Nach Megaupload

24. Januar 2012 20:32; Akt: 25.01.2012 00:36 Print

Die Download-Piraten hechten von Bord

Der grösste Filehoster Megaupload ist offline, die Hintermänner sitzen im Knast. Bei den anderen Datentausch-Seiten geht die Angst um. Ein Anbieter nach dem anderen schliesst die Pforten.

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In der Filehosting-Szene macht sich Panik breit. Dies seit klar ist, dass Mr. Dotcom und seine Mitstreiter wegen Verstössen gegen Gesetze zum Schutz von Urheberrechten, Geldwäsche und organisiertem Verbrechen bis zu 20 Jahre hinter schwedischen Gardinen schmoren könnten. An Megaupload wurde ein Exempel statuiert. Die Branche sollte erschüttert werden und der Schachzug der US-Justiz geht vorerst auf. Panikartig macht derzeit ein Filehoster nach dem anderen die Schotten dicht.

Filehoster blasen zum Rückzug

Am Sonntag hat der Sharehoster FileSonic ohne Angabe von Gründen die Sharing-Funktion deaktiviert. Künftig lässt die Firma nur noch die Inhaber ihre selbst hochgeladenen Dateien herunterladen. Seit Montag erlaubt auch FileServe nur noch den ursprünglichen Uploadern den Download ihrer Dateien. «Das deklassiert diese Hoster zu Dropbox-ähnlichen Datenschliessfächern», bringt es das deutsche Techportal heise.de auf den Punkt.

Bislang funktionierten FileSonic und FileServe wie Dutzende andere Filehoster auch: Wer den Link zu einer Datei kannte, konnte sie herunterladen. Uploader beliebter Filme und anderen Dateien wurden mit Kleinstbeträgen von weniger als 1 Rappen pro Download belohnt. Uploader wurden so animiert, möglichst rasch neue und beliebte Filme, Songs oder Games bereitzustellen.

Bereits am Freitag letzter Woche zog der Sharehoster Uploaded.to die Konsequenzen aus der Megaupload-Schliessung. Die Seite sperrt ab sofort US-Nutzer aus. Um weiterhin genügend neue Inhalte anbieten zu können, erhöht die Firma die Belohnung für Uploader: «Verdienen Sie ab sofort 30 Euro pro 1000 Downloads!», versprechen die Betreiber. Auf die Auszahlung des Gelds sollte man allerdings nicht wetten. In Internet-Foren klagen viele Uploader darüber, dass bei diversen Filehostern versprochene Auszahlungen ausgeblieben und die Support-Mitarbeiter auf Tauchstation gegangen seien.

Die Megaupload-Klone fallen wie Dominosteine um

Unter anderem stellte FileServe am Freitag sein Partner-Programm ein, mit dem Uploader beliebter Filme ausbezahlt wurden. Auch viele kleinere Portale wie Videobb und VideoZer haben ihre Auszahlungs-Programme eingestellt und wie FileJungle und Uploadstation zahlreiche Dateien von ihren Servern gelöscht. Den Laden ganz dichtgemacht haben unter anderem UploadBox und x7, wie heise.de berichtet. Bei UploadBox können die Nutzer immerhin noch bis Ende Monat ihre privaten Dateien herunterladen.

Dass sich die Filehoster selbst aus dem Geschäft nehmen, macht sich nun auch bei den populären Streaming-Plattformen bemerkbar, über die man neue Filme und TV-Serien abrufen und im Browser-Fenster anschauen kann. Ein Nutzer schreibt: «Jetzt geht fast nichts mehr auf Kinox.to oder Burning-series.to.»

Sauber ist keiner

Auch wenn Filehoster nicht müde werden zu beteuern, dass ihr Geschäftsmodell legal sei und nichts mit Megaupload zu tun habe, bleiben Zweifel im Raum: «Die drastischen Massnahmen gegen Megaupload waren offenbar nötig, weil die Situation dort völlig anders lag», sagt RapidShare-Geschäftsführerin Alexandra Zwingli. Die Schweizer Firma hat zwar laut eigenen Angaben ein Abuse-Team, das den Missbrauch des Dienstes bekämpft. Seit Mitte 2010 wird zudem auf das Belohnungssystem für Uploader verzichtet. Trotzdem wird die Plattform längst nicht nur für den Austausch eigener Dateien verwendet.

