Proteste

13. April 2011 17:07; Akt: 14.04.2011 08:24 Print

Will Anonymous die Sony-Läden stürmen?

von Daniel Schurter - Das Hacker-Kollektiv Anonymous trägt den «Krieg gegen Sony» auf die Strasse. Am Samstag sollen weltweit Proteste stattfinden. Als «Ziel» werden auch Läden in der Schweiz genannt. Sony beschwichtigt.

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Anonymous nimmt Sony-Einrichtungen rund um den Globus ins Visier. Welche Geschäfte in der Schweiz betroffen sein könnten, ist offen. (Bildmontage: 20 Minuten Online)

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Anonymous will den Kampf gegen einen der weltweit grössten Unterhaltungskonzerne in die reale Welt verlagern. «Am 16. April tragen wir die Proteste gegen Sony auf die Strasse», heisst es in einer Mitteilung auf anonnews.org. Die Website gilt als Kommunikationsplattform des Hacker-Kollektivs. Laut Mitteilung planen Mitglieder der Gruppe, am Samstag mit Protestaktionen für Aufsehen zu sorgen. Ganztägig und rund um den Globus sollen Geschäfte oder andere Einrichtungen von Sony «besucht» werden, um dort gegen das Unternehmen zu protestieren.

Sony nimmt Stellung

Gegenüber 20 Minuten Online nimmt eine Sprecherin von Sony Europa Stellung. Sie bestätigt, dass es nebst mehreren Angriffen auf verschiedene Sony-Webseiten auch den Aufruf zu einem «weltweiten Protest vor und in Sony Stores» gebe. «Dass hier auch die Schweiz oder Ladengeschäfte ausserhalb von Städten im Fokus der Aktivisten stehen, ist eher unwahrscheinlich, aber nicht völlig auszuschliessen.»

Sony steht wegen der rechtlichen Schritte gegen George Hotz und andere Playstation-Hacker in der Kritik. Trotz der kürzlich erfolgten aussergerichtlichen Einigung will Anonymous die Operation gegen Sony weiterführen. «Wir ermutigen alle, zu einem nahegelegenen Sony-Laden zu kommen und unsere Sache zu unterstützen», heisst es.

Wenn nötig Polizei rufen

Der Anonymous-Aufruf im Internet richtet sich ausdrücklich auch an Personen, die nicht zum Hacker-Kollektiv gehören. Bei der Aktion gehe es um die Rechte aller Konsumenten, argumentieren die unbekannten Drahtzieher. «Lasst uns Sony zeigen, dass alle Informationen frei sind und dass wir die Dinge besitzen, die wir gekauft haben - jetzt und für immer.»

Sony Europe schätzt das Risiko eines Vorfalls hierzulande als «sehr gering» ein. Trotzdem empfiehlt man den Partnerfirmen, am Samstag wachsam zu sein. Insbesondere solle man auf Menschenansammlungen vor den Geschäften achten. «Grundsätzlich besteht kein Grund zu übertriebener Besorgnis oder Überreaktion.» Sollte die Situation dennoch in irgendeiner Form als bedrohlich empfunden werden, solle man die Polizei verständigen.

Gegen Scientology, für Assange

Es wäre nicht das erste Mal, dass Anonymous auf die Strasse geht. In der Vergangenheit sorgten maskierte Anonymous-Mitglieder vor allem mit Aktionen gegen Scientology für Aufsehen. Zuletzt wurde aber auch öffentlich gegen die Verhaftung des Wikileaks-Gründers Julian Assange demonstriert. In der Regel tragen die Aktivisten dabei «Guy Fawkes»-Masken - in Anlehnung an die gleichnamige historische Figur aus England beziehungsweise den Hollywoodfilm «V for Vendetta».

Tatsächlich ruft Anonymous die Protestierenden auf, die Gesichter mit Masken zu bedecken. Dabei wird auch auf ein mögliches Vermummungsverbot für Demonstranten hingewiesen, das je nach Land gelten könnte. Ausserdem solle man sich vor «Saboteuren» in Acht nehmen, seien dies Polizisten, Sicherheitsleute oder Mitarbeiter von Sony. Schliesslich werden die Aktivisten aufgefordert, sich vorgängig im Internet abzusprechen und für alle Fälle die Telefonnummer eines Rechtsanwalts bereit zu halten.

Facebook-Gruppe gegründet

Auf Facebook ist unter dem Pseudonym «John Smith» eine Gruppe namens Operation Sony ins Leben gerufen worden. Deren Inhalt dreht sich um die samstägliche Anonymous-Aktion. Bislang haben über 3100 Personen zugesagt, daran teilzunehmen. Ob die Facebook-Gruppe tatsächlich von Anonymous-Aktivisten gegründet wurde, muss zumindest bezweifelt werden. Es könnte sich auch um Sympathisanten handeln, die ihr Vorgehen nicht mit dem Internet-Kollektiv abgestimmt haben.

Auf jeden Fall werden auf der Facebook-Seite Informationen zu Sony-Läden in aller Welt aufgelistet - darunter ist auch ein Link zu den acht Sony Centern in der Schweiz. Diese Fachgeschäfte sind laut Homepage in Bern, Bern-Belp, Lausanne, Luzern, Wil SG, Vevey, Zug und Zürich beheimatet. Sony-Produkte werden aber auch in zahlreichen anderen Shops in allen Landesteilen verkauft.

Bei einem der Sony-Fachgeschäfte zeigt man sich auf Anfrage von 20 Minuten Online erstaunt. Er habe nicht von der im Internet angekündigten Protestaktion gewusst, sagt der Geschäftsführer und fragt: «Müssen wir uns jetzt bewaffnen?» Und als er von 20 Minuten Online erfährt, dass die Proteste wegen Sonys rigidem Vorgehen gegen die PS3-Hacker drohen, wundert er sich: «Wir verkaufen die PlayStation gar nicht.»

Sony Europe lässt gegenüber 20 Minuten Online verlauten, dass inzwischen alle Partnerfirmen schriftlich informiert wurden.