Linux wird 20

23. August 2011 10:44; Akt: 23.08.2011 11:14 Print

Vom «Krebsgeschwür» zum IT-Darling

von Klaus Gürtler, ap - Einst war das Open-Source-Betriebssystem Linux das Hassobjekt Nummer eins von Microsoft-Chef Steve Ballmer. Heute läuft die Windows-Alternative unter anderem auf den Google-Servern.

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Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, ist Linux in der Computerwelt heute nicht mehr wegzudenken. (Bild: .bablotech.com)

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Vor 20 Jahren ging ein finnischer Student namens Linus Torvalds daran, die Möglichkeiten damaliger Computerchips zu erkunden. Als Hobby, wie er erklärte. Aus den Programmen, die er damals schrieb, wurde das Betriebssystem Linux. Heute ist Linux allgegenwärtig in der Computerwelt und eigentlich nicht mehr wegzudenken, auch wenn dies in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Nur das Maskottchen von Linux, der Pinguin, ist vielleicht bekannt.

Das Betriebssystem steckt zum Beispiel in vielen WLAN-Routern, die das Internet in die Wohnung bringen, es arbeitet in Servern, die bei Google dafür sorgen, dass die Suchergebnisse schnell auf dem Bildschirm landen, es arbeitet in Computern, die in Unternehmen für die Verteilung der E-Mails sorgen, und es kommt richtig auf Hochtouren, wenn der Aktienhandel die Kurse auf eine Berg- und Talfahrt schickt.

Viele Menschen haben Linux auch längst in ihrer Hosentasche - ohne es zu wissen, denn Linux steckt auch unter anderem in den Smartphone-Betriebssystemen Android von Google und Bada von Samsung. Zusammengenommen dominieren die Linux-Systeme diesen Markt. Noch deutlicher ist die Vorherrschaft bei den Supercomputern, den Rechnern, die zum Beispiel zur Atombomben- oder Klimaforschung eingesetzt werden. Hier laufen inzwischen mehr als 90 Prozent der Rechner mit Linux. Aus dem Hobby ist längst Big Business geworden.

Auf dem Desktop keine Chance

Als die Entwicklung des Betriebssystems Linux vor 20 Jahren begann, war noch nicht abzusehen, was sich alles daraus entwickeln würde. Aber es fanden sich schnell Mitstreiter für Torvalds, die halfen, Linux voranzubringen. Der vielleicht wichtigste Grund: Torvalds machte Linux schon kurz nach den ersten Entwicklungsschritten zu Freier Software. Jeder durfte sich sein Programm ansehen, es verändern und für seine Zwecke nutzen. Und das ist bis heute so, weshalb sich eben Unternehmen wie Google Linux nehmen dürfen und damit eigentlich machen können, was sie wollen.

Aber daran war in den Anfangsjahren gar nicht zu denken. Während Linux als Server-System schnell Fortschritte machte, wurde auch viel Arbeit darauf verwandt, Linux auf den Desktop der PCs zu bringen - als freie Alternative vor allem zu Windows von Microsoft. Und der Konzern sah wohl tatsächlich in Linux eine Bedrohung für sein Geschäft. Es wurde heftig polemisiert, Microsoft-Chef Steve Ballmer nannte Linux gar ein Krebsgeschwür.

Aber das Betriebssystem mit dem Pinguin als Maskottchen hatte auch potente Verbündete, zum Beispiel IBM. Big Blue sorgte 2000 für Aufsehen, als es ankündigte, eine Milliarde in Linux investieren zu wollen.

Aber auch das führte nicht dazu, dass Linux auf dem Desktop vorankam, obwohl sich etliche Unternehmen daran versuchten. Nennenswerte Zahlen von Nutzern, die ein tragfähiges Geschäftsmodell ermöglicht hätten, fanden sich nicht - woran sich bis heute kaum etwas geändert hat.

Auch Microsoft hat seinen Frieden mit dem Pinguin gemacht

Wie viel Fantasie in Linux zur Jahrtausendwende steckte, auf dem Höhepunkt der Dot-com-Blase, zeigte der Börsengang von VA Linux. Die Aktie des Unternehmens legte den grössten Kurssprung am Tag der Erstnotierung hin, den es je gab. Um sagenhafte fast 700 Prozent schnellte der Kurs nach oben. Es war ein echtes Dot-com-Strohfeuer - heute heisst die Firma Geeknet und betreibt etliche Websites.

Linux ist dafür lebendiger denn je. Auch Microsoft hat inzwischen seinen Frieden mit dem Pinguin gemacht; eine reibungslose Zusammenarbeit freut die Kunden, die eventuell beide Systeme nutzen, und nützt dem eigenen Geschäft. Bei den Beiträgen zur jüngsten Weiterentwicklung des Betriebssystemkerns von Linux, des sogenannten Kernels, rangierte Microsoft unter den Top Ten.

