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Gefährliche Trojaner
15. Oktober 2011 10:39; Akt: 15.10.2011 12:18 Print
«Wenige Sekunden genügen»
von Daniel Schurter - Der Computer-Experte Marc Ruef bezeichnet die umstrittene deutsche Schnüffel-Software als idiotisch. Im Interview lässt sich der ehemalige Hacker tief in die Karten blicken.

Computer-Systeme sind nur so gut, wie ihre schwächste Stelle. Marc Ruef sucht als professioneller «Penetrations-Tester» nach Lücken - und setzt dabei auch Trojaner ein. (Bild: Colourbox)
Herr Ruef, Sie decken im Auftrag von Dritten heikle Sicherheitslücken auf. Haben Sie auch schon einen Staatstrojaner entwickelt?
Marc Ruef: Dazu möchte ich nichts sagen. Ich äussere mich nicht öffentlich über allfällige Kundenbeziehungen.
Marc Ruef ist Computer-Sicherheitsexperte. (Bild: PD)
Zur Person: Marc Ruef
Der Schweizer Marc Ruef (30) beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Viren und Trojanern. Heute sucht der ehemalige Hacker im Auftrag der Zürcher Sicherheitsfirma Scip AG nach Schwachstellen in Computer-Systemen. Das Unternehmen bietet sogenannte Backdoor-Tests an: Dabei entwickeln die Spezialisten auch Trojaner und versuchen, in streng geschützte Rechner einzudringen. Im Bereich der Netzwerksicherheit hat er Hunderte Beiträge in Fachzeitschriften publiziert und mehrere Bücher verfasst, darunter Standardwerke wie «Hacking Intern» und «Die Kunst des Penetration Testing». (dsc) Staatstrojaner
Der Begriff Staatstrojaner oder Bundestrojaner bezeichnet eine Spionage-Software, die staatliche Behörden auf Computern von Verdächtigen installieren. Technisch funktioniert das Programm analog zu einem Trojaner, welcher mit krimineller Absicht installiert wird, um Zugriff auf einen fremden Computer zu erlangen. Je nach Aufbau kann ein solches Programm die auf dem Rechner gespeicherten Daten lesen, auf Mikrofon oder Webcam des Computers zugreifen, die Tastatureingabe protokollieren oder verschlüsselt übertragene Sprach- und E-Mail-Kommunikation überwachen. Die Installation einer solchen Spionage-Software muss heimlich und unter Umgehung allfälliger Antiviren-Software geschehen. (mdr)
Wer sind denn – allgemein gefragt - Ihre Kunden?
Wir beraten Schweizer Banken, Versicherungskonzerne und andere private Unternehmen, aber auch Staatsanwaltschaften.
Was wünschen die Kunden?
Wir bieten elektronische «Aufklärung» an. Es geht beispielsweise darum, im Auftrag einer Versicherung einen IV-Betrüger zu überführen.
Wie machen Sie das?
Etwa indem wir verräterische Bilder der fraglichen Person bei Facebook aufspüren.
Sie dringen in fremde Computer ein. Wo sind die Grenzen?
Rein technisch betrachtet, könnten wir praktisch alle Dinge herausholen. Aber rechtlich geht das natürlich nicht. Damit würden wir gegen das Gesetz verstossen. Ich kann aber gut verstehen, dass sich die Strafverfolgungsbehörden ein solches Instrument wünschen.
Zurzeit wird heftig über staatliche Schnüffel-Programmen diskutiert. Wie ist Ihre persönliche Meinung?
Ich finde die öffentliche Diskussion sehr wichtig. Den Älteren ist die Fichen-Affäre in Erinnerung. Es scheint aber, dass sich die heutige Facebook-Generation nicht dafür interessiert. Aber eigentlich dürfte so etwas in einem Rechtsstaat nicht passieren.
Was ist daran problematisch?
Wenn ein Trojaner auf einem Rechner installiert wird, ist das ein invasiver Eingriff. Das heisst, Sie müssen etwas im Computer-System verändern, um es zu kontrollieren. In der Forensik (Spurensicherung, Anmerk. d. Red.) ist aber gerade entscheidend, dass die Beweismittel nicht verändert, also manipuliert wurden. Ausserdem ist nicht klar, was durch den Trojaner alles erfasst wird.
