Kriminalitätsbekämpfung

25. Juni 2010 09:00; Akt: 28.06.2010 10:43 Print

Polizei hinkt dem Internet hinterher

Telefongespräche werden immer häufiger übers Internet geführt. Diese Entwicklung stellt die Stafverfolgungsbehörden vor grosse Herausforderungen.

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Die neuen Technologien ermöglichen es den Nutzern, gleichzeitig mit mehreren Partnern gesicherte Verbindungen herzustellen und - so geschützt - digital zu kommunizieren. Nicht nur die organisierte Kriminalität nutzt diese Mittel. Auch Pädophile und Wirtschaftsbetrüger greifen darauf zurück.

Wie das Bundesamt für Polizei (fedpol) in seinem Jahresbericht 2009 schreibt, erschwert dies sowohl die Verbrechensprävention als auch die Repression. Denn in allen Phasen eines Verbrechen spiele mittlerweile «die anonyme, verschlüsselte, weltweite Kommunikation über das Internet in Schrift, Bild und Ton eine entscheidende Rolle».

«Google StreetView» zur Verbrechensplanung

Die rasante technologische Entwicklung, die unzähligen Anonymisierungsmöglichkeiten und die vermehrte Nutzung von mobilen Geräten würden die Identifikation von Internetnutzern immer mehr erschweren, heisst es weiter.

Gleichzeitig können Delikte dank Instrumenten wie «Google Maps» oder «Google StreetView» aus der Ferne und ohne Erkundung vor Ort präzise geplant werden.

Weitere für ein Verbrechen interessante Instrumente - wie etwa «Malware-Baukästen» (Software zur Schädigung anderer Internetnutzer) - können im Internet gekauft werden oder stehen gratis zur Verfügung. Sogar komplexe Geldwäscherei-Netzwerke können gegen Entgelt oder Beteiligung gemietet werden.

Erfolge im Kampf gegen Kinderpornografie

Das fedpol kann aber auch Erfolge vermelden. Das Bundesamt habe letztes Jahr mehrere Operationen mit rund 250 in der Schweiz wohnhaften Tatverdächtigen koordiniert. Dabei arbeitete die Schweiz mit anderen Ländern und den Kantonen zusammen. Aufgeflogen ist etwa ein Kinderschänder-Ring, bei dem Väter in Deutschland und der Schweiz ihre minderjährigen Söhne sexuell missbraucht und Dritten für sexuelle Handlungen angeboten hatten.

In dem Jahresbericht, der den bisherigen Bericht Innere Sicherheit der Schweiz (BISS) ersetzt, zeichnet das fedpol ein detailliertes Bild über die Lage der Kriminalitätsbekämpfung in der Schweiz. Neben den Angaben zur Internetkriminalität liefert der Bericht Analysen zu zwölf anderen Kriminalitätsbereichen.

Folgen der Wirtschaftskrise

Darin zeigt das fedpol auf, dass die Schweiz auch 2009 für kriminelle Organisationen attraktiv geblieben ist. Gruppen aus Georgien, Südosteuropa und Westafrika beispielsweise begingen in der Schweiz Drogenhandel, Einbrüche und Raub. Andere Gruppen nutzen die Schweiz für logistische Zwecke, Geldwäscherei oder als Rückzugsgebiet.

Die Kriminellen gehen dabei grenzüberschreitend vor. Um diesen Aktivitäten Einhalt zu gebieten, braucht es laut fedpol eine koordinierte Polizeizusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene. Die Schweiz profitiere davon. So hätten dank dem Schengener Informationssystem im laufenden Jahr bereits wieder 93 vermisste Personen gefunden werden können.

(sda)