscht eure FB profile und ihr habt x probleme weniger. Oder noch besser...eröffnet gar nie eins...

  • Sonnenanbeter am 03.05.2018 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    NoFB

    Tschüss Facebook! Habe meine Accountdaten löschen lassenAb Sonntag endlich frei!

  • Trudi am 02.05.2018 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    und schon

    ist der Datenskandal vergessen. Unglaublich, diese Menschheit.

  • Marco am 02.05.2018 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Hehe

    Einfach die Seite: Wir mögen keine Goldigger! Liken, dann werden dir keine Frauen angezeigt!

  • Mario am 02.05.2018 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte endlich den Wasserhahn aufdrehen

    Wenn eine Datenkrake wie Facebook beteuert, dass der Datenschutz sehr wichtig ist und ernst genommen wird, dann haben wir wohl gleich den 1. April von 2018 bis 2999! Dieser Zuckerberg kann doch nicht ernst genommen werden! Facebook Geschäftsmodell basiert auf dem Verkauf von Daten. Lasst es endlich mal regnen bei dem Zuckerberg. Zucker löst sich im Wasser auf