Wie meinen Sie das?
Wir entwickeln ja selber Trojaner, um die Sicherheitssysteme unserer Auftraggeber zu überprüfen. Bei solchen Backdoor-Tests dürfen wir aber keine privaten Dinge herausholen. Es dürfen verständlicherweise keine persönlichen Mails der Mitarbeiter mitgelesen werden – obwohl auch solche Informationen vom Trojaner erfasst werden.
Wie schaffen Sie es, in ein fremdes System einzudringen?
Es gibt unzählige Möglichkeiten. Der einfachste und unkomplizierteste Weg ist aber nicht zwingend der sinnvollste. Wenn Sie der Zielperson eine manipulierte E-Mail senden und der Trojaner wird entdeckt, dann wird es schwierig. Gerade bei Leuten mit einer berufsbedingten Paranoia empfiehlt sich ein anderes Angriffszenario.
Verraten Sie uns einen entsprechenden Trick?
Wir verschicken zum Beispiel eine CD-ROM, die ein harmloses Gewinnspiel enthält. Die Zielperson macht dann bei einem Wettbewerb mit und beantwortet am Computer drei Quiz-Fragen. Im Hintergrund wird derweil ein Späh-Programm installiert.
Das klingt nach viel Aufwand.
Ein solches Vorgehen lohnt sich in der Regel nur bei mehreren Zielpersonen. Der Aufwand steigt exponentiell an – das Gewinnspiel muss ja absolut professionell wirken. Diese Angriffsmethode hat aber auch ihre Tücken.
In welcher Hinsicht?
Stellen Sie sich vor, die Zielperson gibt die CD mit dem Wettbewerb ahnungslos an einen Kollegen weiter. Dann wird der Trojaner ungewollt auf einem weiteren Rechner installiert.
Was können Sie dagegen tun?
Wir programmieren entsprechende Schutzmechanismen. So prüft der Trojaner beispielsweise anhand des Benutzernamens, ob es sich wirklich um einen Mitarbeiter des Unternehmens handelt, das wir ausspionieren sollen.
Können Sie in jedes System eindringen?
Grundsätzlich ist jedes System angreifbar. Das ist eine Frage des Aufwands – und damit der Kosten. Im Prinzip lässt sich auch eine Dreambox oder ein Smartphone ausspionieren.
Auch das iPhone?
Auch ein iPhone kann mit einem Trojaner infiziert werden – das ist allerdings sehr aufwändig und komplex. Es braucht schätzungsweise 40 Manntage, bis eine solche Software reibungslos funktioniert. Das heisst, wenn man eine Lösung von Null auf programmieren würde. Mit unseren bestehenden Produkten sind Anpassungen in ein paar Stunden oder Tagen möglich.
Was halten Sie vom deutschen «Bundestrojaner», der auch in die Schweiz verkauft wurde?
Schon der Chaos Computer Club hat das Produkt ja als sehr bedenklich beurteilt bezüglich Funktionsweise und Sicherheit. So etwas würde bei uns nie zum Einsatz kommen.
Warum?
Offenbar wurden die Daten, die bei den Opfern herausgeholt wurden, unverschlüsselt übers Internet gesendet. Das ist absolut fahrlässig, ja idiotisch.
Der Computer eines Betroffenen wurde am Flughafen während einer angeblichen Routinekontrolle infiziert. Was halten Sie davon?
Der physische Zugriff auf ein Gerät erleichtert die Sache natürlich. Um einen Trojaner zu platzieren, braucht es im Idealfall wenige Sekunden. Wenn die Festplatte nicht verschlüsselt ist und keine Login-Abfrage vorhanden ist, genügt eine Exe-Datei, die blitzschnell via USB-Port installiert wird.
Wie schützen Sie sich – und Ihre Geräte?
Ich halte mich an die bekannten Vorsichtsmassnahmen. Was ich nicht brauche und nicht kenne, klicke ich nicht an. Meinen Laptop lasse ich unterwegs nicht aus den Augen – sobald jemand unbemerkt darauf zugreifen kann, ist er kompromittiert.
