Müll-Mails

17. Oktober 2008 13:03; Akt: 17.10.2008 13:29 Print

Guck mal, wer da spammtGuck mal, wer da spammt

von Henning Steier - Weltweit werden pro Tag 120 Milliarden Spam-E-Mails versandt. Die Urheber sind skrupellose Geschäftemacher, die Millionen verdienen. 20 Minuten Online stellt die grössten zehn Cyber-Gangster vor.

Bildstrecke im Grossformat »
Zuletzt machte Sanford Wallace im Mai 2008 Schlagzeilen, weil er MySpace 158,9 Millionen Dollar zahlen musste. Wallace hatte Spam-Mails über das soziale Netzwerk verschickt. Alan Ralsky wurde dank bis zu 70 Millionen Spam-Mails zum Multimillionär. Der Prozess gegen ihn läuft seit Januar 2008. 2006 wurde Christopher William Smith zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Straferhöhend kam hinzu, dass er in U-Haft plante, einen Killer auf einen Zeugen und dessen Familie anzusetzen. Scott Richter war zwar nie im Gefängnis, musste unter anderem aber Microsoft wegen des Versendens von Spam-Mails sieben Millionen Dollar zahlen. Bis zu 25 Millionen E-Mails verschickte Vardan Kushnir am Tag. 2005 wurde er von drei Frauen, die er in einer Moskauer Bar aufgelesen hatte, zu Tode geprügelt. Im März 2008 wurde Robert Alan Soloway zu 47 Monaten Haft verurteilt - nicht nur wegen Spam-Mails, sondern auch aufgrund von Steuerhinterziehung. Obwohl er laut Register of Known Spam Operations (ROKSO) immer noch zu den Top-200-Spammern weltweit gehört, nennt sich William Waggoner nun Experte für Netzwerke, Marketing und Online-Werbung. 21 Monate Knast bekam Edward Davidson im Juni 2007. Ende Juli 2008 brach er aus und tötete seine Freundin und die gemeinsame Tochter, ehe er Selbstmord beging. Jeremy Jaynes verdiente mit Spam bis zu 750 000 US-Dollar im Monat. Im November 2004 wurde er zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Kürzlich wurde er aber entlassen, weil der Virginia Supreme Court die Strafe als unverhältnismässig hoch ansah. Adam Vitale verschickte Müll-Mails an 1,3 Millionen AOL-E-Mail-Adressen. Er wurde zu im Sommer zu 30 Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 180 000 US-Dollar verurteilt.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Gestern Donnerstag wurde bekannt, dass die Bosse der Spammer-Gruppe HerbalKing in Australien verhaftet wurden. Wie die US-Behörden mitteilten, bemühen sie sich um eine Auslieferung der Verdächtigen an die USA. Denn in Australien gibt es keine scharfen Anti-Spam-Gesetze. Sollten die Beschuldigten in die Vereinigten Staaten überstellt werden, drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen.

80 Prozent Müll

HerbalKing soll weltweit ein Drittel aller Müll-Mails versandt haben. Die monatlichen Gewinne sollen sich auf bis zu 400 000 US-Dollar belaufen haben.

Nach Schätzungen von Experten werden mittlerweile täglich bis zu 120 Milliarden der Werbe-Mails für Potenzmittel, Uhren und Kredite verschickt. Das entspricht rund 80 Prozent aller elektronischen Nachrichten.

Tarnen, tricksen, täuschen

Spammer haben gelernt, sich zu tarnen. Zum Beispiel mittels Botnetzen und Zombie-PCs, deren Besitzer nicht mitbekommen, dass über sie Massen-Mails versandt werden. Um Spam-Filter zu überlisten, reicht es in vielen Fällen, Auschnitte aus E-Books in die Mails einzufügen. So wird für die Filter sinnvoller Mail-Inhalt erzeugt. Hauptgrund der Spam-Flut ist, dass die Absender so sicher sein können, dass wenigstens ein paar die Filternetze passieren und jemand auf sie hereinfällt.

Aber wer sind die Top-Spammer, die mit den Werbebotschaften Millionen verdienen? In unserer Bildstrecke finden Sie die bekanntesten, deren Nachrichten bestimmt auch schon mal in Ihr Postfach gelangt sind.