«Kim Dotcom» am Ende

21. Januar 2012 13:26; Akt: 23.01.2012 14:59 Print

Playboy, Hacker, Hochstapler

von Oliver Wietlisbach - Wilde Partys, schöne Frauen, schnelle Autos: Die Filesharing-Seite Megaupload machte Kim Schmitz steinreich. Nach seiner Verhaftung drohen dem dicken Grossmaul 20 Jahre Knast.

Bildstrecke im Grossformat »

Auf diesem 240 000 Quadratmeter grossen Anwesen in Neuseeland residierte der König der Filehoster.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bei Mister Megaupload ist seit gestern nichts mehr mega. In der Nähe von Coatesville, Neuseeland, umstellten am Freitag um 7 Uhr in der Früh 76 Polizisten das 240 000 Quadratmeter grosse Anwesen von Kim Schmitz alias «Kim Dotcom». Grund der Aktion: Auf seiner Filesharing-Seite tauschten bis am Donnerstag täglich rund 50 Millionen Menschen Dateien aus - längst nicht alle davon waren legal.

Umfrage
Haben Sie Megaupload auch schon für Downloads von urheberrechtlich geschützten Inhalten genutzt?
49 %
4 %
8 %
39 %
Insgesamt 4245 Teilnehmer

Der 38-jährige deutsch-finnische Gründer des populären Filesharing-Portals Megaupload.com wurde mit drei Kumpanen im Panikraum seines Chrisco Mansion festgenommen, mit 30 Millionen US-Dollar eine der teuersten Immobilien des Landes. Hinter der Verhaftung stehen die USA, die Schmitz und seinen Hintermännern für einen Schaden von 500 Millionen Dollar verantwortlich machen.

Der Filesharing-Unternehmer leistete heftigen Widerstand. Die Polizisten mussten den Panikraum aufschneiden. Dort fanden sie ihn mit einer abgesägten Schrotflinte vor. Ein Neuseeland-Urlauber bekam die Razzia per Zufall vor seine Kameralinse. Seine Fotos zeigen, wie luxuriös der Mitbegründer des millionenschweren Filesharing-Imperiums residierte. Auf den Bildern ist zu sehen, wie rund 20 Edelkarossen im Wert von sechs Millionen Dollar, darunter ein Maserati, Rolls Royce und mehrere Mercedes Benz, beschlagnahmt werden.

Mit der Inhaftierung nimmt die bizarre Karriere des zwei Meter grossen und 150 Kilo schweren Möchtegern-Hackers, Playboys und Hochstaplers ihr jähes Ende. Bei einer Verurteilung könnte Schmitz für bis zu 20 Jahre hinter Gitter wandern.

Alleine im Jahr 2010 scheffelte Schmitz mit dubiosen Geschäften 42 Millionen Dollar. Der Lebemann soll an 16 Tauschbörsen beteiligt gewesen sein. Anscheinend kontrollierte er neben den 68 Prozent an Megaupload.com 100 Prozent an Megavideo.com und Megaporn.com. Die Polizei sperrte Konten mit Guthaben über elf Millionen Dollar.

Schöne Frauen, schnelle Autos

Der Playboy der Computerszene ist schlau wie ein Fuchs und hat ein Ego wie ein Musikstar. Seine Luxuswagen zierten Nummernschilder mit nicht gerade unauffälligen Bezeichnungen wie «CEO», «MAFIA» oder «HACKER». Aber auch eine Portion Selbstironie muss man Schmitz zugestehen. Der Partytiger und Download-Pirat drehte auch mal eine Runde mit Nummernschildern wie «STONED» oder «GUILTY».

Schmitz Schwäche für schöne Frauen und Boliden ist legendär: Er nahm an einem illegalen Autorennen teil und feierte abgefahrene Partys. Bei einem Kurztrip mit seiner 15-köpfigen Entourage zum Formel-1-Rennen nach Monaco soll er einen Hubschrauber gemietet haben, damit ein Kamerateam die Ferraris, mit denen sie die Autobahnen unsicher machten, filmen konnte.