Müssen Sie nicht befürchten, dass früher oder später alles ans Licht kommt?
Unsere Firma bietet seit 2004 die sogenannten Backdoor-Tests an. Bislang ist noch kein einziges Schnüffel-Tool an Dritte weitergegeben worden. Wir wissen uns zu schützen.
Wie häufig werden solche Schnüffel-Aufträge erteilt?
Sehr regelmässig. Wir haben ungefähr ein neues Projekt pro Woche.
Sind Sie auch im Ausland tätig?
Ja. Wir konzentrieren uns aber auf den Schweizer Markt.
Warum werden die Trojaner eigentlich nicht von gängiger Antivirus-Software erkannt?
Klassische Antiviren-Lösungen erkennen bösartigen Programmcode anhand konkreter Muster. Damit ein Muster erkannt werden kann, muss es dem Antiviren-Hersteller bekannt sein. Solange ein trojanisches Pferd also nicht einem Antiviren-Hersteller zur Analyse bereitgestellt wurde, kann er es auch nicht erkennen.
Diesen Einschränkung werden heuristische Mechanismen entgegengehalten. Hierbei wird das Verhalten einer Anwendung auf verdächtige Aktionen hin untersucht. Dieser Mechanismus ist jedoch sehr komplex, erfordert ein Mehr an Ressourcen und neigt zu Falschmeldungen. Deshalb wird er gerne aussen vor gelassen.
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Alle 85 Kommentare

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Wie bei echten Viren!
Die heutigen Viren und auch teilweise Trojaner, haben wie ihre echten Namensgeber meistens einen "Stamm". Ist dieser mal ermittelt, fällt es relativ einfach, Viren und Trojaner zu finden. Für Ottonormalverbraucher reichen heutige Scanner durchaus, eine Firewall und fertig. Grundsätzlich kann man alles hacken und infizieren, es gibt keinen 100 Prozent Schutz, schliesslich kommuniziert der Computer mit dem Netz usw. Es bleibt ein gewisses Risiko vorhanden.
Sicher
Einfach alles Fragwürdige in einer VM öffnen und gut is ;) Wenn es ein Virus entählt kann man den suchen und herausfinden was dieser genau macht. Und wenn man dass nicht möchte einfach die VM löschen und eine Neue Starten.
Bin kein Profi.
Was ist ein VW?
VM nicht VW
VM ist eine virtuelle Maschine, die in einem eigenen Bereich läuft und nicht auf die anderen Bereiche des Computers zugreifen kann
Na klar
Hey normalo, Dies kann man wirklich von den heutigen Usern erwarten? Ich denke nicht! Schonmal ne VM auf nem Netbook ausprobiert? Tjaja, die Leistung sollte schon stimmen.
Schwachsinn.
Doch kann sie. Wie willst du den Virus auf die VM bringen ohne den HW-Computer zu infizieren? Viel Spass..
Nix Schwachsinn
Marc Ruef, natürlich klappt das wunderbar ohne lokalen PC zu infizieren.
Sicherheitsexperte?
@mark ruef: ich hoffe nicht, dass du der sicherheitsexperte bist von oben sonst gut nacht. Du weisst nicht wie man einen Virus/trojaner vom Hauptclient auf die VM Machine bekommt? Sorry aber wenn du der von oben bist hast du keine Ahnung wenn du sowas schreibst.
es geht besser
Die CD geschichte ist herzergreifend. Aber natürlich gibt es einfacheres. 3 Beispiele die mir alle so zur verfügung stehen: stichwort konvertieren von binary code in base64 und das ganze dann via applet oder macro oder javascript im PDF beim endbenutzer (ohne notwendige schwachstelle) zur ausführung bringen und die daten entweder via http oder dns tunneling raus senden. Funktioniert ganz prächtig auch mit FW/AV/letzten updates und nicht nur bei DAU.
Die Schwachstelle ...
heisst in dem Fall Adobe Reader. Schwachsinnig, darin auführbaren Code zu erlauben.