Zürich

04. Mai 2011 22:33; Akt: 04.05.2011 22:52 Print

Wenn der Exfreund zum Spion wird

von Zora Schaad - Spion-Software entwickelt sich zu einem Lieblingsinstrument von Stalkern und Ex-Lovern. Doch die Tat kann mit Gefängnis bestraft werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Lisa Keller* freute sich, als ihr Freund anbot, ihren Rechner «aufzuräumen». Doch der Freund, der sich später als krankhaft eifersüchtig entpuppte, installierte bei dieser Gelegenheit so genannte Spyware. Unbemerkt konnte er danach in ihrem Facebook-Konto wüten und ihren E-Mail-Verkehr überwachen: «Plötzlich wusste er Dinge, die ich ihm nie gesagt habe», so die mittlerweile getrennte Keller. Aber erst als nach einem mühsamen Trennungsdrama ein Freund Kellers Laptop untersuchte, kam die Spyware ans Licht. Laut Björn Abt, Mitinhaber der IT-Firma Object, ist solche Spyware überall im Netz erhältlich und leicht zu installieren.

Und dies wird offenbar von vielen eifersüchtigen Freunden auch getan: «Auf meinem Blog Computec.ch werde ich regelmässig nach Anleitungen für Spyware gefragt», sagt IT-Sicherheitsexperte Marc Ruef. «Die Interessenten sind zu 99 Prozent Männer», so Ruef.

Tatsächlich habe Cyberstalking in den letzten zwei bis drei Jahren massiv zugenommen, so Stalking-Experte Dr. Jens Hoffmann: «20 Prozent aller Stalker werden auch physisch gewalttätig». Die Täter riskieren theoretisch viel: In der Schweiz kann unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden, weiss Thomas Dübendorfer, Präsident der Information Security Society Switzerland.

* Name der Redaktion bekannt