Lebensretter

15. Februar 2012 15:01; Akt: 15.02.2012 15:58 Print

Notfall-App holt auch im Funkloch Hilfe

von Oliver Wietlisbach - Das Start-up-Unternehmen Uepaa tüftelt an einer Handy-App, die Wanderern und Skifahrern das Leben retten kann. Die neue Erfindung ruft sogar Hilfe, wenn kein Handynetz vorhanden ist.

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Die Rettungs-App Uepaa nutzt andere Handys in der Nähe als Relaisstation, um einen Notruf ohne Mobilfunknetz abzusetzen.

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Vor einem Jahr sorgte die iRega-App für Aufsehen unter Berggängern. Bis heute haben sich 360 000 Alpinisten den potenziellen Lebensretter auf ihr iPhone geladen. Die Rega-App, die kürzlich auch für Android-Handys lanciert worden ist, übermittelt bei einer Alarmierung direkt die Standortangaben des Anrufers an die Einsatzzentrale. «Über 170 scharfe Alarme wurden seither über die Applikation abgesetzt», gibt die Rega bekannt.

Die populäre Notfall-App hat allerdings zwei Schwachpunkte: Bei einer Bergwanderung ein Handy bei sich zu tragen verschafft zwar ein Gefühl der Sicherheit, auf das Handynetz verlassen kann man sich im Alpenraum aber nicht. Wer sich bei seinem Unfall in einem Funkloch befindet, darf sich trotz iRega kaum Hoffnung auf rasche Hilfe machen. Kommt hinzu: Ist ein Wanderer oder Skifahrer nach einem Sturz bewusstlos oder bewegungsunfähig, kann kein Notruf mehr abgesetzt werden.

Hier kommt der Rettungsengel des Schweizer Startup Uepaa ins Spiel. Das erst im Januar gegründete Unternehmen arbeitet an einem Bergrettungssystem mit Smartphones. Ein sogenanntes Ad-hoc-Netz soll über WLAN zwischen verschiedenen Handys aufgebaut werden, so dass Retter alarmiert werden können, selbst wenn keine Mobilfunkverbindung besteht. Die geplante Anwendung der Jungunternehmer soll künftig helfen, Menschen in den Bergen aufzuspüren, selbst wenn der Verunfallte bewusst- oder regungslos unter einem Schneebrett liegt.

So funktionierts

Für das Notfall-Netz nutzen die Jungunternehmer eine an der ETH entwickelte Technologie, die Handys untereinander kommunizieren lässt. Der 39-jährige Geschäftsführer Mathias Hausmann erklärt es mit einem Beispiel aus der Feuerwehr: «Ist der Wasserschlauch zu kurz, muss das Wasser im Eimern von Feuermann zu Feuermann weitergereicht werden.» Mit diesem Prinzip sollen auch die Notsignale über Handys von anderen Berggängern aus dem Funkloch ins Handynetz übertragen werden.

Stürzt ein Wanderer in die Tiefe oder wird ein Skifahrer unter einer Lawine verschüttet, registriert die App den Unfall und fragt zuerst den Handy-Besitzer, ob alles okay ist. Reagiert der Nutzer nicht, versucht die App – bevor die Rega-Helikopter starten – Personen im Umkreis zu alarmieren. Völlige Sicherheit gibt es aber auch mit Uepaa nicht. Ein Notruf aus dem Funkloch kann nur abgesetzt werden, wenn sich das Handy mit dem Mobiltelefon einer sich in der Nähe befindenden Person verbinden kann. Die Reichweite des WLAN-Signals betrage rund 300 Meter, sagt Haussmann.

Je mehr Wanderer oder Skifahrer die App installieren, desto feinmaschiger wird die Abdeckung des Uepaa-Netzes. Aus diesem Grund soll der App-Download auch gratis angeboten werden. Für die Benutzung fallen indes Gebühren an – zum Beispiel für einen Tagespass. Wer eine gefährliche Wanderung oder Abfahrt abseits der Pisten plant, kann die Überwachung durch die eigene Zentrale für eine bestimmte Zeitdauer aktivieren. Als Zielgruppe hat Haussmann, der selbst Freerider ist, den «gewöhnlichen» Wanderer und Skifahrer im Auge. Skitourenfahrer seien meist mit professionellen Rettungsgeräten ausgerüstet.

Geldgeber glauben an die Notfall-App

Ein zentrales Problem jedes Start-ups, die Startfinanzierung, haben die Jungunternehmer bereits gelöst. Investoren wie die Zürcher Kantonalbank oder die Privatinvestoren-Plattform «investiere» stellen 1,5 Millionen Franken Startkapital zur Verfügung. Auch die Rega konnte als Partnerin an Bord geholt werden: «Wir können natürlich keine eigene Bergrettung aufbauen», sagt Haussmann, bei der Rega sei man aber auf offene Ohren gestossen. Uepaa könnte es den Rettungspiloten erleichtern, Verunfallte präziser zu orten.

Momentan sucht das derzeit dreiköpfige Team weitere Mitarbeiter. «Wir haben noch kein fertiges Produkt», sagt Haussmann, «aber wir konnten in Feldtests zeigen, dass unsere Idee funktioniert.» Zur Marktreife soll Uepaa im Frühling 2013 gelangen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dieter F. am 15.02.2012 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber E-Kanal

    Neben der geringen Reichweite sind ja auch Batterien von Smartphone schnell leer vor allem wenn man WLAN aktiv hat. Und was ist, wenn man ganz 'normal' stürzt? Muss man dann jedes mal das Gerät kontrollieren ob es auf eine Reaktion von mir wartet? Da verlass ich mich lieber auf die Rega selber auf Ihrem E-Kanal (161.300Mhz). Das Gerät ist immer im Auto mit Ladegerät und nimmt im Rucksack/Tasche nicht viel Platz weg.

