Songbeat

01. Dezember 2008 17:35; Akt: 02.12.2008 10:54 Print

Der Sargnagel für die Musikindustrie

von Henning Steier - Ein Programm macht es so leicht wie nie zuvor, legal Millionen Songs aus dem Internet herunterzuladen. Die Plattenfirmen sind alarmiert, aber machtlos.

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Songbeat ist eine kleine Software, mit der sich problemlos und schnell Musik aus dem Netz laden lässt. Jetzt ist Version 2.0 erschienen. Neu ist unter anderem eine so genannte Library, in der sich die geladenen Dateien sammeln und auf CD brennen lassen. Ausserdem lassen sich die Suchergebnisse neu filtern und in Gruppen ordnen. Mit der Gratis-Version lassen sich 25 Songs herunterladen, für 30 Franken entfällt diese Limitierung.

Ausserdem kann man über den Station-Button den Last.fm-Stream von Künstlern hören und die Songs aufnehmen. Wer auf der Suche nach neuer Musik ist, wird mit Hilfe einer Funktion namens Mixtape fündig. In einer Liste sind bereits zahlreiche Künstler zu finden, von denen man mit einem Klick Stücke anhören und herunterladen kann. Wie Letzteres funktioniert, sehen Sie in der obigen Bildstrecke.

Meta-Suchmaschine unter der Oberfläche

«Unser Programm greift auf andere Suchmaschinen wie Project Playlist und Seeqpod zu. Daher umgehen wir keine Kopierschutzmechanismen und die reinen Downloads sind legal», sagt Marco Rydmann, Chef der Berliner Songbeat GmbH, und reicht der Musikindustrie den kleinen Finger: «Unser Geschäftsmodell basiert zum einen auf der kostenpflichtigen Version unseres Programms. Zum anderen wollen wir mit den Unternehmen zusammenarbeiten. So sollen Plattenfirmen unter anderem Werbung für ihre Künstler machen können. Diese findet man, wenn man auf den Discover-Button klickt. Ausserdem kann man dann die Musik der Künstler kostenpflichtig herunterladen. Bislang kooperiert die Songbeat GmbH dabei mit Amazon und erhält nach eigenen Angaben rund sechs Prozent Umsatzbeteiligung an jedem verkauften Song.

Es gibt aber noch weitere Kooperationsmöglichkeiten: So soll laut Rydman beispielsweise eine Band, die am Wochenende in Basel ein Konzert gibt, in allen Playern, die in der Region in der Woche aktiv sind, direkt Informationen zum Gig anzeigen lassen können. «Klar ist, dass Songbeat auf den ersten Blick für Künstler und Labels erschreckend wirkt», sagt Firmenchef Rydmann, «aber mit unseren Ideen wollen wir den Wandel in der Musikindustrie aktiv mitgestalten - und dies zum Vorteil aller.»

Absurde Behauptung

«Die Behauptung, dass die Gratisbeschaffung von Musik im Netz zu steigenden Verkäufen der Tonträgerhersteller führen würde, ist absurd», entgegnet hingegen Wilfried Haferland von der Schweizer Landesgruppe der International Federation Of Producers Of Phonograms And Videograms (IFPI). Diese kümmert sich um die Rechte von Plattenfirmen und Produzenten. «Gratisdownloads sollen den Kauf gerade vermeiden. Wenn dadurch Verkaufszahlen steigen könnten, dann wäre dies schon längst geschehen - dazu braucht es nicht erst eine Software wie Songbeat.» Diese Schutzbehauptung diene ausschliesslich dazu, dem potentiellen Nutzer ein gutes Gewissen zu bereiten und von der Tatsache abzulenken, dass diese Software ohne illegale Quellen nutzlos wäre.

Da vor allem Jugendliche Filesharing im grossen Stil betreiben, hat die IFPI auf der Seite ideensindetwaswert.ch kostenloses Unterrichtsmaterial für Lehrer zum Download bereitgestellt. Der Schaden, der in der Schweiz allein durch Online-Piraterie verursacht wird, liegt nach IFPI-Angaben bei über 25 Millionen Franken jährlich. Allein seit dem Jahr 2003 sind hierzulande bereits mehr als 600 Arbeitsplätze im Bereich der Musikwirtschaft verloren gegangen. Weil der reine Download in der Schweiz legal ist, ging der Musikverkauf seit dem Jahr 2000 um etwa 44 Prozent zurück.