Moneten für Musiker

23. Februar 2012 17:41; Akt: 23.02.2012 18:58 Print

Restorm fordert Musikindustrie heraus

von Oliver Wietlisbach - Die Musik-Plattform Restorm.com will die komplizierte Musik-Lizenzierung radikal vereinfachen. Das Ziel: Geld für die Künstler und schnelle Lizenzen für die Kunden.

Braucht eine Firma einen Song für ihre Werbung, werden Lizenzgebühren fällig. Rightclearing.com soll alles einfacher machen. Quelle: YouTube/Restorm
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Jährlich wird für Musik in der Werbung, in Filmen und in TV-Serien über 2.5 Milliarden Dollar ausgegeben. Davon profitiere in erster Linie die Musik-Industrie, die die Konsumenten immer mehr in die Ecke des Download-Piraten dränge, sagt Restorm-Gründer Philippe Perreaux.

Die Krux für die Künstler: Private und Unternehmen, die etwa ein YouTube-Video, einen Werbe-Spot oder ein PC-Game mit einem Song aufpeppen, kümmern sich meist nicht gross um Lizenzierungs-Fragen oder wissen schlicht nicht, wie und wo sie ein Musikstück lizenzieren können. Dadurch verlieren Musiker Einnahmen und YouTube-Nutzer machen sich, ohne es zu wissen, oft strafbar. Böse Absichten kann man den «Musik-Piraten» nicht verallgemeinernd unterstellen. Die Musik-Linzenzierung ist ein rechtlicher Dschungel, die Wenigsten blicken da durch.

Hier kommt das Schweizer Musik-Portal Restorm.com ins Spiel. 2007 wurde es als Alternative zum damals noch erfolgreichen sozialen Netzwerk MySpace aus der Taufe gehoben. Fünf Jahre später will das inzwischen auf 13 Köpfe angewachsene Team den Lizenzierungsprozess mit der am Donnerstag gestarteten Online-Plattform rightclearing.com massiv vereinfachen.

So funktionierts

Das Prinzip hinter rightclearing.com ist simpel: Musiker können ihre Songs auf der Webseite hochladen und die Nutzungsrechte bestimmen - beispielsweise keine Verwendung für politische Werbung. Sie legen den Preis fest und können den Track direkt an Private, Werbefirmen, Filmemacher oder Gameproduzenten lizenzieren, sprich verkaufen.

Den Preis legt somit nicht die Musik-Industrie fest, sondern der Künstler selbst. Die Höhe ist unter anderem abhängig vom Verwendungszweck des Songs: Ein Lied für ein YouTube-Video gibt es fast umsonst, das gleiche Stück für eine Radio-Werbung kann rasch mehrere hundert Dollar kosten. Soll der Song gar in einem aufwändigen TV-Spot oder einem Film zu hören sein, können zehntausende Dollar fällig werden. Etablierte, international bekannte Künstler können ihre Preise naturgemäss höher festsetzen als Newcomer.

Rasch den passenden Song finden

Die Lizenznehmer ihrerseits suchen sich auf rightclearing.com den passenden Song für ihr Projekt – sei dies ein YouTube-Video, ein TV-Spot oder ein Kinofilm – und bezahlen direkt den Künstler. Restorm.com erhält für seine Vermittlungs-Dienstleistung 10 bis 30 Prozent Provision.

Ein konkretes Beispiel: Sucht ein Bier-Produzent einen ähnlich guten Ohrwurm für seine Werbung, wie ihn die pfiffige Konkurrenz nutzt, lädt er das Lied auf rightclearing.com hoch und eine spezielle Software schlägt automatisch passende Lieder vor. Abhängig vom Budget des Projekts (günstiges YouTube-Video, Radio-Werbung, teurer TV-Spot) berechnet das System den Preis für den Song. Nach der Bezahlung übers Internet können die Kunden den Track herunterladen und legal nutzen. Für den ganzen Prozess fällt kein einziges Papierdokument an (siehe Video).

Rightclearing startet mit 13 000 Tracks, die ab sofort zur weltweiten Lizenzierung zur Verfügung stehen. Durch die Kooperation mit der US-Lizenzierungsplattform Rumblefish wird die Anzahl verfügbarer Tracks im Verlauf der nächsten Wochen auf mehr als 100 000 Titel wachsen.

Die Platten-Industrie zögert

Seit der Jahrtausendwende beklagt die Musikindustrie einbrechende Umsatzzahlen und setzt mit dem umstrittenen ACTA-Abkommen verstärkt auf Verbote im Internet. Bei der Zürcher Firma Restorm.com glaubt man nicht, dass man die Konsumenten als Piraten sehen sollte oder sie dazu bringen kann, für alles zu bezahlen. «Gesetze wie ACTA verhindern alle Bemühungen, eine urheberrechtliche Landschaft zu schaffen, die die Kulturentwicklung fördert», sagt Geschäftsführer Perreaux. Mit rightclearing.com ermögliche man jedem, der legal Musik für seine Projekte verwenden möchte, die Rechte dafür in wenigen Minuten zu erwerben. Dies werde auf lange Sicht auch den finanziellen Interessen der Musikindustrie zu Gute kommen.

