Webrecherche

20. Januar 2010 12:08; Akt: 21.01.2010 10:37 Print

Bing macht nicht alles nach

von Henning Steier - Microsofts Suchmaschine verbessert den Datenschutz und könnte zum Standard auf Apples iPhone werden. Daraus könnte eine neue Episode im schon länger andauernden Konkurrenzkampf des Apfel-Konzerns mit Google werden.

storybild

Microsoft: Ist bing bald die Standardsuchmaschine auf dem iPhone?

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im offiziellen bing-Blog hat Microsoft unlängst eine neue Funktion namens autosuggest angekündigt. Nicht nur von der Namensgebung erinnert sie an Googles Suggest. Die Suchmaschinen schlagen Nutzern während der Eingabe vor, was sie eintippen könnten. Wer also zum Beispiel «gol» eintippt, bekommt nahe gelegt, nach den Golden Globes zu suchen. «Mit diesen Vorschlägen sollen Recherchen schneller gehen. Denn Tests zeigen, dass rund 45 Prozent der Suchanfragen abgebrochen oder geändert werden», schrieben Kindra Mason und Robert Williams von Microsoft in ihrem Eintrag. Für die Vorschläge werden nicht nur alle 15 Minuten analysierte Eingaben anderer Nutzer, sondern auch Breaking News ausgewertet.

Anfang Dezember hatte Microsoft mit Streetside einen Dienst für bing Maps gestartet, der an Googles Panoramen-Angebot Street View erinnert, wie in der Bilderstrecke zu sehen ist. Nutzer können nun auch mit bing virtuelle Spaziergänge am Rechner unternehmen, was allerdings bislang nicht immer problemlos klappt, wie ein Kurz-Test von 20 Minuten Online ergab. Trotzdem hat die bing Maps Silverlight site nun den Beta-Status verlassen, wie es in einem Blogeintrag von Produktmanager Chris Pendleton heisst. Microsoft hat überdies zwei neue Funktionen für seinen Kartendienst präsentiert. Wer das Plugin Silverlight installiert hat und bing Maps besucht, kann nun dank der Funktion Destination Maps eigene Karten mit diversen Designs beispielsweise für Wegbeschreibungen kreieren. Das Tool Local Events präsentiert dem Nutzer örtliche Veranstaltungen - unter anderem in bekannten Hotels der Wüstenstadt Las Vegas. In Google Maps sucht man diese Funktion bislang vergeblich. Eigene Karten lassen sich damit allerdings bereits seit längerem erstellen.

IP-Adressen werden kürzer gespeichert

Bei der Echtzeitsuche hat Microsoft Google hingegen einiges voraus. Denn unter bing.com/twitter lassen sich bereits seit Mitte Oktober Tweets finden. Google testet Vergleichbares erst seit Mitte Dezember. Wenn es um die Speicherung von Nutzerdaten geht, orientiert sich Microsoft auch nicht an Google. Denn wie Peter Cullen, Chief Privacy Strategist des Unternehmens, in seinem Blog schreibt, sollen IP-Adressen der User in Zukunft nur noch sechs statt wie bisher 18 Monate gespeichert werden. Cross Session IDs und Cookies verbleiben weiterhin anderthalb Jahre auf den Servern der Redmonder. Microsoft reagiert damit auf Gespräche mit der Artikel-29-Datenschutzgruppe der Europäischen Union. Diese hatte im September 2008 Google dazu bewegt, IP-Adressen neun Monate lang aufzubewahren. Cookies speichert der Marktführer zwei Jahre. Microsoft will die neue Frist in den nächsten zwölf bis 18 Monaten einführen. Cullens im Blog vorgebrachte Argumente für eine Speicherung erinnern an jene von Google: Dank der Analyse von Trends bei Websuchen könne man den Nutzern bessere Ergebnisse liefern, sie vor Cyberkriminellen schützen und bing allgemein sicherer machen.

