Swiss Fort Knox

20. Juli 2010 14:25; Akt: 20.07.2010 18:06 Print

Bombensicheres Backup

von Manuel Bühlmann - Ein Berg, in dem hunderte Meter tief im Fels streng geheime Daten gelagert werden? Was wie aus einem Agententhriller tönt, ist mitten im Berner Oberland Realität: Ein Team von 20 Minuten Online war zu Besuch in einem der bestgeschützten Orte der Schweiz.

(Film: Mathieu Gilliand/Marius Egger)
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3,5 Tonnen schwere Panzertüren, kugelsichere Einmann-Schleusen und Spezialkameras in jeder Ecke – das Swiss Fort Knox macht seinem Namen alle Ehre. Der Berg wurde in den Sechzigerjahren von der Schweizer Armee ausgehöhlt. Seit 1996 ist die Hälfte davon im Besitz der beiden Privatunternehmer Christoph Oschwald und Hanspeter Baumann. In ihr Projekt haben sie eigenen Angaben zufolge im Laufe der Jahre über 40 Millionen Franken investiert.

Im Swiss Fort Knox können sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen ihre Daten lagern. Dabei sollen sie selbst vor Atombombenanschlägen sicher sein. Banken, Versicherungen, Regierungen usw. greifen darauf zurück, um im Berg ihre Backups zu hinterlegen. «Die Informationen, die hier lagern, sind Milliarden von Franken wert», erklärt der ehemalige Fallschirmgrenadier Oschwald und lächelt vielsagend. Zutritt erhalten nur die wichtigsten Kunden, ohne Voranmeldung läuft nichts. Dabei müssen die Besucher jedes Mal einen gründlichen Sicherheitscheck über sich ergehen lassen und mehrere Schleusen passieren. Die Daten gelangen entweder über eigene Glasfaserleitungen auf die Server oder werden gesichert auf Festplatten ins Swiss Fort Knox gebracht.

Nicht alle Kunden sind willkommen

«Wir wissen nicht im Detail, welche Daten die Kunden bei uns hinterlegen, da sie allesamt dermassen hoch verschlüsselt werden, dass selbst Geheimdienste grösste Mühe haben dürften, sich darauf Zugriff zu verschaffen», ist sich der CEO sicher. Dies birgt aber die Gefahr, dass auch illegale Daten gespeichert werden können, Stichwort Kinderpornographie. Um das Risiko zu minimieren, werden die potentiellen Kunden zuvor genau überprüft. «Wer in der Schweiz kein Bankkonto eröffnen darf, wird auch bei uns abgelehnt», so Oschwald. Zudem wird der Traffic kontrolliert: «Fällt uns auf, dass auf ein Konto gleichzeitig von verschiedenen Orten zugegriffen wird, werden wir hellhörig. Es ist auch schon vorgekommen, dass wir Kunden ohne Voranmeldung besucht haben, um uns vor Ort persönlich ein Bild von ihnen zu machen.»

Auch wenn Oschwald dies nicht direkt bestätigen will, wird im Laufe der Führung klar, dass auch andere Wertgegenstände im Felsmassiv liegen müssen. Zudem verfügt der Bunker über mehrere Schlafzimmer. Oschwald tönt an, dass einzelne davon für den Krisenfall bereits reserviert worden seien. Namen und Preise nennt er keine.

Unterirdischer See, Expansionsräume und Notstromaggregate

Zum Swiss Fort Knox gehört eine zweite Bunkeranlage, die in einem benachbarten Tal steht. Der genaue Standort ist streng geheim. Sie ist zusätzlich durch eine Art Faradayscher Käfig geschützt. Dadurch sollen die Daten selbst vor elektromagnetischer Strahlung sicher sein, wie sie etwa bei Solarstürmen auftreten kann. Die beiden Anlagen sind durch Glasfaserleitungen miteinander verbunden. Die Umgebung wird durch Spezialkameras grossräumig überwacht. Zudem patrouilliert rund um die Uhr militärisches und ziviles Wachpersonal (siehe Infografik).

Im Innern wird ein konstanter Überdruck erzeugt. Damit soll verhindert werden, dass etwa Rauch oder Giftgase in die Anlage gelangen können. In den Berg sind zahlreiche Ansaugfilter eingelassen, damit die Frischluftzufuhr gewährleistet werden kann. Hinter ihnen befindet sich jeweils ein zirka 4000 Kubikmeter grosser Expansionsraum. Bei gezielten Sprengstoffangriffen soll damit der entstehende Überdruck abgefangen werden. Wird die externe Stromversorgung ausser Gefecht gesetzt, kommen von Batterien und Dieselmotoren angetriebene Notstromaggregate zum Einsatz, die für mehrere Wochen genügend Energie zur Aufrechterhaltung des Betriebes liefern sollen.

«Eine Serverfarm muss ununterbrochen gekühlt werden. Die Kühlung ist die Schwachstelle eines jeden Datencenters», erklärt Oschwald und ergänzt: «Fällt sie aus, kollabieren die übermannshoch gestapelten Rechenmaschinen.» In der Regel würde sich die Kühlanlage auf den Dächern von Gebäuden befinden oder seien ebenerdig untergebracht. Ein gezielter Anschlag lasse sich dadurch relativ einfach bewerkstelligen. «Im Swiss Fort Knox ist dies aber so gut wie unmöglich, da die Bunkeranlage über einen unterirdischen See verfügt, aus welchem die sabotagesichere Kühlanlage gespeist wird», verrät der Privatunternehmer. Das grösste Sicherheitsrisiko gehe sowieso von den Mitarbeitern aus: «Deshalb schauen wir, dass im Bunker so wenig Personal wie möglich eingesetzt wird.»

Eigener VIP-Club

Grosskunden, die ab einer halben Million Franken pro Jahr für die Sicherung ihrer Daten zahlen, erhalten Zutritt zur Sky-Bar, einem Adlerhorst, der auf einem Stahlträger aus dem Berg ragt. An ihm angebracht sind Wärmebild- und andere Spezialkameras, die Tag und Nacht die Umgebung überwachen. Einmal im Jahr dürfen dort die Club-Member ausgesuchte Gäste zu einem Drink einladen. Auch Privatpersonen können ihr Backup über Oschwalds Dienst mount10.ch vollautomatisch im Berg hinterlegen. Die Preise dafür beginnen bei 9 Franken pro Monat - für eine Aufnahme in den Club reicht das aber bei weitem nicht.