Filesharing

30. September 2010 15:41; Akt: 30.09.2010 19:26 Print

Downloads für Anfänger

von Henning Steier - Mulve ist eine zwei Megabyte grosse Software, dank der man Millionen Songs leicht herunterladen können soll - gratis und legal. Die Musikindustrie gibt sich resigniert und flüchtet sich in Spott.

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Mulve ist eine neue Möglichkeit, für Piraten ihre Musikspeicher aufzufüllen. Symbolbild: Colourbox/Composing (Bild: Pelaez Julio)

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Als unlängst erste Filesharing-Blogs über Mulve berichteten, brach die Seite alsbald unter den zahlreichen Besuchern zusammen. Denn die nur zwei Megabyte umfassende Software für Windows bietet Zugriff auf Millionen Songs. Über das an gängige Mediaplayer wie iTunes erinnernde Interface lässt sich mit wenigen Klicks Musik herunterladen und in überwiegend guter Qualität auf der Festplatte speichern, wie ein Kurz-Test von 20 Minuten Online ergab, in dem überdies der Norton AntiVirus die Datei als sauber bewertete. 20 Songs - vom Top-10-Titel bis zum deutschen Indie-Titel - liessen sich problemlos finden. Das Video, welches auf mulve.com gezeigt wird, gibt einen kurzen Überblick.

Um dem Ansturm der Nutzer Herr zu werden, benötigt man nun einen BitTorrent-Client wie Vuze, um das Programm herunterzuladen, wie die bis dato unbekannt bleibenden Macher auf ihrer Website schreiben. Denn über BitTorrent laden Anwender bereits wieder Dateiteile hoch, während der Download noch läuft. Dadurch werden Serverkapazitäten gespart. Ausserdem heisst es in der Selbstbeschreibung: «Zwei Musiker mit IT-Hintergrund beschlossen eines Abends nach einem Drink, ein Programm zu schreiben, das es leicht wie kein anderes macht, mit wenigen Klicks Musik herunterzuladen.»

Alles andere als neu

Das wirkt angesichts zahlreicher Konkurrenzlösungen übertrieben. Zuletzt hatten zwei Schweizer Maturanden mit ihrer Software Schlagzeilen gemacht, die ursprünglich iNetTunes hiess und nun flyingTunes heisst. Auch mit ihr kann man einfach Songs herunterladen. Sie nutzt dazu spezielle Abfragen von Suchmaschinen, die jeder Nutzer auch selbst eingeben könnte - was aber jeweils vergleichsweise lange dauert. So findet unter anderem Musik, die Studenten auf Server ihrer Hochschulen geladen haben und die normalerweise verborgen bleibt. Das generelle Problem aus Sicht der Musikindustrie: Bislang ist der reine Download in der Schweiz nicht kriminalisiert worden, so dass man solche Tools zumindest hierzulande problemlos nutzen kann. Laut IPFI Schweiz, dem Verband der Musikindustrie, sind wegen Piraterie seit 2003 hierzulande bereits mehr als 600 Arbeitsplätze im Bereich der Musikwirtschaft verloren gegangen. Die Verkäufe gingen seit dem Jahr 2000 um über 44 Prozent zurück.

Daher ist liest man in Wilfried Haferlands per E-Mail an 20 Minuten Online übermittelter Stellungnahme eine gewisse Resignation zwischen den Zeilen: «An der Haltung der IFPI Schweiz gegenüber Gratismusik-Suchdiensten hat sich seit dem letzten Interview zu iNeTtunes nichts geändert. Wie die anonym auftretenden Anbieter selbst schreiben, kann ihre Software nichts, was der User nicht auch per Webbrowser erreichen könnte.» Es werde sich auch hier zeigen, wie der Dienst bei den Nutzern ankommt. Die IFPI halte den Dienst für absolut überflüssig. Haferland arbeitet für die Kanzlei Peter Vosselers, welche die IFPI in der Schweiz vertritt.

Kein gleiches Recht für alle

«Lesen Sie mal die Nutzungsbedingungen», schreibt Haferland weiter, «es ist schon fast amüsant, dass die Anbieter des Dienstes so grosse Angst um ihre eigenen Urheberrechte an Software haben, die Missachtung fremder Urheber- und Leistungsschutzrechte aber gleichzeitig zum Geschäftsmodell machen wollen. Wenn es an die eigene Tasche geht, sieht die Welt eben plötzlich anders aus.» Die Macher von Mulve, das übriges eine Abkürzung für Music Love sein soll, verbieten auf ihrer Seite unter anderem das Verbreiten von weiterentwickelten Version des Programms über fremde Websites. Geld verdienen wollen die Betreiber von mulve.com durch Anzeigen und Spenden.

Wie die Macher von Mulve ihre Software auf nach eigenen Angaben zehn Millionen Titel zugreifen lassen, dazu blieb eine Anfang der Woche gestellte Anfrage von 20 Minuten Online unbeantwortet. Gegenüber filesharefreak.com hatten sie nebulös vom Zugriff auf einige Server berichtet, ohne zu verraten, wo diese stehen. TorrentFreak.com will durch Tests mit Wireshark herausgefunden haben, dass einige Songs von russischen Servern stammen sollen, die mit dem Social Network VKontakte verbunden sind, dessen Mitglieder es vielfach dazu benutzen, Musik zu verbreiten. Auch eine Anfrage dazu liessen die Macher von Mulve unbeantwortet.