Bis es so weit ist, muss Perreaux noch viel Überzeugungsarbeit leisten: Die grossen Platten-Labels Universal, Sony, EMI und Co. sind noch nicht an Bord. Songs von Stars wie Lady Gaga oder den Rolling Stones können somit noch nicht lizenziert werden. Entscheidend für den Erfolg wird zudem sein, ob wichtige Akteure wie der YouTube-Besitzer Google seine Nutzer auf rightclearing.com hinweisen wird.

Durchstarten will Restorm.com-Gründer Perreaux bald auch in den USA. Für die Umsetzung seiner ehrgeizigen Ziele nutzt das Start-Up Beziehungen zu Investoren und PR-Profis aus dem Umfeld von Napster, der Foto-Community Flickr oder last.fm, dem sozialen Netzwerk für Musikfreaks.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

finde mal ein label das 70-90% an den Künstler abdrückt! selbst bei den inzwischen beliebten netlabels sind um die 50% schon viel! rein weil alle Geld machen wollen... ich finde die Idee ein guten Start / weg zum Ziel einer Vereinfachung des lizenzdschungels. – auch musiker

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • musiker am 24.02.2012 00:20 Report Diesen Beitrag melden

    so ein schwachsinn!

    und trotzdem gehen 10 - 30(!) % weg. man muss dabei bedenken, dass diese firma keinerlei ausgaben ausser dem unterhalt der plattform hat. labels verrichten auch promoarbeit, bewerben ihre musik zum beispiel nicht nur bei medien etc., sondern versuchen auch aktiv bestimmte titel in werbungen unterzubringen. sie investieren geld in die künstler und videos, produktion etc.. man darf nicht vergessen, dass es neben den majors auch unzählige labels gibt, die zu fairen konditionen musik verbreiten. der dienst macht die sache einfacher für die privatwirtschaft - die künstler leidern weiter.

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  • W.T. am 23.02.2012 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung

    Musiker, die bereits bei der SUISA (GEMA/RIAA/...) Mitglied sind, dürfen diesen Dienst nicht benutzen, sonst kriegen sie Ärger. Weil: ist man Mitglied bei der denen, tritt man sämtliche Rechte an der (eigenen) Musik an die SUISA ab. Man darf also eigentlich nicht mal seine eigenen Songs auf Youtube laden... Das Problem ist nicht nur die MI, sondern auch die Rechteverwerter...

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  • Michael Schmid / restorm.com am 24.02.2012 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Richtigstellung

    Bei der Lizenzierung von Musik sind die Master & Publishing Rechte involviert, welche die SUISA nicht verwaltet. Es kann also jeder Künstler/jedes Label bei rightclearing.com mitmachen, welches diese Rechte nicht an eine andere Partei (z.B. einen Verlag) abgetreten. Falls die Rechte abgetreten wurden, muss erst die entsprechende Freigabe eingeholt werden. Es können also grundsätzlich alle Künstler - ob sie jetzt SUISA Mitglied sind oder ihre Songs unter Creative Commons lizenzieren - bei rightclearing teilnehmen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Schmid / restorm.com am 24.02.2012 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Richtigstellung

    Bei der Lizenzierung von Musik sind die Master & Publishing Rechte involviert, welche die SUISA nicht verwaltet. Es kann also jeder Künstler/jedes Label bei rightclearing.com mitmachen, welches diese Rechte nicht an eine andere Partei (z.B. einen Verlag) abgetreten. Falls die Rechte abgetreten wurden, muss erst die entsprechende Freigabe eingeholt werden. Es können also grundsätzlich alle Künstler - ob sie jetzt SUISA Mitglied sind oder ihre Songs unter Creative Commons lizenzieren - bei rightclearing teilnehmen.

  • Marco H. am 24.02.2012 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idee für die Zukunft

    Endlich konstruktive Ideen für die Zukunft. Alle Verbote der Musikindustrie sind ein Witz. Denkt doch mal 5 Jahre weiter als immer wieder ein Jahr zurück! Zudem wer bei einem major ist muss sich die Gedanken ja nicht so machen aber Interpreten die kein Label haben bekommen hier eine wunderbare Platzform! Daumen hoch ;)

  • Samo am 24.02.2012 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues...

    Naja, solche Portale gibts schon zu hauf, die Idee ist nicht neu...

  • musiker am 24.02.2012 00:20 Report Diesen Beitrag melden

    so ein schwachsinn!

    und trotzdem gehen 10 - 30(!) % weg. man muss dabei bedenken, dass diese firma keinerlei ausgaben ausser dem unterhalt der plattform hat. labels verrichten auch promoarbeit, bewerben ihre musik zum beispiel nicht nur bei medien etc., sondern versuchen auch aktiv bestimmte titel in werbungen unterzubringen. sie investieren geld in die künstler und videos, produktion etc.. man darf nicht vergessen, dass es neben den majors auch unzählige labels gibt, die zu fairen konditionen musik verbreiten. der dienst macht die sache einfacher für die privatwirtschaft - die künstler leidern weiter.

