Piratenpartei offline

20. Mai 2011 21:51; Akt: 21.05.2011 07:55 Print

Hacker planten Angriff auf AKW-Betreiber

Die Server der deutschen Piratenpartei sollen zur Planung eines Hackerangriffs benutzt worden sein – ohne das Wissen der Partei. Das Angriffsziel: ein französischer Energiekonzern.

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Das Atomkraftwerk Cattenom in Ostfrankreich. Unbekannte haben Pläne gegen einen französischen Energieversorger geschmiedet. (Archivbild: Keystone)

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Unbekannte hätten einen konzertierten Hackerangriff auf einen französischen Elektrizitätskonzern geplant. Dies berichtet «Spiegel Online». Dabei soll es sich um das Staatsunternehmen EDF handeln, das in Frankreich 58 Atomkraftwerke betreibt.

Die Angriffsvorbereitungen sollen über einen Server der deutschen Piratenpartei erfolgt sein. Damit erklärt sich auch, warum die deutsche Polizei am Freitag sämtliche Server der Partei lahmlegen liess. Die Polizei hat betont, dass sich die Ermittlungen nicht gegen die Verantwortlichen der Piratenpartei richteten.

«PiratenPad» genutzt

Wie vermutet, zielte die Durchsuchung bei der Piratenpartei auf einen einzelnen Web-Dienst, das «PiratenPad», ab. Dabei handelt es sich um eine Web-Anwendung, die das gemeinsame Erstellen von Textdokumenten ermöglicht. Auch Nicht-Mitglieder können auf das System zugreifen. Über diesen Dienst könnten Informationen zum geplanten Hackerangriff ausgetauscht worden sein. Wie «Spiegel Online« weiter berichtet, hat dies die Piratenpartei inzwischen bestätigt. Über einen Server sei ein sogenannter SSH-Key verbreitet worden. Dieser liesse sich für einen Angriff auf den AKW-Betreiber verwenden.

Der Chef der Piratenpartei, Sebastian Nerz, geht davon aus, dass die beanstandeten Inhalte mit dem PiratenPad erstellt wurden. Allerdings ist fraglich, ob die beschlagnahmten Daten zu den Tätern führen. Das PiratenPad ermöglicht die anonyme Kommunikation – beim Zugriff wird die IP-Adresse nicht extra abgespeichert. Es dürfte also schwierig sein, die Nutzer im Nachhinein zu identifizieren.

Anonymous beteiligt

Der designierte Parteisprecher Christopher Lang hält es für möglich, dass die Hacker-Organisation Anonymous auf dem Server der Partei illegale Aktivitäten koordiniert haben könnte.

Wenige Stunden nach der Polizeiaktion gegen die Piratenpartei waren die Internet-Angebote bka.de und polizei.de nicht mehr zu erreichen. Anonymous bezichtigte sich auf Twitter selbst, die Server der deutschen Ermittlungsbehörden mit einem Überlastungsangriff (DDoS) in die Knie gezwungen zu haben.

Heftige Kritik

Die Aktivisten kritisieren die Aktion der Polizei als überzogen. «Wir verstehen nicht, warum die Polizei so hart durchgegriffen hat. Es wäre möglich gewesen, die Daten sicherzustellen, ohne die gesamte IT vom Netz zu nehmen», sagte Partei-Chef Sebastian Nerz gegenüber den Medien.

Am Sonntag finden in Bremen die Landtagswahlen statt. Zwar war die Website der Bremer Sektion der Piratenpartei nicht von der Abschaltung betroffen. Jedoch fielen wichtige Kommunikationsdienste wie E-Mail, Messaging und Foren aus. Dass die gesamte Informationsstruktur der «grössten ausserparlamentarischen Oppositionspartei» Deutschlands mit einem Streich vom Netz genommen werde, sei ein einmaliger Vorfall. Darum prüfe die Piratenpartei rechtliche Schritte gegen die Polizei.

Seit Freitagabend ist die Website der Piratenpartei wieder erreichbar.

(dsc/sda)