Neues Geschäftsmodell

13. April 2010 13:42; Akt: 13.04.2010 13:42 Print

Twitter wird zur Werbeschleuder

Die werbefreie Zeit beim Kurznachrichtendienst Twitter ist vorbei. Firmen können künftig auf sogenannten «Promoted Tweets» ihre Anzeigen schalten.

storybild

Twitter will neue Einnahmequellen erschliessen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ähnlich wie bei Google und Co. soll künftig bei der Suche nach bestimmten Themen die passende Werbung erscheinen. Zu den ersten Unternehmen, die ihre Produkte auf diese Art vermarkten, gehören die Kaffeehauskette Starbucks, der grösste US- Elektronikhändler Best Buy und die Fluggesellschaft Virgin America.

«Die Idee von 'Promoted Tweets' ist es, die Kommunikation auszuweiten, die Firmen ohnehin mit ihren Kunden auf Twitter haben», sagte der fürs Tagesgeschäft zuständige Twitter-Manager Dick Costolo am Dienstag der «New York Times». Über Twitter können Kurznachrichten in SMS-Länge verschickt werden. Starbucks etwa informiert hier über seine Aktionsangebote.

Auch viele Prominente lassen die Internet-Gemeinde über Twitter wissen, was sie gerade tun oder denken. Bislang finanziert sich das Unternehmen vor allem durch Lizenzgebühren von Google, Microsoft oder Yahoo, wenn diese Nachrichtenströme übernehmen. Weitere Details sollen im Rahmen der hauseigenen Entwicklerkonferenz Chirp (14- bis 15. April) mitgeteilt werden. Ob Twitter mit der geplanten Werbeoffensive nicht die User vergrault, wird sich zeigen.

Riesige Userschaft

Twitter existiert seit vier Jahren und hat nach Schätzungen von Marktforschern mittlerweile mehr als 22 Millionen Nutzer, Tendenz steigend. Im Februar hatte Twitter mitgeteilt, dass täglich etwa 50 Millionen Beiträge auf der Microblogging-Plattform veröffentlicht werden. Kürzlich präsentierten die Analysten von Sysomos eine eigene Studie auf Basis von rund einer Milliarde Tweets.

Demnach wurden Ende März bereits rund 53 Millionen 140-Zeichen-Nachrichten auf die Seite gestellt. Ein weiteres Ergebnis: 41,6 Prozent der Tweets wurden von Usern geschrieben, die seit mindestens neun Monaten dabei sind. Mitglieder, die maximal seit drei Monaten twittern, waren für 22 Prozent der Beiträge im März verantwortlich. Im Dezember 2009 hatten die Werte noch bei 26 beziehungsweise 21,8 Prozent gelegen. Eine weitere Erkenntnis für den Monat März: 15,9 Prozent der Tweets kamen von drei bis sechs und 20,5 von sechs bis neun Monate registrierten Usern.

Grob verkürzt: Nutzer testen Twitter zunächst ausgiebig, dann lässt ihre Aktivität nach, sechs Monate nach dem Start werden Fans der Seite wieder aktiver und nach neun Monaten kristallisieren sich die Veteranen heraus, für die Twitter zum unerlässlichen Kommunikations-Tool wird.

(sda/mbu)