Personensuchmaschinen

15. Dezember 2008 13:09; Akt: 16.12.2008 08:58 Print

Internet-Rufmord 2.0

von Henning Steier - Im Web kann sich jeder leicht rächen. Eine neue, besonders perfide Verleumdungsvariante kann Karrieren zerstören, bevor sie angefangen haben.

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«Was weiss das Netz über dich», fragt die nach eigenen Angaben grösste Personensuchmaschine Europas auf ihrer Startseite. Über acht Millionen Besuche verzeichnete yasni allein im November. Mehrere hunderttausend Nutzer haben auf der Seite mittlerweile persönliche Profile angelegt. Wer bei Google einen Namen eingibt, erhält meistens unter den ersten drei Resultaten die Personensuchmaschine aufgelistet.

Für Personalchefs sind sie ein beliebtes Mittel, um Dinge über Bewerber zu erfahren, die sie gerne im Lebenslauf verschweigen: Party-Fotos, Urlaubs-Clips und Schmähungen von Ex-Partnern - das Internet vergisst bekanntlich nichts. Dass man daher darauf achten sollte, was man im Web von sich preis gibt, dürfte sich mittlerweile auch herumgesprochen haben. Trotzdem ist es nach wie vor leicht, beispielsweise bei Facebook gefälschte Profile anzulegen, um jemandem zu schaden. Personensuchmaschinen wie yasni sind erst seit knapp einem Jahr populär. Wie halten Sie es mit der Privatsphäre? 20 Minuten Online hat den Test gemacht.

Profile für alle

Yasni wertet nur das aus, was ohnehin im Web sichtbar ist, präsentiert dies aber in übersichtlicher Weise. Ausserdem können registrierte Nutzer Profile anlegen und sich so schnell ein Netzwerk aufbauen. Und genau hier liegt das Problem. Theoretisch kann jeder für sein Opfer ein Profil unter dessen Namen erstellen. Wir haben es für einen Kollegen getan. Wie Sie in der obigen Bildstrecke sehen können, hat es nur eine Minute gedauert. Die von uns angegebene E-Mail-Adresse wurde nicht überprüft. «Wir könnten dies derzeit nicht tun, denn das ist zu teuer, und aufwendige Identifikationsverfahren würden von unseren Nutzern nicht angenommen werden», sagt Yasni-Gründer Steffen Rühl auf Anfrage von 20 Minuten Online. Für verschmähte Liebhaber wäre es so ein Kinderspiel, für die Ex ein Profil anzulegen, dieses mit hässlichen Bildern zu versehen und fremdenfeindliche Kommentare darunter zu schreiben. Sieht ein Personalverantwortlicher solche Einträge bei yasni, wird er es sich wohl zweimal überlegen, ob er die Person einstellen will.

«Wir kontrollieren jedes hochgeladene Bild», versichert Rühl. Zur Überprüfung hat 20 Minuten Online in ein fiktives Profil ein Nacktfoto hochgeladen. Es war auch nach mehreren Tagen immer noch nicht gelöscht worden. Denn Yasni wird laut Rühl erst aktiv, wenn sich ein Nutzer beschwert. Dann wird das Profil zwei Wochen lang gesperrt und der Ersteller bekommt eine E-Mail, in der er aufgefordert wird, sich zur Sache zu äussern. Tut er das nicht, wird das Profil gelöscht. «Das kam bislang aber nur alle paar Wochen mal vor», so Rühl.

Ego-Googeln liegt im Trend

Weil yasni aber von sich aus keine neuen Profile kontrolliert, bleibt Surfern zurzeit nichts anderes übrig, als sporadisch nachzuschauen, ob nicht jemand ihren Namen missbraucht. Hilfreich könnte sein, dass Ego-Googeln im Trend liegt: Laut einer Studie des Pew Internet and American Life Project haben 47 Prozent der Surfer schon mal ihren und 53 Prozent einen fremden Namen in eine Suchmaschine eingegeben. Daher müssen sich viele wahrscheinlich nicht dazu zwingen, hin und wieder nachzuschauen, wer was über einen im Netz verbreitet.

Wer es mit hartnäckigen Attacken zu tun hat, dem bieten Anzeigen auf yasni.ch professionelle, kostenpflichtige Hilfe an: So verspricht beispielsweise die Firma ReputationDefender, Opfern von Cyber-Mobbing zu helfen.