Datenschutz

29. September 2009 16:34; Akt: 30.09.2009 11:22 Print

«Unser Angebot ist legal»«Unser Angebot ist legal»

von Henning Steier - Die Personensuchmaschine Yasni ist ebenso erfolgreich wie umstritten. Denn mit ihr lassen sich Freunde, Mitarbeiter und Prominente problemlos ausspionieren. Warum er kein schlechtes Gewissen dabei hat und wie die Seite Geld verdienen soll, erzählt Gründer und Firmen-Boss Steffen Rühl im Interview mit 20 Minuten Online.

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Keine Datenschutzbedenken: Yasni-Gründer Steffen Rühl

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20 Minuten Online: Kennen Sie Armin Ruhl, Björn Schwenzer oder Gerhard Knies?
Steffen Rühl: Warum?

Diese Namen erscheinen unter anderem in der mit «Kennen Sie auch?» betitelten Box oben rechts, wenn man Ihren Namen bei Yasni eingibt.
Diese Leute sind mir nicht alle bekannt. Das kann aber auch daran liegen, dass sie zu einem anderen Steffen Rühl passen.

Wenn ich meinen Namen eingebe, erscheinen meine Freundin und meine Tante. Sucht man nach meiner Freundin, wird in der «Kennen Sie auch?»-Box ebenfalls meine Tante vorgeschlagen. Es gibt aber mit absoluter Sicherheit keine Hinweise im Netz, dass wir zusammengehören. Wie erklären Sie sich das?
Die genannte Funktionalität an sich ist recht komplex und bezieht semantisch in Beziehung stehende Namen aus jeweiligen öffentlich verfügbaren Suchergebnissen zu den Namen inklusive öffentlich verfügbarer Bekanntenlisten diverser Social Networks und zum Teil auch häufig im Zusammenhang gesuchte Namen ein. Letzteres greift aber nur, wenn wirklich sehr häufig und zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Zusammenhang gesucht wurde. Ich werde natürlich unseren Algorithmus nicht offen legen, aber so viel sei verraten: Dies ist sein einziger Part, welcher auf unsere eigenen Daten zurückgreift. Das Feature selbst soll den Nutzern helfen, gesuchte Personen leichter zu finden und wird von den meisten Usern auch sehr begrüsst.

Die einzige Verbindung, die von mir zu meiner Freundin, meiner Tante und der beiden untereinander besteht, sind E-Mails. Kaufen Sie Daten von Anbietern elektronischer Post?
Nein, denn unser Angebot ist legal. Wenn wir solche Datenquellen anzapfen würden, verlören wir schnell an Popularität, denn immerhin haben wir mittlerweile allein in Deutschland etwa 30 Millionen Zugriffe und eine Million registrierte Nutzer.

Nehmen wir mal an, ein prominenter Sportler ist Single. Sein näheres Umfeld weiss schon von seiner neuen Freundin und gibt ihren Namen nach seinem bei Yasni ein. Könnte das nicht der Boulevardpresse Anhaltspunkte geben, im Privatleben des Stars herumzuschnüffeln?
Es steht jedem User frei, bestimmte Namen aus der Box löschen zu lassen. Wir benötigen dafür in der Regel maximal 24 Stunden.

Kann man das gesamte «Kennen Sie auch?»-Feld entfernen lassen?
Auch das ist möglich – allerdings nur für sehr spezielle Namen. Denn es gibt zum Beispiel für den Allerweltsnamen Peter Müller nur eine Box, in der aber durchaus unterschiedliche Namen auftauchen können. Daher kann man sie für solche Namen nicht löschen lassen. Im Übrigen sind wir uns etwaiger Datenschutzprobleme durchaus bewusst und tun, was möglich ist, um sie zu beseitigen. So werden bei uns keine E-Mail-Adressen und Telefonnummern mehr angezeigt.

Letztgenannte findet man bei Ihnen aber auch noch indirekt, indem sie beispielsweise auf die Webseite des Auskunftsanbieters 11880 verlinken. Bekommen Sie Geld von ihm?
In Deutschland gibt es mehrere Anbieter von Telefonauskünften, so dass wir uns einen aussuchen und Geld nehmen können. In der Schweiz sieht das anders aus. In der Schweiz zahlen wir nicht direkt dafür sondern verrechnen das im Rahmen einer Kooperation mit Traffic, den wir in Deutschland an Yellow1 liefern.

