Innovationen

19. Mai 2009 11:21; Akt: 19.05.2009 11:45 Print

Wurde Ihr Postfach gekapert?Wurde Ihr Postfach gekapert?

Bis zu 90 Prozent aller Nachrichten sind Müll-Mails, schätzen Experten. Forscher arbeiten an einer Technologie, die Nutzer warnen soll, falls sie unwissentlich unter die Spammer gegangen sind.

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Zuletzt machte Sanford Wallace im Mai 2008 Schlagzeilen, weil er MySpace 158,9 Millionen Dollar zahlen musste. Wallace hatte Spam-Mails über das soziale Netzwerk verschickt. Alan Ralsky wurde dank bis zu 70 Millionen Spam-Mails zum Multimillionär. Der Prozess gegen ihn läuft seit Januar 2008. 2006 wurde Christopher William Smith zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Straferhöhend kam hinzu, dass er in U-Haft plante, einen Killer auf einen Zeugen und dessen Familie anzusetzen. Scott Richter war zwar nie im Gefängnis, musste unter anderem aber Microsoft wegen des Versendens von Spam-Mails sieben Millionen Dollar zahlen. Bis zu 25 Millionen E-Mails verschickte Vardan Kushnir am Tag. 2005 wurde er von drei Frauen, die er in einer Moskauer Bar aufgelesen hatte, zu Tode geprügelt. Im März 2008 wurde Robert Alan Soloway zu 47 Monaten Haft verurteilt - nicht nur wegen Spam-Mails, sondern auch aufgrund von Steuerhinterziehung. Obwohl er laut Register of Known Spam Operations (ROKSO) immer noch zu den Top-200-Spammern weltweit gehört, nennt sich William Waggoner nun Experte für Netzwerke, Marketing und Online-Werbung. 21 Monate Knast bekam Edward Davidson im Juni 2007. Ende Juli 2008 brach er aus und tötete seine Freundin und die gemeinsame Tochter, ehe er Selbstmord beging. Jeremy Jaynes verdiente mit Spam bis zu 750 000 US-Dollar im Monat. Im November 2004 wurde er zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Kürzlich wurde er aber entlassen, weil der Virginia Supreme Court die Strafe als unverhältnismässig hoch ansah. Adam Vitale verschickte Müll-Mails an 1,3 Millionen AOL-E-Mail-Adressen. Er wurde zu im Sommer zu 30 Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 180 000 US-Dollar verurteilt.

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Laut einer Studie der Analysten von Ferris Research werden die weltweiten Kosten, die durch Spam-Nachrichten in diesem Jahr verursacht werden, bei umgerechnet rund zwei Milliarden Franken liegen. Daher arbeiten zahlreiche Forscher und Unternehmen mit Hochdruck daran, es den Postfächer verstopfenden E-Mail-Versendern so schwer wie möglich zu machen.

Wissenschaftler der Northwestern University nahe Chicago und Mitarbeiter von Yahoo Research in New York entwickeln zurzeit ein Tool, das Spam eindämmen soll, indem das Nutzerverhalten von E-Mail-Diensten analysiert wird. Dies berichtet die Zeitung «Chicago Tribune».

Tag- oder nachtaktiv?

So liessen sich in Versuchen mit Studenten die Verschicker elektronischer Post in zwei grosse Gruppen einteilen: Einerseits in jene, die ihre Nachrichten vor allem während der Arbeitszeit versenden und andererseits die Gruppe derjenigen, welche fast rund um die Uhr Mails losschicken und empfangen. Laut den Forschern wechselten nur 20 Prozent der Probanden binnen zwei Jahren in die andere Gruppe. Diese Erkenntnis können Anbieter wie Yahoo nutzen, indem sie zum Beispiel einen Postfachbesitzer bitten, einen neuen Account anzulegen, wenn über seinen nachts viel Post verschickt wurde, obwohl er sonst in der Regel nur tagsüber aktiv ist. Dies könnte nämlich ein Hinweis darauf sein, dass sein Postfach von Botnetzen gekapert wurde. Diese bestehen aus Rechnern, welche rund um den Globus oftmals ohne Wissen ihrer Besitzer aktiv sind und Spam verschicken. Mitglied eines solchen Netzwerkes können Computer beispielsweise werden, wenn ihr Nutzer versehentlich einen Trojaner ausführt. Wann die von den Forschern entwickelte Technologie eingesetzt werden wird, ist noch nicht bekannt.

Wer bislang am meisten mit Spam verdient hat, können Sie in der obigen Bildstrecke sehen.

(hst)