Filesharing im Visier

23. Januar 2012 23:47; Akt: 23.01.2012 23:48 Print

Jetzt zittern auch RapidShare und Co.

von Daniel Schurter - Der Schlag des FBI gegen das Megaupload-Netzwerk war enorm. Entsprechend gross ist nun auch die Aufregung - sowohl bei den Nutzern, als auch bei anderen Plattform-Betreibern.

storybild

Vereinzelte schwarze Schafe oder ein systembedingtes Problem? Die Anbieter von Online-Speicherplatz wehren sich gegen Piraterie-Vorwürfe. (Bild: Colourbox)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Kim Schmitz und sein Mega-Imperium sind am Ende. Oder doch nicht? Tatsächlich lag der vom FBI verhaftete Dotcom-Tausendsassa auch schon früher am Boden – und kehrte mit einer umso raffinierteren «Geschäftsidee» zurück.

Wegen des aktuellen Business-Modells drohen ihm und den Mitangeklagten langjährige Gefängnisstrafen. Die US-Ermittler sprechen von einer Mega-Verschwörung und werfen ihnen vor, eine weltweite kriminelle Organisation betrieben zu haben, um illegale Kopien von Filmen, TV-Serien, Musiktiteln, E-Books, Bildern, Games und anderer Software zu verbreiten.

Populäre Plattformen sind betroffen

Die Online-Kommentare nach der Schliessung von Megaupload und zahlreicher Schwester-Plattformen fallen heftig aus. Viele Nutzer äussern sich enttäuscht. «Schade, das war wirklich eine geniale Seite, vor allem Megavideo», kommentiert ein Leser von 20 Minuten Online.

Der FBI-Schlag gegen das Mega-Imperium macht sich speziell auch bei den populären Streaming-Plattformen bemerkbar, über die man neueste Filme und TV-Serien abrufen und im Browser-Fenster anschauen kann. Ein Nutzer schreibt: «Jetzt geht fast nichts mehr auf kinox.to oder burning-series.to.»

Viele fragen sich, ob es auch anderen Filesharing-Plattformen an den Kragen geht. Die Nervosität aufseiten der Anbieter ist offenbar gross. Gemäss US-Medienberichten haben zwei andere bekannte Firmen ihre Dienstleistungen bereits freiwillig eingeschränkt. Bei Filesonic ist das Teilen von Dateien ganz ausser Betrieb gesetzt worden, bei Uploaded.to werden alle US-Nutzer blockiert.

Ist RapidShare dran?

Im Netz wird spekuliert, dass weitere Filesharing-Anbieter folgen werden. Ein Name, der in den Online-Kommentaren zum Thema häufiger fällt, ist RapidShare. Das Unternehmen mit Sitz im Kanton Zug wird vom bekannten US-Blog Gizmodo als die naheligendste Alternative bezeichnet, wenn es darum gehe, bequem grosse Dateien zu tauschen.

Solche Empfehlungen sind beste Werbung, doch sie haben einen Beigeschmack. Die Geschäftsleitung von RapidShare sah sich kurz nach der Megaupload-Schliessung zu einer umfangreichen Stellungnahme veranlasst. Offenbar wurde das Unternehmen von vielen Journalisten gefragt, ob es auch rechtliche Schritte befürchte.

Keine Vergütungen

Rapidshare verneint und betont, dass ein völlig legaler Service angeboten werde. «Wir offerieren einen sicheren Online-Speicherplatz, den unsere Kunden zum Speichern und Verwalten ihrer Daten nutzen.» Und weiter: «Im Gegensatz zu vielen Filehostern bieten wir kein Downloadvergütungssystem, das User belohnt, deren Dateien besonders häufig heruntergeladen werden.» Obwohl ein solches System eine praktische Werbemassnahme wäre, verzichte man darauf. Begründung: Es könnte zu vermehrtem Missbrauch führen.

Zudem versichert die RapidShare-Geschäftsführerin, Alexandra Zwingli: «Wir gehen rigide gegen Urheberrechtsverletzungen vor.» Seit Jahren werde ein eigenes Abuse-Team beschäftigt, das erfolgreich den Missbrauch des Dienstes bekämpfe.

Auch der Konkurrent MediaFire gibt sich gelassen. Das Geschäftsmodell basiere – im Gegensatz zu Megaupload und Co. - nicht auf Piraterie und der Verletzung von Urheberrechten, sagte der Geschäftsführer Derek Labian gegenüber dem Tech-Portal Venture Beat. Die Megaupload-Betreiber hätten lächerlich viel Geld mit einem lächerlich schlechten Dienst verdient. «Wir sehen uns nicht in diesem Geschäftsfeld.»