Davon ist Linux, was die Bedeutung als PC-Betriebssystem angeht, noch weit entfernt. Der Marktanteil liegt irgendwo im unteren einstelligen Prozentbereich. Aber die PC-Ära geht ja vielleicht sowieso allmählich zu Ende, also mal sehen, was aus dem Pinguin noch so wird - in den nächsten 20 Jahren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nino am 23.08.2011 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Nachtrag - Ubuntu Nutzerzahl

    Sorry, hab mich vertan. Ubuntu hat bereits ca 25Mio Nutzer und damit schon fast halb so viel wie Mac OS X.

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  • Linux Tux am 23.08.2011 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Familien-Linux

    Seit 15 Jahren benutze ich Linux und schätze es. Ob auf meinem Handy, dem Laptop oder dem Desktop: Überall laufen Unix-Derivate. Meine Kinder benutzen Linux, und der erste Compi meiner Frau läuft ebenfalls auf Linux. Irgendwann kam der Tag, da eines der Kinder ein Windows-System wollte. Die Installation dauerte Stunden, es mussten Treiber gesucht und das Netzwerk kompliziert eingerichtet werden. Am Ende meinte meine damals elfjährige Tochter: "Linux installiere ich in 40 Minuten und Windows braucht Stunden und läuft nicht stabil? Müsste mir da Microsoft nicht etwas zahlen?"

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  • Paul aus Bern am 23.08.2011 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Linux läuft super!

    Arbeite Tagtäglich auf Ubuntu - Linux, mit bestem Erfolg und ohne jede Probleme die mich vorher unter Windows immer gequält haben. Auf einem zweiten Rechner noch ein Windows für alte Geschichten aber die würden auch in der Virtualbox auf Linux laufen. Ich bin sehr froh um diese Alternative, Mac käme für mich nicht in frage, bin nicht bereit das doppelte für nicht mehr Leistung zu bezahlen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel am 24.08.2011 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Chance reicht!

    Wer Linux, z.B. Ubuntu nicht eine Chance gibt, ist selbst schuld. In 20Minuten :-) hat man ein System mit Office, Browser, e-Mail aufgesetzt. Und wer es dann mehr als 2 Tage nutzt, will es nicht mehr missen.

  • Olivier.b am 23.08.2011 23:42 Report Diesen Beitrag melden

    User sind zu blöd

    Hallo bitte hinterfragt doch einfach mal, wieso es Linux noch nicht auf den Desktop Rechner geschaft hat??? 1. Die meissten Rechner werden direkt mit Windows verkauft. z.B bei Interdiscount ist es nicht mal möglich einen Rechner ohne zu bekommen. Ich sehe das so, dass hier Verträge mit Microsoft abgeschlossen wurden. (jaja das liebe Windows) 2. Viele PC user kennen nichts anderes als Windows, und sind vor allem zu faul etwas neues zu lernen. 3. Viele PC user sind selbst so blöd, dass Sie sich nicht 10min nehmen können die Lizenzbedingungen zu lesen (siehe Facebook, oder Windows Lizenz)

  • stephan kuhn am 23.08.2011 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Fast nur noch Linux

    Ich habe vor 2 Jahren auf Ubuntu umgestellt. Kommentar meiner Frau: Funktioniert ja genau gleich wie Windows. Doch seien wir ehrlich. Ein paar gute Programme fehlen (DVD Player) oder es ist manchmal mühsam an die Infos zu kommen. Zudem muss ich mir die Hardware zusammensuchen (TV-Karte, Multifunktionsgerät). Und sonst. Mein NAS = Linux, mein Handy = Linux, mein Router = Linux. Nur mein Firmenpc ist noch Windowslastig - aber auch da läuft eine VM mit Ubuntu... Das beste an Linux: Ich darf für Programme bezahlen - ich muss nicht. Keine Raubkopien nötig.

  • Chris am 23.08.2011 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nur eins kanns noch nicht...

    Wenn man doch nur endlich (neue) Spiele unter Ubuntu zocken könnte... dann würde ich auch umsteigen. (Und nein, ich will kein Dual-Boot, danke!) Auf meinem Netbook läufts jedenfalls top! :) sehr zufrieden damit ^^

  • Lorenz am 23.08.2011 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Innovation und Geldmacherei

    Bei Ubuntu sehe ich in jeder neuen Version viele Fortschritte und einige wenige Rückschritte. Bei Windows sehe ich bei jeder neuen Version kleine Fortschritte und viel Altes neu verpackt mit den gleichen Problemen. Und jedes Mal sollte man sich die teuer gekauften Programme wieder für das neue Windows erstehen. Besonders bei umfangreicheren Programmen eine teure Sache.