Zu seinen Freunden, die auch im offiziellen Video zum Megaupload-Song auftraten, zählten bekannte US-Stars wie Alicia Keys, P. Diddy und Snoop Dogg. Zwischen all den Schönen und Reichen sieht man für wenige Sekunden einen übergewichtigen Deutschen in schwarzem Schlabberpullover: Kim Schmitz. Der «Mega Song» ist eine Lobeshymne auf den inzwischen von der US-Polizei dichtgemachten Filehoster Megaupload.

Ein Grossmaul macht Millionen

«Kim Dotcom», wie sich der selbsternannte Überhacker zuletzt nannte, war bereits in den 1990-Jahren Deutschlands Wunderkind der Dotcom-Branche. Er durfte bei Harald Schmidt auftreten und war aufgrund seines ausschweifenden Lebensstils der Darling der Medien.

Mit grossspurigen Ankündigungen hielt sich der Popstar der Tech-Szene im Gespräch. Noch bevor die Dotcom-Blase platzte, behauptete er, in die sichersten Computersysteme der Nasa und des Pentagons eindringen zu können und liess sich als genialer Hacker feiern. Auch eine Meldung, er habe das Kreditlimit des ehemaligen Bundeskanzlers von Deutschland, Helmut Kohl, mit einem Hack auf null gesetzt, zementierte sein Image als Überhacker. Beide Storys stellten sich später als falsch heraus.

Noch eine Episode aus dem Leben von Kim Schmitz gefällig? Nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 rief er eine eigene Anti-Terror-Truppe ins Leben und setzte zehn Millionen Dollar auf den Kopf Osama bin Ladens aus. Die von ihm gegründete Organisation «Young Intelligent Hackers Against Terrorism» konnte nie in die Computer der Taliban eindringen, wurde dafür selbst mehrfach zum Opfer von Hackern. Prahlen gehört zu Schmitz wie das Amen in die Kirche: «Ich bin klüger als Bill Gates. Ich werde einer der reichsten Männer der Welt», soll er einst gesagt haben.

Wegen Insiderhandel verurteilt

Seine Bauernschläue bewies Schmitz schon vor zehn Jahren, als er dem kriselnden Internethändler Letsbuyit.com 50 Millionen Euro versprach und damit für den grössten Tagesumsatz in der Geschichte der Frankfurter Börse gesorgt haben soll. So viel Geld hatte er nie besessen. Die Ankündigung liess den Kurs jedoch hochschnellen und der Hochstapler konnte seine Anteile gewinnbringend verkaufen.

Nach dieser Aktion setzte er sich nach Thailand ab. Dort kündigte Schmitz auf seiner Webseite seinen virtuellen Tod an. An seinem 28. Geburtstag wollte er live im Internet sterben und sein altes Leben hinter sich lassen. «Kim Kimble The First - Ruler of the Kimpire» sollte man ihn fortan nennen. Kurz darauf wurde er in einem Hotel in Bangkok gefasst und 2002 in Deutschland wegen Insiderhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Danach wurde es ruhig um «Dr. Kimble», bis das Tech-Portal gulli.com 2007 nachweisen konnte, dass die zentrale Figur hinter dem Filesharing-Portal Megaupload.com niemand anderes als Kim Schmitz ist.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Toni am 21.01.2012 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbarr

    Zenzur Pur! Die Mehrheit der Internetnutzer laden alle Filme und Musik bei Megaupload, und jetzt schauen alle nur zu wie er hinter Gitter kommt! Mio. Profitieren und einer muss drann glauben? Das ist nicht in Ordnung! Dann sollte Youtube & Co auch gesperrt werden. Definitiv! löscht das Internet, denn das Internet besteht nur aus Kopien!

  • Anton am 23.01.2012 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    So läuft's halt

    Natürlich wusste Schmitz, dass sein ganzes Geschäft eine extreme Grauzone ist. Dafür hat er riesen Gewinne erzielt. So läuft es eben. Eine hohe Rendite bedeutet immer auch ein hohes Risiko auf die eine oder andere Art. Er hat sich verspekuliert, zu hoch gepokert, oder wie man es auch nennen mag und bezahlt jetzt den Preis. Dafür konnte er ein Paar Jahre "high life" geniessen. Er ist nicht der erste dem das passiert.