Treffer bei Google

Eine einfache Google-Suche bringt allerdings an den Tag: Man muss im Suchfeld nur den Songnamen, den Namen des Künstlers und zum Beispiel «MediaFire» eingeben, um urheberrechtlich geschützte Inhalte zu finden. Zwar führen viele der aufgeführten Google-Treffer nicht zum Ziel. Die entsprechenden MediaFire-Seiten zeigen nur eine Fehlermeldung und es wird darauf hingewiesen, dass die Datei wegen Verdachts auf einen Urheberrechts-Verstoss entfernt wurde. Mit etwas Hartnäckigkeit wird man aber trotzdem fündig.

MediaFire sei ein privater Dienst und könne nicht für solche Google-Treffer verantwortlich gemacht werden, betonte Labian. Das sei nur möglich, wenn jemand auf einer fremden Webseite auf die bei MediaFire hochgeladene Datei verlinke und Google diese Seite in seinem Index erfasse.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hanni am 24.01.2012 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kurios

    Aha, wieder einmal Kurioses aus Ami-Land. Solang Waffen (mit denen bei weitem schlimmere Verbrechen verübt werden) legal sind, ist doch alles ok. ;-)

  • franz karl am 24.01.2012 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Das versteh ich jetzt ned..vor weniger als 1 jahr hab ich einen account bei RapidShare gemacht und da wurde mir gesagt das ich Punkte sammel kann wen leute meine files ziehen..also pro download 1 punkt..bei 100 punkten gab es dann 1 tag premium 4 free.Wie können die behaupten das sie genau DAS nicht machen?

    einklappen einklappen
  • T.S. am 24.01.2012 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie will man das verhindern?

    Im Prinzip koennte man alles dicht machen! Auch minus, dropbox, skydrive (von Microsoft) und iCloud (von Apple). Denn auch ueber diese Dienste ist der Austausch von grossen Datenmengen moeglich.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Souffleur am 25.01.2012 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Tropfen auf den heissen stein

    Mein gott was regt ihr euch auf. Usenet, IRC und sonst noch genug arten zu saugen. Tropfen auf den heissen Stein iss das nicht mehr.

  • Marquis de Soiree am 24.01.2012 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    BBS hiess das mal

    es lebe die gute alte mailbox, da kann man noch was holen

  • Tom K am 24.01.2012 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die anderen sind nicht besser

    Tatsache ist: Letzendlich leben alle grossen Filesharing-Dienste vom Austausch piratisierter Contents, ob nun offiziell gewollt oder nicht. Denn genau diese Inhalte machen die Plattformen attraktiv für viele Nutzer, und diese Attraktivität generiert letztendlich den Verdienst. Niemand tauscht ein Excel-File über Rapidshare, dazu gibts Email. Die einen stellen die Contents (Filme, Software, Musik) mit viel Aufwand und hohen Kosten her, während Portale wie Rapidshare dann letztendlich das grosse Geld machen damit. Das man dies so lange toleriert hat ist eigentlich ein Wunder.

  • sascha mayer am 24.01.2012 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    bald ist schluss...

    sobald in deutschland im herbst nur noch bargeldlos bezahlen eingeführt wird und das betriebssystem nur noch mit daten geladen werden können die bezahlt sind (ID schutz) ist jede spur klar ersichtlich wer wie wo was gemacht hat ohne wenn und aber. dies wissen die amis zu genau, es ist die ruhe vor dem grossen sturm :-)

  • Paul Meier am 24.01.2012 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Vergleichen wir doch mal rapidshare

    mit dem richtigen Leben. Findet es irgend jemand in Ordnung wenn ich öffentlich mache wer seine Haustüre nicht abschliesst und gleichzeitig eine grosse DVD Sammlung zu Hause hat. Wer findet es dann in Ordnung wenn alle die das wissen in deine Wohnung gehen und deine Sammlung ohne dein Wissen kopieren? In etwa so ist das mit den filehostern. Ich lade dort meine Sicherungskopie hoch und irgendjemand macht das Publik und alle holen eine Kopie? Wer ist nun kriminell? Der uploader / der Hoster / der downloader? / GOOGLE ist es weil die alles ausplaudern!