Nicht beim Datenschutz könnte bing zukünftig also verglichen mit Google die Nase vorn haben, wenn man einem Bericht des Magazins BusinessWeek glaubt. Demnach soll Microsoft bereits seit einigen Wochen mit Apple darüber verhandeln, den Branchen-Primus als Standardsuchmaschine auf dem iPhone abzulösen. Der Artikel beruft sich auf zwei nicht näher benannte Personen, die sich in den Unternehmen um die Angelegenheit kümmern sollen. Hintergrund ist, dass noch vor einigen Jahren nur Microsoft und Apple als Konkurrenten galten. Obwohl der Apfel-Konzern seit dem Wiedereinstieg von Steve Jobs Markanteile gewinnen konnte, wurde die Vormachtstellung von Windows bislang nicht ernsthaft gefährdet. Apple und Google sind ausserdem auf vielen Feldern zu ernsthaften Rivalen geworden. Zuletzt hatte Google mit dem Nexus One ein Smartphone vorgestellt, das erstmals direkt vom Suchmaschinenanbieter verkauft wird. Damit ist es neben dem freien Betriebssystem Android ein zweiter Weg, den Kunden beschreiten können, um in Googles mobile Welt zu gelangen. Hinzu kommt, dass mittlerweile etwa 20 000 Apps im Android Market erhältlich sind und er damit zur bislang einzigen ernsthaften Alternative zu Apples App Store geworden ist.

Wie 20 Minuten Online berichtete, hatte Apple im Sommer die Aufnahme der Applikation von Googles Ortungsdienst Latitude in den App Store abgelehnt. Google liess allerdings nicht lange auf sich warten und veröffentlichte seinen neuen Service kurzerhand als Web-Anwendung. Google Latitude zeigt Anwendern an, wo sich Freunde und Bekannte gerade befinden. Der Suchmaschinenanbieter teilte im offiziellen Mobile Blog mit, Apple habe beim Einstellen der Applikation verlangt, daraus einen Web-Service zu machen. Die Anwender würden den Dienst sonst mit der mitgelieferten Karten-Anwendung - die ebenfalls auf Google Maps basiert - verwechseln.

Konkurrenz für Googles Ortungsdienst

Laut der Webseite patentlyapple.com hat Apple mittlerweile ein Patent eingereicht, das an Google Latitude erinnert, denn dem Konzept zufolge können Nutzer auch mit diesem Tool anderen Usern mitteilen, wo sie sich gerade befinden. Passenderweise war im Oktober bekannt geworden, dass Apple bereits im Juli den Kartenanbieter PlaceBase übernommen hatte. Firmengründer Jaron Waldman wurde Chef eines Geo-Teams bei Apple. Computerworld-Blogger Seth Weintraub vermutete schon damals, dass Apple sich dank des Kartenmaterials von PlaceBase von Google Maps befreien will, welches das Unternehmen auf iPhone und iPod touch nutzt. Apple hat sich bislang nicht öffentlich zum Thema geäussert.

Ende Juli 20009 war bekannt geworden, dass Apple überdies die Applikation für Google Voice aus dem App Store entfernt hatte. Das Angebot ist in der Schweiz noch nicht verfügbar. US-Nutzer können über den webbasierten Dienst bereits unter anderem Gratis-SMS versenden und günstigere Gespräche führen als über etablierte Mobilfunkprovider. Ausserdem ist man über eine Nummer auf mehreren Geräten erreichbar. Apple begründete den Rauswurf damit, dass die Anwendung nur Funktionen biete, welche das iPhone längst habe. Daraufhin hatte Google-Chef Eric Schmidt Anfang August nach knapp drei Jahren Apples Aufsichtsrat verlassen. Schmidt würde sich aus vielen Teilen von Aufsichtsratssitzungen heraushalten müssen, um mögliche Interessenskonflikte zu vermeiden. «Darum haben wir gemeinsam entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für Eric ist, sein Amt im Apple-Verwaltungsrat niederzulegen», liess sich Apple-Chef Steve Jobs in einer Medienmitteilung zitieren.