Filesharing

28. Januar 2009 11:36; Akt: 30.01.2009 11:22 Print

Willkommen im Piratenparadies

von Henning Steier - Der Schweizer Online-Speicherservice Wuala.com ist zum Problem für die Unterhaltungsindustrie geworden. Pornos, Musik und Kinofilme können mit wenigen Klicks heruntergeladen werden. Die Betreiber tun wenig dagegen.

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Seit Mitte August kann jeder die Internet-Festplatte auf wuala.com nutzen. Neun Mitarbeiter hat das Team um die Gründer Dominik Grolimund und Luzius Meisser mittlerweile. Wuala entstand aus einer Masterarbeit der beiden an der ETH Zürich. Im Dezember nutzten bereits über 70 000 Menschen weltweit den Service. Mehr als 35 Millionen Dateien wurden bislang von den Usern zur Verfügung gestellt.

Auf seiner Homepage erklärt Wuala, was es von anderen Filehostern unterscheidet: «Benutzer können freien Speicherplatz auf ihrer Festplatte dem Wuala-Netzwerk zur Verfügung stellen. Alle Dateien werden zuerst verschlüsselt und dann in so genannte Fragmente aufgeteilt, die redundant auf unseren Servern und im Wuala-Netzwerk gespeichert werden. Dadurch sparen wir Kosten (Datenvolumen, Strom) und können so viele kostenlose Funktionen anbieten - darunter ein paar Vorteile, die Sie nur bei uns finden: unlimitiertes Datenvolumen, keine Dateigrössenbegrenzung, schnelle Downloads.»

Familienfilter lässt sich leicht ausschalten

Und in der Tat überzeugt das Angebot durch Schnelligkeit und Einfachheit. Das gilt aber leider auch, wenn es darum geht, Wuala zum Verbreiten von Pornographie, Musik und Programmen zu nutzen. Denn bei der Anmeldung wird man nur aufgefordert, ein Geburtsdatum einzugeben und der Familienfilter lässt sich leicht über die Grundeinstellungen deaktivieren. Jugendschutz ist das eine, Urheberrechtsverletzungen sind das andere grosse Problem von Wuala. Zwar fördert eine Suche auf gut Glück nur wenige für Filesharer interessante Inhalte zu Tage. Das liegt daran, dass die Nutzer selbst entscheiden können, ob sie ihre Ordner für alle freigeben. Und wer das tut, macht sich strafbar, wenn er urheberrechtlich geschützte Inhalte anbietet.

Trotzdem stösst man immer wieder auf Wuala-User, die falsche Namen angeben und sich dann so sicher fühlen, dass sie ungeniert beispielsweise Filme zur Verfügung stellen, die noch im Kino laufen. Die von den meisten Surfern gesuchten Inhalte findet man am leichtesten in privaten Gruppen. Um diesen beizutreten, muss man einen Grund in eine Maske eingeben und schon wird das Gesuch weitergeleitet. Im Test von 20 Minuten Online dauerte es oft nur wenige Minuten, bis die Gruppen geöffnet wurden. Hat man einmal Zutritt, wird dieser in der Regel nie mehr verwehrt. Nur in einem Fall erhielten wir die forsche Aufforderung: «Lade etwas hoch, sonst muss ich dich kicken!» Was alles mit wenigen Klicks bei Wuala zu finden ist, sehen Sie in der obigen Bildstrecke.

Kein Zugriff auf private Dateien

Im Gespräch mit 20 Minuten Online kündigte Wuala-Gründer Dominik Grolimund an, zumindest den Jugendschutz auf der Seite verbessern zu wollen: «Das Alter der Nutzer könnte zum Beispiel durch die Angabe einer Kreditkartennummer überprüft werden.» Ausserdem habe man für die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (KOBIK) und Vertreter der Film- und Medienindustrie ein System eingerichtet, mit dem diese öffentliche Dateien selbständig sperren können. «Sie haben jedoch auf private Dateien, genau wie wir, ohne explizites Einverständnis des Eigentümers keinen Zugriff», so Grolimund.

Dass sich das Tauschen von Dateien aber vor allem im nicht-öffentlichen, aber trotzdem für viele Nutzern zugänglichen Bereich abspielt, kontert Grolimund mit dem Hinweis: «Technologie ist nur so gut oder sauber wie ihre Anwender.» Leider sei der Umgang mit unsauberen Inhalten ein allgemeines Phänomen im Internet, von dem auch Wuala nicht verschont bleibe.

Empörte Rechteinhaber

«Speicherplatz im Web ist eine prima Sache, solange er dazu genützt wird, von überall auf eigene Dateien zuzugreifen. Werden jedoch urheberrechtlich geschützte Dateien mit einem Benutzerkreis geteilt, der über Familie und engen Freundeskreis hinausgeht, so verstösst dies gegen das Gesetz und gegen den angestrebten Zweck von wuala.com, wie er in den allgemeinen Geschäftsbedingungen definiert ist», sagt Martin Wüthrich, Sprecher der Schweizerischen Gesellschaft für die Rechte der Urheber musikalischer Werke (SUISA).

Wuala-Macher Grolimund kündigte gegenüber 20 Minuten Online einige Veränderungen bis zum Sommer an, mit denen man Unternehmen statt Piraten als Nutzer gewinnen will: «Wir wollen zu einem Premium-Angebot werden, das insbesondere für professionelle Anwender interessant ist. Geld verdienen wollen wir mit kostenpflichtigen Dienstleistungen, wie beispielsweise dem Verkauf von Speicherplatz.» Daher sei schon jetzt keine Werbung mehr im Wuala-Client zu sehen. Ausserdem spiele man mit dem Gedanken, den öffentlichen World-Bereich zu schliessen.