«Bundes-Trojaner»

02. Mai 2011 11:34; Akt: 02.05.2011 11:40 Print

Polizei belauschte Terrorzelle

In Deutschland wurden erstmals mutmassliche Terroristen mit einem Trojaner überführt. Die Fahnder überwachten die Computer und hörten bei den Skype-Gesprächen mit.

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Die «Düsseldorfer Terrorzelle» wurde von der Polizei mit einem Trojaner bespitzelt. (Bild: Keystone)

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Die am Freitag von der Polizei hochgenommene «Düsseldorfer Terrorzelle» wurde zuvor mit einer heimlichen Online-Durchsuchung ausgespäht, berichtet das Tech-Portal heise.de. Im Zuge der Ermittlungen gegen drei mutmassliche Drahtzieher eines Terroranschlags in Deutschland setzte das Bundeskriminalamt (BKA) einen sogenannten Bundestrojaner ein. Der staatliche Trojaner erlaubte den Ermittlern den verdeckten Zugriff auf die Computer der Terroristen und das Belauschen von Telefongesprächen über das Internet.

Missbräuchliche Lauschangriffe befürchtet

In den abgehörten Konversationen sollen die drei den Bombenanschlag in Marokko «freudig begrüsst» und über die Vorbereitung eines Bombenexplosions-Tests gesprochen haben, wird BKA-Präsident Ziercke auf heise.de zitiert.

Beim Attentat in Marrakesch am Donnerstag wurden 16 Menschen getötet, darunter ein Schweizer. «Marrakesch hätte ein stimulierendes Ereignis sein können», mutmasste der BKA-Chef. Auch deshalb hätten sich die Fahnder zum unverzüglichen Eingreifen entschlossen, obwohl die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen gewesen seien.

Damit ist klar, dass die Polizei in Deutschland sogenannte «Remote Forensic Software» einsetzt um Terroristen, eventuell aber auch unschuldige Bürger, zu überwachen. Laut heise.de hatten die deutschen Behörden noch im letzten Jahr verkündet, dass das BKA bis dahin keine heimlichen Online-Durchsuchungen vorgenommen habe. Der Einsatz staatlicher Spionage-Software ist in Deutschland stark umstritten, da missbräuchliche Überwachungen von Bürgern befürchtet werden. Bereits 2007 wurde bekannt, dass ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes, der mit der Überwachung ausgesuchter Botschaften betraut war, seine technischen Möglichkeiten auch privat genutzt haben soll.

In der Schweiz sind Online-Durchsuchungen gesetzlich noch nicht geregelt. Der Bundesrat will den Lauschangriff im Netz - insbesondere bei der Überwachung der Internet-Telefonie und beim Instant Messaging - auf eine gesetzliche Basis stellen.

(owi)