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«Ozapftis»
10. Oktober 2011 15:25; Akt: 10.10.2011 15:30 Print
Staatstrojaner horcht mehr aus, als er darf
Der Chaos Computer Club hat die Spionagesoftware der deutschen Regierung unter die Lupe genommen. Das Resultat ist erschreckend. Auch hierzulande ist der digitale Lauschangriff ein politisches Thema.

«_Ozapftis_file_execute»: Fotoillustration des Chaos Computer Clubs zum Staatstrojaner. (Bild: Keystone/AP)
Was kann ein Bundestrojaner? Und: Darf er das überhaupt? Diese Fragen will der Chaos Computer Club (CCC) nun beantwortet haben. Dem Club wurde eigenen Angaben zufolge eine Schadsoftware zugespielt, «deren Besitzer begründeten Anlass zu der Vermutung hatten, dass es sich möglicherweise um einen Bundestrojaner handeln könnte.» Die IT-Spezialisten haben den Trojaner analysiert und ein 20-seitiges Dokument dazu veröffentlicht.
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Sie haben festgestellt, dass er weit mehr ausspioniert, als gemäss Bundesverfassungsgericht erlaubt ist. Die digitale Wanze beschränkt sich nicht auf das Abhören von Skype und anderen verschlüsselten Kommunikationsprotokollen, sie erlaubt es auch, Programme auf dem gekaperten Rechner zu installieren, Dateien zu lesen und zu manipulieren, sowie die Kamera und das Mikrofon zu aktivieren. «Eine Erweiterbarkeit auf die volle Funktionalität des Bundestrojaners - also das Durchsuchen, Schreiben, Lesen sowie Manipulieren von Dateien - ist von Anfang an vorgesehen», schreibt der CCC.
«Grob fahrlässiger Umgang mit sensiblen Daten»
Zudem weist die staatliche Überwachungssoftware massive Sicherheitslücken auf. Ein mit dem Staatstrojaner infizierter Computer wird für Dritte leicht angreifbar. Selbst an einfache Absicherungen, wie beim Online-Banking oder bei Flirtportals üblich, sei nicht gedacht worden. «Besonders die Privatsphäre, aber auch Wirtschaftsgeheimnisse sind schützenswert. Das hier vorliegende Schadprogramm geht grob fahrlässig mit den sensiblen abgeschnorchelten Daten um. Insbesondere entsetzt der Umstand der Durchreichung der unzureichend gesicherten Daten durch ein nicht näher kontrolliertes Netzwerk», ist in der Studie zu lesen.
Kein aktuelles Antivirenprogramm hat den Trojaner erkannt.Die Spionagesoftware funktioniert laut CCC nur auf einer 32-bit-Windows-Version. User der 64-bit-Version, sowie Mac-User sind gegen diesen Trojaner quasi immun.
Die deutsche Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sprach sich für eine Untersuchung auf Landesebene aus, um die Vorwürfe aufzuklären. Es sei «mehr als beunruhigend, dass die berechtigten technischen Argumente der Beschwerdeführer in der Klage gegen die Online-Durchsuchung vor dem Bundesverfassungsgericht jetzt bestätigt werden», wird sie auf Spiegel Online zitiert. Das Bundesinnenministerium dementierte am Sonntag, dass Trojaner auf Bundesebene eingesetzt wurde. Neben dem Bundeskriminalamt setzen aber auch der Zoll sowie mehrere Länder Spionagesoftware ein.
Vorbereitungen in der Schweiz laufen
In der Schweiz ist ein behördlicher Trojaner ebenfalls ein Thema. Der Bund plant die Einführung einer solchen Überwachungsmöglichkeit und hat im Mai 2010 eine entsprechende Gesetzesrevision vorgestellt. «So kann der Untersuchungsrichter auch ohne Wissen der überwachten Person das Einführen von Informatikprogrammen in ein Datensystem anordnen», heisst es im Entwurf der Strafprozessordnung. Die Reaktionen auf den Entwurf waren ablehnend - nicht nur von internetaffinen Kreisen wie der Piratenpartei. Auch die Parteien zeigten sich von links bis rechts kritisch. Der Bund wertet nun die Vernehmlassung aus. Noch in diesem Jahr soll der Bundesrat die definitive Botschaft zuhanden des Parlaments verabschieden.
