Terminplanung im Web

23. Juni 2010 15:32; Akt: 23.06.2010 17:50 Print

«Warten wir mal ab, was unsere Nutzer sagen»

von Henning Steier - Doodle bringt heute Abend seine bislang wichtigsten Neuerungen an den Start. 20 Minuten Online hat sie sich von Firmen-Chef Michael Näf erklären lassen und ihn nach weiteren Plänen gefragt.

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Fünf Stunden pro Woche verbringen Führungskräfte durchschnittlich damit, ihre Termine zu planen. Dies will ein Marktforschungsinstitut im Auftrag des Unternehmens Doodle in einer Umfrage herausgefunden haben. Das Zürcher Start-up hat aus der Online-Terminplanung ein Geschäft gemacht und mittlerweile Millionen Nutzer gewonnen. 20 Minuten Online wollte von Firmenchef Michael Näf (36) wissen, wie man weiter wachsen will, obwohl es mittlerweile zahlreiche Konkurrenten gibt und Weltunternehmen wie Facebook Ähnliches anbieten könnten.

20 Minuten Online: Zuletzt haben Sie mit der Integration von Lotus Notes aufgewartet. Wie geht es bei Doodle weiter?
Michael Näf: Seit 2003 kennt man Doodles tabellarische Übersicht. Diese Einfachheit dürfte mit für unseren Erfolg verantwortlich sein: Mittlerweile haben wir sechs Millionen Nutzer monatlich bei einem Wachstum um den Faktor 2-3 pro Jahr. Seit über zwei Jahren können Nutzer Kalender wie jene von Google und Outlook oder andere ICS-basierte nutzen. So konnten User bisher beispielsweise Termine in die Kalender einbuchen. Aber nun ist es Zeit für etwas Neues in unserer Webversion: Ab 21:00 Uhr bieten wir Usern die Wahl zwischen einer tabellarischen und einer kalendarischen Ansicht der Seite.

Letztgenannte können logischerweise nur registrierte Mitglieder sehen. Was haben sie davon?
Wer seine Kalender integriert hat, sieht sie nun in den Kontext von Doodle eingebunden. Man muss also nicht mehr einen Termin quasi im luftleeren Raum einrichten, sondern kann ihn direkt im Kalender erstellen. Wer an einer Umfrage teilnimmt, muss nicht mehr eine Checkbox anklicken und sie dann mit dem Kalender abgleichen, sondern kann dies direkt in ihm tun. Wer einen Kalender eingebunden hat, dem wird er in Zukunft standardmässig angezeigt. Man kann auch über einen Link direkt zur klassischen Ansicht wechseln. Eine weitere Vereinfachung: Wer beispielsweise seinen Google-Kalender schon mit einem Kollegen geteilt hat, muss dies auf Doodle nicht mehr machen – das geschieht automatisch.

Doodle wird also kein Kalender – stattdessen verbinden Sie welche?
Genau. Ausserdem kann man nun gleichzeitig in allen für einen freigegebenen Kalendern nach freien Terminen schauen. Und noch eine Neuerung wird ab heute Abend verfügbar sein: Es werden öffentliche Kalender angezeigt, welche Doodle vorschlägt – aktuell beispielsweise die Termine der Fussball-WM. So kann man zum Beispiel das nächste Meeting nicht genau dann stattfinden lassen, wenn die Nati spielt. Wer mag, kann überdies eigene Kalender integrieren. Das macht man über den Link Verwalten – so kann man beispielsweise den ICS-Feed aller Kinofilm-Starts integrieren, um keinen Film zu verpassen. Darüber hinaus kann man nun auch mit anderen Usern direkt über Doodle seine Kalenderinformationen teilen. Andere Mitglieder sehen allerdings keine Details, sondern nur dass jemand zu einem bestimmten Termin nicht verfügbar ist.

Warum haben Sie jedem Kalender nicht eine andere Farbe zugewiesen? Das wäre übersichtlicher für den User.
Wir wollen die Benutzeroberfläche nicht überlasten. In Zukunft wollen wir aber eine entsprechende Möglichkeit bieten. Warten wir mal ab, was unsere Nutzer dazu sagen.