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  • Hanspeter am 15.02.2012 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Naja, das Laufenlassen des Apps ist sicher kostenlos. Nur das Freischalten für eine allfällige Alarmierung kostet etwas. Eine gute Idee, aber 300 m ist arg wenig, gerade im Freeridebereich... Ausserdem sollte man sowieso nie alleine unterwegs sein.

  • Test user am 15.02.2012 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Erfolg

    Die Idee ist ja nicht schlecht. Die Argumetkette von den Jung ist leider viel zu technisch ausgelegt. So eine App hat wohl nur Sinn, wenn Sie in der Firmware der Smartphones eingebaut wird und immer im Hitergrund läuft. Ein rein auf freiwilliger Basis aufbauendes Konzept scheint so nicht erfolgversprechend zu sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Remo Nussbaum am 16.02.2012 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Die Grund Idee ist gut aber habt ihr schon mal eine Wanderung im Hochgebirge unternommen? Man stellt fest das man da schrecklich wenig Menschen antrifft. Das App. Gratis laden für die Benutzung zahlen !? Passieren kann doch immer etwas ! 3 6 9 12 Mt. Abos wären da fairer! Wenns funktioniert. Ausbaubar und im Netzbereich sicher eine gute Hilfe.

  • root am 16.02.2012 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Theoretisch ja, praktisch naja

    Die Voraussetzungen sind wohl etwas hoch damit es funktioniert: alle 300m (sehr optimistisch, ich schätze höchstens 100m) einen Benutzer mit installierter und aktiver App sowie aktivem Wlan und das bis aus dem Funkloch. Die Idee der p2p Kommunikation ist eigenlich gut, in der Stadt wäre damit einfach Flächendeckendes Wlan machbar, in den Bergen eher schwierig. Von der Reichweite her wäre p2p GSM eher geeignet, technisch wohl machbar aber soweit ich weiss im GSM Modell nicht vorgesehen. Heutige Smartphones hätten damit wohl kein Problem und Funklöcher wären praktisch nicht mehr vorhanden.

  • Andrea am 16.02.2012 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tv Serie

    Das klingt nach Irgendwie nach Bones oder sonst einer amerikanischen Tv-Serie. Ich bin mal gespannt.

  • Ivan Huber am 16.02.2012 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergesst diese Lösung

    Wird niemals funktionieren. Bei Wanderungen ist man meistens alleine. Auf der Skipisten wäre die Chance bisschen grösser, so um 0,001%. Dann muss ja jeder noch das APP installiert haben. Würde das Projekt gleich löschen und an einer besseren Lösung tüfteln.

  • Elias Truttmann am 15.02.2012 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Klappt niemals

    Ihr könnts ja mal "ausprobieren". Bei der nächsten Wanderung in den Bergen zwischendurch nach vorhandenen WLANs scannen. Nada, nix, ausser vielleicht ein weiteres Smartphone in der Wandergruppe. Sorry, diese App ist eine Schnapsidee (im Gebirge).

    • tschäggschdepögg am 16.02.2012 02:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      sachte

      Jedes smartphone kann nicht nur ein w-lan signal empfangen sondern auch senden. So und jetzt artikel nochmals aufmerksam durchlesen bevor laut rumschreien

    • Pierre Lang am 16.02.2012 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      in der Theorie lauffähig

      Doch doch, ich denke in der Theorie ist das lauffähig, aber es bräuchte extrem viele, die mitmachen, sehr ausgeklügelte Programme, Akkus die ein wenig durchhalten und iPhones die sich nicht schon bei -5 Grad verabschieden. Vielleicht wird ja das iPhone 5 mal was brauchbares bringen. Der alte iBremsklotz ist ja jetzt nicht mehr da.

    • Reto Petitprince am 16.02.2012 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ad-Hoc nicht Infrastruktur

      Lesen, nachschlagen und dann nochmals kommentieren! Ad-Hoc Verbindungen sind nicht auf irgendwelche WLAN Hotspots angewiesen! Das wäre eine sog. Infrastruktur Verbindung. Die App nutzt via WLAN die mobile Abdeckung eines nahegelegenen weiteren Mobiltelefons. Ähnliches funktioniert bereits in Afrika in Gegenden ohne Internet Anschluss.

    • root am 16.02.2012 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      @tschäggschdepögg / Reto Petitprince

      tschäggschdepögg: Vonwegen rumschreien, auch wenn ein Smartphone senden und empfangen kann (ist wohl den meissten klar) braucht es trotzdem ein anderes Gerät in Reichweite das das Signal weiterleitet (Wlan muss auch dort aktiv sein). Reto Petitprince: Ob Ad-Hoc oder Infrastructur-Modus spielt keine Rolle, wenn das Wlan ausgeschaltet ist ists ausgeschaltet, was bei meinem Handy meisstens der Fall ist. Im Afrika-Beispiel sind das wohl fixe Stationen mit Stromanschluss, dann funktioniert das gut und mittels Richtstrahlantenne kann auch die Distanz auf ein vielfaches der 100m erhöht werden.

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