Lovely-Faces.com

04. Februar 2011 11:40; Akt: 04.02.2011 14:09 Print

250 000 Facebook-Profile geklaut

Eine neue Dating-Site entpuppte sich als eigenwillige Kunstaktion, um Facebook zu schaden und die User zu provozieren. Dann schickte das soziale Netzwerk seine Anwälte los.

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Zwei Netzkünstler haben Hunderttausende von Facebook-Bildern entwendet - mit einem ungewöhnlichen Ziel.

Fehler gesehen?

Eine Million Facebook-Profile wollten Paolo Cirio und Alessandro Ludovico stehlen, sie mit Gesichtserkennungssoftware scannen und anschliessend auf einer Dating-Website veröffentlichen – sortiert nach charakteristischen Gesichtszügen.

Was nach einer verrückten Idee tönt, hat inzwischen ein jähes Ende gefunden. Die Website Lovely-Faces.com funktioniert nicht mehr. Facebook hat erwartungsgemäss nicht den Humor gezeigt, den sich die Initianten des Projekts wohl gewünscht hätten. Das Social-Media-Unternehmen hat seine Anwälte auf den Fall angesetzt, wie wired.com berichtet. Wer gegen die Nutzungsbestimmungen verstosse, müsse mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, sagte ein ranghoher Facebook-Funktionär.

Die Initianten der Kunstaktion stammen aus Italien und sind zwei bekannte Netzaktivisten. Sie wollten auf den problematischen Datenschutz in sozialen Netzwerken hinweisen. Auf einer eigenen Website informieren die beiden detailliert über das Projekt und ihre Beweggründe. Facebook sei eine Goldgrube für den Diebstahl von virtuellen Identitäten und für die Vorspiegelung falscher Tatsachen – ohne dass die User etwas dagegen tun könnten. Weiter spekuliert das Duo, dass sich nur genügend Leute auflehnen müssten, dann werde der Wert solcher Social-Media-Unternehmen sinken.

Nicht die erste Aktion

Bei früheren Kunstaktionen hatten die beiden Aktivisten Google und Amazon ins Visier genommen. Es ist nicht der erste Versuch, Millionen von Facebook-Profilen zu entwenden. Letztes Jahr verbreitete ein Forscher eine 2,8 Gigybyte grosse Datei mit 100 Millionen Facebook-Profile über das Filesharing-Netzwerk Bittorrent, wie die New York Times berichtete.

Es ist anzumerken, dass nur öffentlich zugängliche Facebook-Profile zweckentfremdet wurden. Wer sich bei den Künstlern beschwerte, wurde von der Dating-Site entfernt.

Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, hatte sich in jungen Jahren mit einem ähnlichen Vorgehen einen Namen gemacht. Er veröffentlichte Fotos und Namen von Harvard-Studenten und entwarf ein umstrittenes Online-Bewertungssystem für die abgebildeten Personen.

(dsc)