
Ganze Webseiten haben sich darauf spezialisiert, an ungeliebten Zeitgenossen digital Rache zu nehmen. Da werden anonym Lügen verbreitet, diffamierende Fotos wilder Partys oder heisser Nächte mit dem Ex-Freund hochgeladen und private Adressen publiziert. Die Mobbing-Opfer können sich dagegen nur schwer zur Wehr setzen.
Die Konsequenzen für die Betroffenen sind einschneidend. Bei Bewerbungen werfen solche Einträge ein denkbar schlechtes Licht auf den Kandidaten. Denn den Personalverantwortlichen, welche die Namen in der Regel googlen, bleiben die diffarmierenden Fotos nicht verborgen. Die Opfer von Cyber-Mobbing leiden aber auch unter erheblichen psychischen Folgen - teilweise mit tödlichem Ausgang. Im vergangenen Oktober wurde eine 13-jährige Amerikanerin mit gezielt im Internet verbreiteten Lügen von der Nachbarschaft regelrecht in den Selbstmord gehetzt.
Experte gibt Tipps
Martin Boess, Leiter der Schweizerischen Kriminalprävention, muss sich vermehrt mit gemeldeten Fällen von Cyber-Mobbing auseinandersetzen. Im Gespräch mit 20minuten.ch gibt der Experte Tipps, was man unternehmen kann, um nicht selber am digitalen Pranger zu landen.
20minuten.ch: Herr Boess, was kann präventiv unternommen werden, damit man nicht selbst Opfer von Cybermobbing wird?
Mich beunruhigt, dass viele Kinder und Jugendliche zu sorglos mit Ihren Fotos im Internet und auf dem Handy umgehen resp. diese verschicken. Dies beinhaltet ein grosses Potenzial, um Cyberbullying zu betreiben. Kinder und Jugendliche sollten vor allem im Internet-Chat vorsichtig sein. Dazu haben wir Chat-Regeln (siehe Infobox) entwickelt, die wir allen Chattern empfehlen.
Was raten Sie den Opfern?
Opfer können sich jederzeit mit ihren Eltern an die kantonale Opferhilfestelle wenden. Dies sollte der erste Kontakt sein. Mit der OH-Stelle kann auch eine Anzeige bei der Polizei ins Auge gefasst werden. Kinder und Jugendliche können sich anonym beim Jugendtelefon Nr. 147 der pro juventute melden. Die Beratung erfolgt professionell und gratis.
Eltern, die sich zum Thema informieren möchten, können dies entweder auf unserer Webseite www.stopp-kinderpornografie.ch tun oder beim nationalen Bündnis gegen sexuelle Gewalt an Kindern unter www.schau-hin.ch.
Sie sprechen von einer starken Zunahme in der Schweiz, gibt es ungefähre Zahlen dazu?
Leider gibt es keine statistischen Daten bezüglich der Fälle von Cyberbullying in der Schweiz. Ich spreche von den direkten Rückmeldungen der kantonalen Polizeikorps, die aber nicht unter diesem Stichwort Eingang in die Statistik finden. Wir beachten einen Anstieg der beobachteten Fälle, seit sich die Polizei mit ihrer Kampagne «Stopp Kinderpornografie im Internet» auch konkret mit diesem Thema befasst, also seit 2004. Die Probleme beim Mobbying, das man schon lange kennt, haben sich verstärkt ins Internet verlagert.
Gibt es «typische» Opfer?
Das «typische Opfer» gibt es nicht, es sind Mädchen und Jungs davon betroffen. Jungs kennen leider oft keine Möglichkeit, um sich mit ihren Eltern oder Freunden über das Problem auszutauschen und bleiben mit Ihrem Problem alleine.
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