    • musiker2 am 24.02.2012 01:21 Report Diesen Beitrag melden

      so ein schwachsinn die zweite!

      bis jetzt hat kein unabhängiger künstler die möglichkeit ohne rechtskentnisse am lizenzierungsgeschäft teilzunehmen.wenn er seine musik bei restorm einstellt,kriegt er wie ichs verstanden habe 100% von den preisen,die er definiert.rightclearing berechnet nur dem lizenznehmer eine gebühr von 10%.hast du dich mal informiert,was übliche prozente in dem geschäft sind? da kann ein küsntler froh sein,wenn er überhaupt 50% kriegt...erstmal denken.

    • auch musiker am 24.02.2012 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      guter ansatz

      finde mal ein label das 70-90% an den Künstler abdrückt! selbst bei den inzwischen beliebten netlabels sind um die 50% schon viel! rein weil alle Geld machen wollen... ich finde die Idee ein guten Start / weg zum Ziel einer Vereinfachung des lizenzdschungels.

    • Martin am 24.02.2012 08:24 Report Diesen Beitrag melden

      Ähem

      Labels nehmen für ihre Promoarbeit etcpp. aber auch so 80-95% des Umsatzes für sich. Der Kreative kann sich mit Peanuts zufrieden geben. Da ist dieses Modell bedeutend lukrativer für den Künstler.

    • Marcel Baur am 24.02.2012 09:04 Report Diesen Beitrag melden

      Selbstbestimmung statt Sklaverei?

      Du hast selbstverständlich das Recht deine Songs selbst zu vermarkten. Keiner hindert dich daran. Wichtig ist hier, dass der Künstler bestimmt zu welchen Bedingungen seine Songs verwendet werden dürfen und nicht die Contentmafia mit Gängelverträgen. Wenn dir selbst ein kleines Label mit fairen Bedingungen mehr zusagt steht dir auch dieser Weg offen.

    • Gernot am 24.02.2012 10:59 Report Diesen Beitrag melden

      @musiker

      Bei den Major labels kann der Künstler froh sein wenn er 10% kriegt, also ist dein Kommentar schon im Ansatz falsch. Abgesehen davon, die 4 Majorlabels produzieren ca. 20% der weltweit produzierten Musik, nehmen aber geschätzte 80% aller Gewinne ein. Merkst du dass da etwas nicht stimmen kann?

    • musiker am 24.02.2012 12:27 Report Diesen Beitrag melden

      antwort

      mir ist klar dass die labels wesentlich mehr einstecken. sie verfügen aber auch über die ganzen netzwerke und investieren viel (als unabhängiger künstler müsstest du genauso privat investieren, hättest aber weniger kontakte/know-how) das ist also in den meisten fällen legitim. mich stört an den 30% nur, dass rightclearing der musikindustrie den schwarzen peter zuschiebt, während ihr eigenes ziel genauso die geldmacherei ist. dass es die geschichte vereinfacht ist sicher richtig. deshalb muss man nicht die gesamte musikindustrie vor den kopf stossen - da gibts auch viele faire player!

    • Gernot am 24.02.2012 16:12 Report Diesen Beitrag melden

      @musiker

      Ja aber nicht bei den Majors. Das Problem an der ganzen Musik Industrie sind eben die grossen Majors! Die kleinen Indie labels machen grossartige Arbeit und jammern auch nicht die ganze Zeit rum wegen denn vielen bösen Raubkopiermörder. Und die Netwerke der Majors sind doch heute eh fast obsolvent, das Internet macht das alles viel einfacher, zum Beispiel Vertrieb und Werbung der Musik. Und das Rightclearing die Musikindustrie anprangert ist absolut richtig, weil die Majors schon vor vielen Jahren ein solches Modell hätten anbieten können.

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  • Guido am 23.02.2012 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelt und dreifach bezahlt

    Da hätte ich mal die Frage was denn mit den Abgaben auf CD-Rohlinge, USB-Disk etc. Passiert wieso muss ich für ein Musik Stück das ich zb auf einer CD legal erworben habe, auf die Disk mit Urhebergebüreng kopiere nochmals was bezahlen. ? ? Kommt die Frage bei der Musikindustrie an.

    • Andy am 23.02.2012 19:41 Report Diesen Beitrag melden

      ja und nein

      Du hast recht, Guido - aber das wurde 2007 so bestimmt, quasi als Kompensation für all die illegalen Downloads, die in CH bisher noch "legal" sind. Sähe das anders aus, so könnte man auch grossteils auf die Abgaben für Rohlinge etc. verzichten. Ist also im Endeffekt die Schuld der "Konsumenten"

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