  • Ricco am 21.01.2012 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Vorbild...

    Mein Vorbild...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stoeffel am 24.01.2012 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Megauploads Untergang 

    Kim ist schlichtwegs selber schuld: MU war einer der weniger OCH's der noch das Belohnungssytem führte (RS etc. haben es seit langem wieder abgeschafft resp. darauf verzichtet). MU hat sich im Gegensatz zu RS faktisch geweigert Kopien zu löschen (Links anstatt der Dateien gekillt) und zudem naja wer so damit angibt provoziert es ja. (siehe Anklage) Erschreckend ist die Tatsache,dass die Weltpolizei Amerika einfach so Server busten kann im Ausland... vorallem da nicht nur illegales vorhanden war sondern au h legalle Backups etc. Kleiner Vorgeschmack auf Sopa

  • BJcore am 24.01.2012 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Was haben die getan???

    Wiso sperren wir diese Menschen ein, die uns das Leben vereinfachten? Die uns noch ein bisschen Freiheit im Internet gegeben haben? Ich bin denen dankbar, egal in was für einem Luxus sie lebten, sie haben es sich verdient!!! Solange es jetzt noch Downloadplattformen gibt, gibts nur eines: Dowloaden so lange es noch geht, TAG und NACHT!!!

    • Lex am 26.01.2012 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Geht's noch?

      Was sollen denn solche Kommentare?

    einklappen einklappen
  • Marc am 23.01.2012 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Machte Kim illegales?

    Kim stellte wie auch Rapidshare (was übrigens eine Schweizer Firma ist) Dateien online zur Verfügung. Logisch, dass User auch urheberrechtlich geschütztes Material hochladen, oder? Auch bei Rapidshare ist das so. Doch die Filehoster weisen eindeutig darauf hin, das nicht legales Material nicht hochgeladen werden darf und der Uploader die Verantwortung über dieses Material trägt. Und ehrlich gesagt kann ich mir schlecht vorstellen, dass megaupload seine User nicht auch darauf aufmerksam machte. Warum also wurde Kim verhaftet?

  • Jing am 23.01.2012 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Schade, Schade. Hoffe all die anderen Betreiber bleiben. Aber Megaupload war die Nr. 1 unter kino.to und auch unter kinox.to. Sonst muss man halt wieder downloaden, wenns den Streams an den Kragen geht.

  • A.B. am 23.01.2012 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Einseitige Justiz

    Er hat nur das Portal zur Verfügung gestellt. Up und Downloads haben die Nutzer gemacht. Das ist wie wenn man einen Waffenhersteller des mehrfachen Mordes anzeigt. Also bitte: wenn schon, dann auch Waffenhersteller verurteilen.

    • David am 23.01.2012 14:06 Report Diesen Beitrag melden

      Einseitige Denkweise

      Er hat Leute dazu angestiftet, möglichst viel geschütztes Material hochzuladen, damit seine "Dienste" populärer werden und er einen Haufen Geld damit macht. Ist wie wenn der Waffenhersteller den Leuten sagt sie sollen möglichst viele Leute erschiessen, damit sie mehr Patronen verkaufen können. Schuld ist dann der, der schiesst oder eben das Zeug hochlädt.

    • Pascal am 23.01.2012 15:49 Report Diesen Beitrag melden

      Einseitiger Prozess

      Ich bin mir zimlich sicher man wird nirgens nachweisen können, das er jemals so eine Aussage getätigt hat oder das er es ihrgenwo auf seiner "Internetseite" so explizit geschrieben hat. Jedoch wird er sichererlich eine gewisse Zeit im Gefängniss absitzen müssen damit andere "ilegale" Filehoster davon abgeschreckt werden.

    • Ruedi M. am 23.01.2012 16:17 Report Diesen Beitrag melden

      Lesen, Überdenken

      Wenn du das so betrachtest wirst du grade von 20-Minuten dazu angestiftet, hier illegale Texte zu hinterlegen. Oder denkst du nicht eher, dass sein Dienst einfach missbraucht wurde? Wir haben die Seite geschäftlich benutzt und nun sind unsere Daten weg. Eigentlich sollten wir eine Sammelklage gegen das System einreichen.

    einklappen einklappen