Gutes Stichwort: Wie viele Anwender nutzen überhaupt Ihre Kalenderfunktion?
Zurzeit weniger als die Hälfte; registriert sind ebenfalls weniger als 50 Prozent unserer Besucher. Ich bin überzeugt, dass sich beide Zahlen dank der neuen Funktionen deutlich erhöhen werden.

Ihr Geschäftsmodell basiert auf Werbung, Sie verlangen einen Tausenderkontaktpreis (TKP) zwischen 30 und 50 Franken. Ausserdem setzen Sie auf Premium- und Branded-Doodle-Angebote. Privatkunden, die 28 Franken pro Jahr zahlen, bekommen keine Werbung angezeigt. Unternehmen können ihre Doodle-Seite beispielsweise mit einem Logo versehen. Trotzdem ist Doodle bislang nicht profitabel. Wann soll sich das ändern?
Wir peilen den Break-even bis zum Jahresende an.

Wie viele Ihrer Nutzer zahlen für Ihr Angebot?
Ebenfalls weniger als die Hälfte. Das stört uns aber bislang nicht weiter. Wir wollen einen attraktiven Dienst mit einem grossen Funktionsumfang gratis anbieten. Und unsere Haupteinnahmequelle Werbung ermöglicht uns dies.

Sie haben die webbasierte Terminplanung salonfähig gemacht. Wäre es nicht Zeit für weitere Funktionen – beispielsweise Instant Messaging?
Wir werden uns auch weiterhin auf unser Kernangebot konzentrieren. Natürlich sind wir mittlerweile nicht mehr die Einzigen auf dem Markt, sehen uns aber als Pionier gut aufgestellt.

Sind Sie nachts schon mal schweissgebadet aufgewacht, weil Ihnen in einem Albtraum ein Online-Terminplaner auf Facebook erschienen war?
Noch nicht – wir haben übrigens Applikationen für Facebook und Xing und sehen soziale Netzwerke als Partner für unser Angebot. Ein Vorteil solcher Apps: Man kann direkt sein Adressbuch benutzen.

Im vergangenen Jahr haben Sie Ihre iPhone-App zum Preis von drei Franken gestartet. Wird es eine Applikation fürs iPad geben?
Vorerst nicht, denn das Feedback von iPad-Besitzern zeigt, dass sie Doodle in der Webversion oder unserer mobilen Variante nutzen. Weniger als die Hälfte unseres Traffics kommt übrigens von iPhone-Besitzern.

Diese präzise Zahlenangabe hätte man sich denken können. Auch die Frage nach dem Wert Ihres Unternehmens erübrigt sich damit. Haben Sie denn schon Angebote grosser Unternehmen bekommen?
Das Exit-Szenario steht für uns zurzeit nicht an vorderster Stelle. Momentan konzentrieren wir uns darauf, stark zu wachsen.

Sie sind mittlerweile auch in den USA vertreten. Wie läuft das Geschäft?

Gut – wenngleich wir mit jeweils etwa einer Million Nutzern in der Schweiz am stärksten sind. Es folgen Deutschland und weitere Länder Westeuropas und die Vereinigten Staaten. Klar ist: Nirgendwo haben wir eine so hohe Durchdringung wie hierzulande, was uns zu einer interessanten Werbeplattform macht.

Ebenfalls aus der Schweiz kommt der Online-Terminplaner Zeeyoo? Wie sehen Sie Ihre Konkurrenz?
Natürlich beobachten wir andere Unternehmen. Wenn es keine Konkurrenten gäbe, müssten wir uns sicherlich fragen, ob niemand sonst an diese Geschäftsidee glaubt. Wir wollen unsere Nutzer mit Innovationen wie den heute Abend verfügbaren überzeugen.

Eine Ihrer Ideen stiess allerdings nicht auf uneingeschränkte Freude: Seit Herbst 2009 können Nutzer Dateien hochladen und mit anderen teilen. Jan Scharringhausen, Geschäftsführer der Schweizer Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (SAFE) hatte im Gespräch mit 20 Minuten Online Piraterie kritisiert, dass diese Funktion von Raubkopierern ausgenutzt werden könnte. Haben Sie Derartiges beobachtet?
Nein, ich hielt diese Behauptung schon damals für völlig aus der Luft gegriffen. Unsere User verwenden die Funktion so wie sie gedacht ist – beispielsweise um Präsentationen hochzuladen.