Bereits vor mehreren Jahren hatte der Bund offenbar geplant, Skype-Telefonie mittels eines Trojaners abzuhören. 2006 wurde bekannt, dass der Bund bei der Firma Firma ERA IT eine Abhör-Software für Skype-Telefonate in Auftrag gegeben hatte. Der ehemalige Mitarbeiter und Software-Ingenieur Ruben Unteregger veröffentlichte den dazugehörigen Quellcode (20 Minuten Online berichtete). Ende 2010 machte Unteregger erneut von sich reden. Er programmierte innerhalb von acht Tagen ein Tool, mit dem sich Programme wie Firefox, Windows Live oder Thunderbird auf Windows-7-Rechnern komplett überwachen lassen. Seine Software fängt nicht nur Passwörter ab, sondern zeichnet auch die Tastaturanschläge auf und leitet auf Wunsch den gesamten Internet-Verkehr auf den Rechner des Angreifers um.
(mbu/mdr)
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Alle 57 Kommentare

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Jaja die lieben Piraten sollen helfen
Die Piraten, laut posaunen sie herum, dass sie den Schnüffelstaat überhaupt nicht mögen (Leider scheinen sie laut Google auch diverse Flecken auf der Weste zu haben. Vizepräsident der Piraten P. Gloor scheint sich ja dank seiner Tätigkeit im Swinog mit Lawful Interception (Abhörtechniken) auszukennen. Sein Arbeitgeber Dreamlab in Bern bewirbt die Schnüffel-Techniken im Swinog (ausführlich, insbesondere mit Verweis auf die Kompetenz bei
Politisch-Digitales Zeitalter?¿
Muss man die Virenscanner-Hersteller dann verpflichten, den Staatstrojaner explizit zu ignorieren? Die Signaturen von den Teilen werden wohl allen "illegalen" Trojanern sehr ähneln :) Ich denke des ist alles nur teurer Blödsinn! Iniziert von Leuten/Politikern, mit NULL Informatikverständnis
Sinn?
Bis eine Signatur von einem Trojaner erstellt werden kann, muss er zuerst mal um die Welt gehen. Dann muss Ihn noch jemand dem Antivren Hersteller übermitteln, damit eine solche Signatur erstellet werden kann. Hier kommt dann z.B das Crypten ins Spiel. Es gibt dann noch div. andere Möglichkeiten wie man so was umgehen kann. Aber wie schon gesagt, zuerst müssen die Virenhersteller den Virus besitzen bevor eine Signatur erstellt werden kann.
Richtig...
... aber Signaturen müssen nicht immer 100% überseinstimmen damit das AV Programm ausschlägt. AV (Anti-Virus) werden immer schlauer und "denken mit". Schade nur ist es ein Kinderspiel einen Trojaner zu erstellen und diesen auch zu "verschlüsseln" - Signatur-ändern. D. h Wird es ewig ein Katz-und-Maus Spiel sein zwischen AV/User und den "Hacker" resp Script Kiddies.
Signaturen
Ich weiss das auch verschiedene Funktionen auf calls eine Signatur erstellt wird. Aber diese ist ohne riesen Aufwand zu bewerkstelligen. Leider gibt es der heutigen Zeit so viele Foren wo dieses in das kleinste Detail beschrieben wird.
FreeBSD oder OpenBSD
Ich glaube nicht das das viel bringen wird ausser hohe Kosten. Früher hatte der Staat noch die Kontrolle beim Telefonabhöhren. Aber heute, wo jeder ein bischen technisches Know-How besitzt wird sich gegen solche Torjaner leicht schützen. Und wer Windows einsetzt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Probiert doch mal ein FreeBSD, kein Linux sondern die wahre IT-Kraft xD Oder wer ganz auf nummer sicher will, ein OpenBSD tuts auch. Zählt zu den sichersten Betriebsysteme der Welt, gemessen an der Code Qualität ;)
Kein Linux?
Das würde mich persönlich interessieren. Wieso keine Linux Distribution sondern Free- oder Open BSD.