In einschlägigen Foren findet sich Links zu Computer-Programmen, die über den Schweizer und andere Filehoster getauscht werden. Hierzulande dürfen zwar Filme und Musik für den Eigengebrauch heruntergeladen werden, davon ausgeschlossen sind aber PC-Software und Games.

«RapidShare nutzt rund 1000 Server für seine Dienste, die auf verschiedene Rechenzentren in Europa verteilt sind», teilt das Unternehmen aus Cham auf Anfrage mit. Der Anbieter gehört weltweit zu den grössten Filehostern.

Auch Konkurrent MediaFire wäscht seine Hände in Unschuld. Eine einfache Google-Suche bringt allerdings an den Tag, dass mit etwas Hartnäckigkeit auch dort urheberrechtlich geschützte Inhalte zu finden sind (20 Minuten Online berichtete).

(owi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rainer Säckler am 24.01.2012 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Lenin hat recht!

    Wie sagte schon Lenin? Bestrafe einen - erziehe hundert...!

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  • downloader am 24.01.2012 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    uploaded.to

    man kan feststellen das bei uploaded.to die geschwindikeit massiv zusammengebrochen ist... rs läuft noch super. aber man sollte schon langsam seine onlinebackups lokal/usb speichern

  • Manu am 24.01.2012 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Warten wir mal ab...

    Die Film- und Musikindustrie wird verlieren. Denn auch mit dieser Aktion wird keine einzige CD oder Film mehr verkauft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Like OpenSource am 25.01.2012 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nieder-reissen.

    Freier Download ohne Konsequenzen JA! Unbedingt sogar, den niemand soll vor Gericht kommen weil beim ihm/ihr irgendwas gefunden wurde, das nicht OpenSoruce oder aus eigenen Erzeugnissen stammt. Allerdings gibt es da ja noch ein Urheberrecht, gegen das man mit voller Absicht verstossen kann.. ..und es gibt Seiten wie Rapidshare die das Urheberrechtlich Verbotene sharing erlauben. Ich finde es daher mehr als richtig das die leute gejagt und eingebuchtet werden. Sie werfen ein schlechtes licht auf die legalen.

  • fabian am 25.01.2012 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    kauft mal wieder was :-)

    Danke endlich :-)

  • Mike S. am 25.01.2012 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Die leben gut mit Raubkopieverteilung

    Wenn man bei rapidshare hilfe für Urheberrechtsverletzung anfordert, kommt per mail u.A. "....Da wir keine Suchfunktion anbieten und auch kein internes File Index führen ist es uns nicht möglich,die von ihnen beschribenen Dateien zu überprüfen...". Die leben doch bestens vom Diebstahl und ich hoffe das rapidshar als nächstes geschlossen wird.

    • my2Cents am 25.01.2012 18:00 Report Diesen Beitrag melden

      Ist auch gut so

      Gäbe es eine interne Suchfunktion und würden sie bei solchen Anfragen Daten rausrücken würde es gegen Datenschutzrichtlinien verstossen.

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  • Suchender am 25.01.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative zum Filmestreamen???

    Kennt eigentlich jemand ein offizielles Angebot zum legalen Filme streamen? Es sollte doch möglich sein, dass die Filmindustrie mit solchen Portalen ihr Geld verdienen kann. Ob mit Werbung oder Premiumaccount, ob Pay-per-View oder Flatrate - es sollte doch möglich sein. Ich würde ja was bezahlen, wie für DigitalTV und die amerikanischen Sportübertragungen auch. Aber ich kenne keinen solchen Dienst!!! (würde mich aber über Infos zu einem allenfalls existierenden Dienst freuen...)

  • Fredi am 24.01.2012 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    wirklich das ende?

    Wieso wird nur von denen gesprochen, die den dienst einstellen oder einschränken? Es wird mit keinem Wort erwähnt dass Filehoster wie wie Rapidshare und Mediafire ihr Angebot seit dem Fall von Megaupload sogar erweitert haben. Schade

    • Mueller Fredy am 25.01.2012 16:02 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      Jip und vorallem gibt es schon lange andere "alternativen"

    • jones am 25.01.2012 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      naja

      werden wohl bald viele auf usenet umsteigen müssen :)

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