Eklat bei Foxconn

11. Januar 2012 15:28; Akt: 17.01.2012 13:25 Print

Angestellte drohen mit Massen-Suizid

Schäbige Löhne für schicke Produkte: Weil sich 300 Angestellte des chinesischen Apple-Zulieferers Foxconn ungerecht behandelt fühlten, drohten sie, kollektiv von einem Fabrikdach zu springen.

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Im vergangenen Mai protestierten Foxconn-Sympathisanten vor einem Geschäft eines Apple Premium Resellers in Hongkong.

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Der chinesische Computerzulieferer Foxconn kommt aus den Negativ-Schlagzeilen nicht raus: Vor gut einer Woche kam es auf dem Firmengelände in Wuhan zum Eklat, nachdem die Mitarbeiter eine Lohnerhöhung gefordert hatten, berichtet das IT-Newsportal zdnet.com. Foxconn stellt die iPads für Apple, die Xbox für Microsoft und andere technische Geräte her.

Mit ihrer Forderung stiessen die Fabrikarbeiter bei der Geschäftsleitung auf taube Ohren. Sie stellte die Angestellten vor die Wahl, bei gleichem Lohn weiter zu arbeiten oder zu kündigen. Allen, die sich für die zweite Option entschieden, wurde eine Abgangsentschädigung in Aussicht gestellt.

Doch keine Entschädigung

In der Folge entschlossen sich viele, das Unternehmen zu verlassen. Von der in Aussicht gestellten Entschädigung wollte die Chefetage aber plötzlich nichts mehr wissen.

Aus Protest versammelten sich am 2. Januar rund 300 Foxconn-Angestellte auf einem Fabrikdach und drohten, gemeinsam Suizid zu begehen. Die Produktion musste vorübergehend gestoppt und der Bürgermeister aufgeboten werden. Ihm gelang es am darauffolgenden Tag um 21 Uhr, die aufgebrachte Menge von ihrem Vorhaben abzubringen.

2010 wurden die Gehälter erhöht

Im Mai 2010 hatte Foxconn sechs Busladungen Journalisten durch sein riesiges Werksgelände in Shenzen karren lassen. Bei der Besichtigung bemühte sich der medienscheue Firmenchef Terry Gou persönlich, den Verdacht, dass die miserablen Arbeitsbedingungen seine Angestellten in den Tod trieben, zu entkräften. Wenige Stunden darauf sprang auch schon der nächste (20 Minuten Online berichtete).

Als Gegenmassnahme hatte Foxconn seinen Mitarbeitern eine Gehaltserhöhung von 20 Prozent in Aussicht gestellt. Das monatliche Grundgehalt in den chinesischen Fabriken von Foxconn, dem weltgrössten Hersteller von Elektronikteilen, lag damals bei rund 900 Yuan (rund 130 Franken).

Aufmarsch der Roboter

Terry Gou sagte im vergangenen August gegenüber «China Business News», dass in den nächsten drei Jahren die Anzahl Roboter von 10 000 auf eine Million erhöht werden soll. Die Absicht dahinter ist klar: Roboter sind einfacher zu führen und langfristig rentabler.

(mbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martina am 11.01.2012 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ach bitte....

    ja klar. und jetzt hacken alle wieder auf apple rum! seit doch nicht so naiv!!!! das läuft bei allen zuliefern etwa gleich. und apple ist auch nicht der einzige kunde von foxcon

  • MichaelZH am 11.01.2012 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Apple

    Nicht nur Apple wir d von Foxconn beliefert. Und was ist mit den ganzen andern Produkten aus China od. Asien Textilindustrie z.B ? Man kauft sich eine Designerfetzen, der dann made in China ist..... Toll !!!!

    einklappen einklappen
  • M. S am 11.01.2012 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Handys  

    Jetzt nehmt euch mal schnell die zeit und überlegt mal was ohne Foxconn wäre! 1. Keine schicke Handys 2. Bei den Computern haben die sicher auch ihre Hände im Spiel 3. Spielkonsolen sind meinem wissen nach auch elektronisch 4. Autos? Die haben auch Computer in sich Merkt ihr eigentlich das UNSER leben von Elektronik bestimmt wird, das wir ohne sie nicht leben können? Und da bin ich froh das ich all diese Dinge gebrauchen darf, klar ist es schlimm das die Löhne so tief sind, aber auf 6-7 iPhones mehr oder weniger kommt es nicht an

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mage am 14.01.2012 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die Realität

    Also wer glaubt wenn MS,Sony,Apple,Samsung und und und, Foxconn das doppelte für die Dienstleitung und die Produkte zahlen würde die Angestellten deshalb auch nur die kleinste Einheit der Landeswährung mehr Lohn bekämen, ist einfach naiv! währe den leuten zwar zu gönnen aber so funktionier die welt nicht... Ich finde es nicht gut aber so ist es nunmal!

  • Mister X am 14.01.2012 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    @all Apple fanboys

    Alle die jetzt sagen: "hackt nicht auf Apple rum" vergesst nicht vor 5 Jahren hiess es statt Apple Microsoft. Ab einer gewissen grösse kommen halt die "dunklen bösen" Geheimnisse hervor. Das was Apple heut zutage durchmacht, machte Microsoft vor 5 Jahren durch!

  • zu.kunft am 13.01.2012 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Die Latte liegt jetzt höher

    Mein lieber Schwan!! Da kommen andere Zeiten auf uns zu. Diese chinesische Arbeiter setzen auch hier die Latte neu und höher. Daggegen ist die bei uns übliche Androhung, geordnet über den Mittag im Sitzen zu Streiken (wird ja selten umgesetzt) gerade harmlos.

  • Oliver am 13.01.2012 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Suizidrate

    Schweiz: Jährlich 19 pro 100'000 Einwohner foxconn: Jährlich 13 pro 1'200'000 Angestellte Es ist also ~8 Mal wahrscheinlicher in der Schweiz einem Suizid zum Opfer zu fallen..noch fragen?

  • Flo am 13.01.2012 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem

    Den Arbeitern bei Foxconn geht es für chinesische Verhältnisse gut, das Problem ist, sie haben keine Zukunftsperspektive. Man wird nicht weitergebildet und macht sein Lebengang das Selbe. Dazu kommt noch, dass man von Shezen gleich auf Hong Kong rüber sieht, viele gehen zu Foxconn arbeiten in der Hoffnung einmal in HK einen Job zu bekommen und dem ist leider nicht so. Man muss aber auch noch sagen, Apple setzt vieleGeräte dort zusammen, weil die Inereien von Anderen Firmen kommen, die grösstenteils auch dort produzieren, was nicht heisst das es damit inordnung ist.