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12. Oktober 2011 20:38; Akt: 13.10.2011 21:13 Print

«Bundestrojaner» in die Schweiz verkauft

von Daniel Schurter - Das umstrittene Software-Tool zum Ausspionieren von Kriminellen sei auch an Schweizer Behörden geliefert worden. Dies sagt ein Sprecher der deutschen Herstellerfirma.

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Der Bundestrojaner soll Medienberichten zufolge aus Hessen stammen und von der in Haiger ansässigen Firma DigiTask programmiert worden sein. (Bild: Keystone/AP/Mario Vedder)

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Der vom deutschen Chaos Computer Club (CCC) entschlüsselte Trojaner sorgt weiter für Aufregung. Die Computerexperten gehen davon aus, dass die Spionage-Software weitaus mehr kann, als in Deutschland rechtlich zulässig ist. Zum Beispiel könnte das Schnüffel-Tool auch höchst intime Daten ausspionieren. Zudem enthalte es erhebliche Sicherheitslücken.

Die in Hessen angesiedelte Software-Firma DigiTask ist ins Visier der deutschen Medien geraten. Am Dienstag hat ein Sprecher bestätigt, dass man ein entsprechendes Schnüffel-Tool entwickelt und an Ermittlungsbehörden verkauft habe. Das als «Bundestrojaner» in Verruf geratene Programm stamme mit grösster Wahrscheinlich von DigiTask, zitierte die «Deutsche Welle» den besagten Firmensprecher.

In die Schweiz verkauft

Damit nicht genug, erklärte der Firmensprecher gegenüber der «Deutschen Welle» online, dass ein gleichartiges Produkt auch ins nahe Ausland verkauft worden sei. Die Software sei an staatliche Stellen in Österreich, Holland und der Schweiz gegangen.

Gemäss seiner Aussage könnte das Schnüffel-Tool an (mehrere) kantonale Ermittlungsbehörden und/oder an Organisationen des Bundes verkauft worden sein. Welche Schweizer Organisationen das Tool tatsächlich gekauft haben, wollte der DigiTask-Sprecher nicht verraten.

20 Minuten Online hat beim Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol) und beim Bundesamt für Justiz nachgefragt. Insbesondere interessiert auch die Frage, ob jemand die Übersicht hat über die Beschaffung und allfällige Verwendung solcher Schnüffel-Programme. Die Stellungnahmen blieben aus.

Umstrittene Revision

Der Bundestrojaner ist hierzulande seit längerem ein heisses Eisen (20 Minuten Online berichtete). Der Bund plante die Einführung einer solchen Überwachungsmöglichkeit und stellte im Mai 2010 eine entsprechende Gesetzesrevision vor. Die Reaktionen auf den Entwurf fielen heftig aus. Es hagelte Proteste - nicht nur von der auf Datenschutz spezialisierten Piratenpartei, sondern von links bis rechts.

Seit der Vernehmlassung liegt die umstrittene Gesetzesrevision auf Eis, wie die NZZ Anfang August berichtete. Ein Bericht sei nie veröffentlicht worden. Dafür hat das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement eine Ebene tiefer angesetzt: Nun versucht man die gewünschten Änderungen über den Verordnungsweg durchzuboxen.

Am Flughafen infiziert

Computer-Sicherheitsfirmen warnen derweil davor, dass staatliche Trojaner wie viele andere kriminelle Schadsoftware auch ein Hintertürchen beim infizierten Rechner offenlassen. Durch diese Lücke könnten böswillige Dritte Schädlinge und andere Spionage-Software einschleusen.

Ein deutscher Anwalt hat verraten, wie der Computer seines Mandanten mit dem Bundestrojaner infiziert wurde. Dies soll im Zuge einer angeblichen Routinekontrolle am Flughafen München passiert sein. Der Zoll habe das Schnüffel-Tool bei einer Sicherheitskontrolle aufgespielt, berichtete die FAZ.

60 000 Screenshots

Die Spezialisten des Chaos Computer Clubs hatten festgestellt, dass das Programm nicht nur das Abhören von Skype-Gesprächen erlaubt. Vielmehr sind die Ermittler dank dem Trojaner auch in der Lage, beliebige Funktionen nachzuladen. So könne man eine Person komplett bis hin zur akustischen und optischen Wohnraumüberwachung hin ausforschen, schreibt der «Telepolis-Blog». In Bayern sei die Software in Fällen eingesetzt worden, in denen es um die unerlaubte Ausfuhr von Medikamenten oder Online-Betrügereien mit Elektrogeräten ging. Dabei seien unter anderem mehr als 60 000 Screenshots angefertigt worden, heisst es.

