Vor dem Marktstart

04. September 2009 08:47; Akt: 07.09.2009 10:09 Print

Wie schnell ist «Windows 7»?

von Henning Steier - In sieben Wochen wird Microsofts neues Betriebssystem hierzulande offiziell erhältlich sein. Die Preise für die Vollversion beginnen bei 309 Franken. Im Kurz-Test hat 20 Minuten Online ausprobiert, wie viel Speed man dafür bekommt.

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Microsofts Chef Steve Ballmer (links) und und Windows-Chef Steven Sinofsky bei einer Präsentation des neuen Betriebssystems im Juli 2009 in Atlanta

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Am 22. Oktober wird Microsoft auf der offiziellen Launch-Party in New York den Start seines neuen Betriebssystems feiern. Dieses Fest scheint den Redmondern aber nicht zu reichen. Denn wie techflash.com erfahren haben will, soll der IT-Konzern bald tausende Partner, Entwickler und Angestellte auffordern, eigene Events zu veranstalten. Wer sich bei Microsoft als Gastgeber bewirbt und akzeptiert wird, soll eine Version von «Windows 7 Ultimate» erhalten.

Obwohl 20 Minuten Online keine Party zu Ehren des neuen Betriebssystems veranstalten wird, bekamen wir von Microsoft eine DVD mit der finalen Verkaufsversion von «Windows 7 Ultimate» zugeschickt und haben sie sogleich auf unserem Testrechner, einem HP-Notebook, installiert. Es hat unter anderem zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, eine 160-Gigabyte-Festplatte und einen mit zwei Gigahertz getakteten Prozessor vom Typ «Intel Core 2 Duo T8300». Damit handelt es sich also um einen älteren Rechner. Aber genau für solche soll sich «Windows 7» im Gegensatz zum Ressourcen fressenden Vorgänger «Vista» bekanntlich eignen.

Seltener an die Dose

Microsoft zeigte kürzlich in Las Vegas, dass ein Notebook nach dem Upgrade von «Vista» bis zu einem Fünftel weniger Strom verbrauchen soll. Dazu wurde auf zwei gleichen Lenovo-Rechnern eine DVD abgespielt. Im Test von 20 Minuten Online wurde nach Installation von «Windows 7» allerdings nur etwa zehn Prozent weniger Strom verbraucht, was aber in Ordnung geht, weil Microsoft diesen Wert als Untergrenze nannte. Dafür wurde die Zeit, welcher der Laptop zum Hochfahren benötigt, im Vergleich zu «Vista» in fünf Versuchen durchschnittlich um 15 Prozent verkürzt.

In der Regel wird Software wie das auch als einmal lauffähige Gratis-Version erhältliche Benchmark-Tool «PCMark Vantage» von Futuremark dazu benutzt, um die Performance eines Rechners samt Betriebssystem zu messen. Grob verkürzt, simuliert das Programm verschiedene Prozesse und man erhält am Ende eine Zahl, welcher man mit anderen Werten vergleichen kann. 20 Minuten Online wählte für seinen Kurz-Test aber einen anderen Weg - ohne Hilfsmittel: Neben den erwähnten Standardmesswerten für Akkulaufzeit und Boot-Vorgang wollten wir wissen, wie sich derselbe Rechner jeweils mit «Vista» und «Windows 7» bei der Bewältigung folgender Alltagsaufgaben schlägt: Deinstallieren dreier Programme mit jeweils etwa 30 Megabyte, Kompression von drei Musikalben zu je 100 Megabyte, Kopieren von jeweils 1000 Dateien mit einer Durchschnittsgrösse von fünf Megabyte sowie die Umwandlung von zehn im Schnitt 40 Megabyte umfassenden WAV-Songs ins MP3-Format.

Sieger ohne Triumph

Im Ergebnis schlug «Windows 7» seinen Vorgänger zwar; im Einzelnen ergaben sich Zeiteinsparungen von 30, 13, 14 und 13 Prozent. Insgesamt hatten wir uns aber deutlichere Performance-Sprünge erhofft. Zu beachten ist, dass dieser Testaufbau natürlich nur eine kurze Wasserstandsmeldung abgeben kann, da Rechner genauso verschieden sind wie ihre Besitzer. Als Trendwerte taugen unsere aber allemal, weil typische Aufgaben simuliert wurden.

Ein Ärgernis unseres Testrechners war, dass er im Arbeitsalltag immer wieder auch bei einfachen Programmen durch Trägheit auffiel und oft abstürzte. Nun mag der Vergleich hinken, da wir ihn nur etwa fünf Stunden mit «Windows 7» testeten, aber wir erlebten eine durchweg störungsfreie Performance aller Programme und keinen Absturz. Normalerweise hätten wir in diesem Zeitraum zwei davon registriert.

Die wichtigsten Veränderungen des siebten Windows im Vergleich zur Vorgängerversion sollen laut Microsoft bessere Erkennung und Nutzung angeschlossener Geräte, weniger Bestätigungsdialoge und leichtere Vernetzung des digitalen Heims sein. Aber schon beim kurzen Arbeiten mit «Windows 7» fielen Neuerungen in der Navigation auf, die so naheliegend sind, dass man sich fragt, warum Microsoft sie nicht schon viel eher eingeführt hat. Beispielsweise reicht es nun, ein Fenster mit der Maus an den oberen Rand des Bildschirms zu verschieben, um es zu maximieren. Auch praktisch: Die nun deutlich grösseren Programm-Icons in der Taskleiste lassen sich nun besser nutzen: Wer mit dem Cursor über sie fährt, sieht zum Beispiel beim Internet Explorer die geöffneten Browser-Fenster als Miniatur-Vorschau. Mit dem Firefox klappte das allerdings nicht. Eine Zusammenstellung der zehn besten Funktionen, die «Windows 7» im Vergleich zu «Vista» mitbringt, lesen Sie demnächst bei 20 Minuten Online.