Können Ihnen Nutzer verbieten, dass Yasni Informationen zu ihnen anbietet?
Nein, denn wir bieten nur Daten an, die es ohnehin im Netz gibt.

Wie wollen Sie mit dieser Zweitverwertung von Daten profitabel werden?
Zurzeit findet sich noch Werbung auf Yasni. Mittelfristig haben wir aber eine andere Strategie, um unser Unternehmen, welches mittlerweile 20 Mitarbeiter beschäftigt, in die Gewinnzone zu führen. Seit kurzem haben wir den Yasni PremiumCheck für Personaler aus Deutschland im Angebot, ab Winter auch vollumfänglich für ihre Kollegen aus der Schweiz. Für umgerechnet etwa 79 Franken monatlich können sie sich informieren, welche Medien über Bewerber berichtet oder wo sich diese geäussert haben. Yasni liefert bekanntlich überdies Treffer aus Netzwerk-Profilen, Blog-Kommentare und persönlichen Homepages - Videos, Bildern und Dokumente inklusive. Man kann ausserdem Dossiers exportieren, sie Kollegen zukommen lassen und sich über Neuigkeiten zu Kandidaten per E-Mail informieren lassen. Es können beliebige Namen (auch aus der Schweiz) gecheckt werden, lediglich das Angebot «passende Personen finden» gibt es nur unter yasni.de.

Das zweite Angebot namens YasniPremium kostet umgerechnet etwa 7,95 Franken und richtet sich an Privatkunden und Freiberufler. Was bekommen sie dafür?
Auch Gratis-Nutzer können sich ein Profil einrichten. YasniPremium-Kunden haben jetzt schon in Deutschland und auch in der Schweiz aber die Sicherheit, dass diese ganz oben erscheint, wenn sie jemand sucht. Ausserdem können sie es mit zwei Stichwörtern – zum Beispiel «Webdesign» und „Suchmaschinenoptimierung“ versehen lassen. Gibt jemand diese ein, wird das Profil angezeigt. Darüber hinaus bekommt man eine eigene Textzeile, mit der man sich präsentieren kann. Die Suche nach Begriffen wird auf yasni.ch allerdings erst ab Winter möglich sein.

Die von Ihnen gewählte Zeile lautet «Aller Fortschritt kommt von den Unbequemen!» Haben Sie keine Angst, dass es für Sie unbequem wird, wenn Nutzer problematische Begriffe wie «Kinderporno» kaufen, ein Fake-Profil beispielsweise ihrer Ex-Frau anlegen und sie so auf Yasni beleidigen?
Diese Liste schliesst solche Begriffe direkt von der Suche komplett aus.
Zudem lassen sich Begriffe nicht kaufen – mit Yasni Premium wird das Personenprofil zu den dazu sowieso relevanten Begriffen nur bevorzugt angezeigt. Wer falsche Information zu Profilen fremder Personen hinzufügt begeht eine ganz normale Verleumdungsstraftat und dies wird durch uns und die Polizei verfolgt. Solcher Missbrauch ist übrigens bei jedem Internetangebot mit Profilen möglich.


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  • MurdockX am 01.10.2009 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Immernoch keinen Plan...

    Nur weil Yasni Werbefläche anbietet,wird Datenmissbrauch betrieben?!Interessanter Aspekt,jedoch unbrauchbar...Schon mal den eigenen Namen durch google gejagt und analysiert was man so erhält?Lauter Ergebnisse unteranderem aus Foren und dergleichen...Hmm,und da kräht kein Hahn drum...Ja ja,Datenschut

  • Helmut Gohlisch am 01.10.2009 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt da Datenschutz + Urheberrecht?

    Wenn yasni meine Daten kopiert, beliebige weitere Daten ungeprüft dazufügt, dann ist das nicht nur ein Verstoß gegen das Urheberrecht sondern (wie oben im Interview schon erwähnt) eventuell auch eine Straftat, wenn, wie geschehen, "unwahre und verleumderische Verbindungen" aufgebaut werden.

  • Volker Bellendorf am 01.10.2009 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat hier keinen Plan?

    Wenn ich Daten ins Netz stelle, dann stelle ich die Daten dieser einen Seite zur Verfügung. Nicht einer Seite wie yasni, die da dann mit meinen Daten Geld verdient. Texte und Bilder unterliegen dem Urheberrecht! jasny verdient mit fremden Texten und Bildern Geld. da sind wir im Strafrecht.