Mit Material der Nachrichtenagentur ap.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arnold S. am 13.10.2011 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Orwell?

    Orwell lebt oder wie? Schon ein wahrer Skandal, was sich der Staat mittlerweile alles herausnimmt, wo kann man sich vor dem Staat eigentlich noch sicher fühlen? Ganz zu schweigen, in wie fern eine solche Software missbraucht werden kann, von interna Personal. Da fallen mir spontan Journalistenüberwachung ein, eigene "finanzielle Interessen" und und und wofür der ein oder andere soetwas für seinen eigenen Vorteil nutzen könnte. Schöne neue Welt...

  • Marco B am 14.10.2011 00:28 Report Diesen Beitrag melden

    Daneben

    Das Installieren einer Ueberwachungssoftware auf dem Rechner eines Ahnungslosen entspricht dem Installieren einer Funkkamera/-mikrofon in den privaten Räumen eines ebenso Ahnungslosen. Es wundert nicht, dass wieder mal Zürich involviert ist. Dort wie beim Bund biegt man sich die Gesetze, wie man gerade Lust hat. "Notstands-Richter" würden dies bewilligen... wie bitte? Notstand hat in diesem Land langsam der Rechtsstaat, nicht die Ermittlungsbehörden.

  • Daniel Siegmann am 12.10.2011 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Stümperhaft programmiert

    Ja CCC sei Dank ist jetzt die Signatur des Bundestroyaners bekannt. Es ist eine Frage von Tagen, bis die gängigsten Antivieren Scanner ihre neuesten Updates den neuen Begebenheiten angepasst haben. Windows 7 User jedenfalls, sofern sie die 64-Bit Version verwenden, haben von diesem Ozapftis Trojaner nichts zu befürchten. Für die Firma DigiTask jedenfalls ist dieser Skandal jedenfall eine Katastrophe - juristisch wie wirtschaftlich. Wer will einer solchen Firma noch seine Daten anvertrauen ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lena am 25.01.2013 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Rumheulerei

    Warum immer das ganze Tam Tam wegen Datenschutz? Wer am lautesten heult hat eh am meisten Dreck am Stecken und angst dass was rauskommt

  • Pascal Tanner am 16.10.2011 00:43 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zoll Lüge

    Dass der Trojaner am Zoll aufgespielt worden sein soll ist wohl die grösste Lüge von Allen. Der wird mit Softwareupates installiert. Die müssen dazu den Computer nicht in die Hände kriegen!!!

  • Marco B am 14.10.2011 00:28 Report Diesen Beitrag melden

    Daneben

    Das Installieren einer Ueberwachungssoftware auf dem Rechner eines Ahnungslosen entspricht dem Installieren einer Funkkamera/-mikrofon in den privaten Räumen eines ebenso Ahnungslosen. Es wundert nicht, dass wieder mal Zürich involviert ist. Dort wie beim Bund biegt man sich die Gesetze, wie man gerade Lust hat. "Notstands-Richter" würden dies bewilligen... wie bitte? Notstand hat in diesem Land langsam der Rechtsstaat, nicht die Ermittlungsbehörden.

  • Privater am 13.10.2011 15:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An alle Hacker!!

    Wäre doch ne Marktlücke... entwickelt doch einen Updatebasierten Dienst, der jeweils diese Trojaner aufspürt und unschädlich macht... vielleicht mit Jahresabo oder so... Danke!!

  • Arnold S. am 13.10.2011 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Orwell?

    Orwell lebt oder wie? Schon ein wahrer Skandal, was sich der Staat mittlerweile alles herausnimmt, wo kann man sich vor dem Staat eigentlich noch sicher fühlen? Ganz zu schweigen, in wie fern eine solche Software missbraucht werden kann, von interna Personal. Da fallen mir spontan Journalistenüberwachung ein, eigene "finanzielle Interessen" und und und wofür der ein oder andere soetwas für seinen eigenen Vorteil nutzen könnte. Schöne neue Welt...