Nach Trooptube

24. November 2010 12:04; Akt: 24.11.2010 13:18 Print

Neues YouTube für Soldaten

Die USA haben mit MilTube ein zweites eigenes Videoportal für ihre Streitkräfte gestartet.

Miltube: Zweites YouTube für US-Soldaten. Quelle: YouTube
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Nicht nur Soldaten, sondern auch zivile Angestellte und Lieferanten des US-Militärs haben nun eine eigene Website, über die sie Videos mit anderen teilen können. Miltube reiht sich in die bislang aus MilBook, MilWiki, and MilBlog bestehende Milsuite ein - Alternativen zu Facebook, Wikipedia und Blogger-Tools.

Laut Cnet gibt es Miltube auch in einer Version für mobile Geräte. Rund 85 000 Menschen haben Zugriff auf das Portal, das durch eine Firewall geschützt wird und in erster Linie für News, Trainings-Clips und Dokumentationen des Militärs gedacht ist. Vor einem Jahr war mit Trooptube ein Portal eingerichtet worden, über das Mitglieder der US-Angehörige Videos auch mit Familienmitgliedern und Freunden teilen können. Auch dieses Portal wird vom Verteidigungsministerium überwacht, um dafür zu sorgen, dass keine internen Informationen nach draussen dringen.

Warnung vor Facebook und Co

Kürzlich hatte das Oberkommando der U.S. Air Force seine Soldaten vor dem Gebrauch von Online-Lokalisierungsdiensten gewarnt: Diese könnten dem Feind die Position der Soldaten verraten. Unter anderem bieten Facebook, Gowalla, Foursquare und Loopt Funktionen mit deren Hilfe sich der genaue Standort einer Person ermitteln und auf einer Landkarte darstellen lässt. Und das bereitet den Militärs Kopfschmerzen: Sorgloser Umgang mit Facebook und Co. könne «verheerende Auswirkungen auf die Sicherheit von militärischen Operationen» haben. Die Generäle sorgen sich um den Gebrauch von BlackBerrys, iPhones und anderen GPS-fähigen Geräten im Feld, über die feindliche Kräfte die Position von US-Truppen in Afghanistan oder im Irak ermitteln könnten. Die U.S. Army will auch eine solche Warnung erlassen.

Auch die französische Polizei fürchtet um die Sicherheit ihrer Beamten. Diese könnten laut Polizeichef Frédéric Péchenard durch die Veröffentlichung von persönlichen Daten auf Facebook dem Ansehen der Polizei schaden und zudem selbst kompromittier- und angreifbar werden. Besonders Geheimdienstmitarbeiter würden sich durch ihre Präsenz auf sozialen Netzwerken sozusagen auf den Präsentierteller begeben und den Kontakt durch ausländische Spionagedienste erleichtern.

Keine Aufnahmen Erlaubnis

Hierzulande sind Soldaten seit dem 1. Januar 2008 Bild- und Tonaufnahmen während der Dienstzeit ohne Einwilligung des Kommandanten beziehungsweise des militärischen Vorgesetzten verboten. Insbesondere untersagt ist zudem die Veröffentlichung von Fotos und Filmen. Verhindert werden sollen insbesondere sexistische, rassistische und gewaltverherrlichende Filme.

«Dies heisst nicht, dass die Dienstleistenden gar nicht mehr filmen und fotografieren dürfen», sagte Armeesprecher Felix Endrich vor zwei Jahren. Es brauche nur eine Einwilligung. Die Veröffentlichungen seien Zeichen der Gesellschaft und der Zeit, die auch vor der Armee nicht Halt machen würden. Bisher sei vor allem an die Eigenverantwortung appelliert worden. Sehr viele Kommandanten liessen die Internetplattformen auch kontrollieren. Sowohl bei der militärischen Sicherheit als auch bei der Militärjustiz seien mehrere Verfahren eingeleitet worden. «Bei der militärischen Sicherheit haben wir Angestellte, die periodisch ein Monitoring der Internetplattformen vornehmen. Dabei werden wir von zwei Untersuchungsrichtern der Militärjustiz unterstützt», sagte Endrich. So seien in vier Fällen Verfahren eingeleitet worden. Davon sei eines abgeschlossen und es seien Sanktionen vorgenommen worden. Die restlichen drei Fälle seien noch hängig.

(hst)